24. September 2022 / 16:11 Uhr

"Bremen hat Tür nach Europa geöffnet": Stürmer-Legende Claudio Pizarro sagt Adios

"Bremen hat Tür nach Europa geöffnet": Stürmer-Legende Claudio Pizarro sagt Adios

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Claudio Pizarro erhält am Samstag sein Abschiedsspiel.
Claudio Pizarro erhält am Samstag sein Abschiedsspiel. © IMAGO/ULMER Pressebildagentur
Anzeige

Vier Mal spielte er für Werder, zwei Mal für den FC Bayern: Claudio Pizarro ist eine der größten Legenden der Bundesliga-Geschichte. An diesem Samstag lädt er zu seinem großen Abschiedsspiel in Bremen ein. Neben ihm stehen weitere Werder-Idole auf der Gästeliste.

Alles begann mit einem Loch im Zaun. Weil Werder Bremens früherer Geschäftsführer Jürgen L. Born die längste Zeit seines Berufslebens in Südamerika verbrachte, fiel ihm dort irgendwann ein junger peruanischer Stürmer namens Claudio Pizarro auf. Um ihn näher zu beobachten und zu kontaktieren, fuhr er zum Trainingsgelände seines damaligen Klubs Alianza Lima. Und weil das abgesperrt und hoch umzäunt war, kletterte Born einfach durch besagtes Loch hinein. Der Rest ist Bundesliga-Geschichte.

Anzeige

Pizarro spielte in den folgenden 21 Jahren in fünf verschiedenen Zeitabschnitten für Werder und in zwei für den FC Bayern München. Er ist der älteste Torschütze in der langen Historie der Bundesliga sowie der ausländische Spieler mit den meisten Einsätzen (490) und den zweitmeisten Toren (197). Die Rekordtorjägerliste der Bremer führt er mit 109 Bundesliga-Treffern auch noch weit vor anderen Legenden wie Ailton (88) oder Rudi Völler (97) an. An diesem Samstag (17.30 Uhr/Sat.1) findet vor mehr als 40.000 Zuschauern im Wohninvest Weserstadion Pizarros Abschiedsspiel statt.

Pizarro ist seinem Entdecker Born sehr dankbar. "Jürgen ist für mich die wichtigste Person in meiner Karriere", sagte der 43-Jährige am Donnerstag. "Wir haben immer noch einen sehr guten Kontakt." Der Peruaner ist neben dem ehemaligen Mann an der Klub-Spitze auch dem Verein dankbar: "Bremen hat mir die Tür nach Europa geöffnet. Ich wollte immer zurückkommen, weil ich mich hier so gut gefühlt habe. Es war wichtig für mich, dass das Spiel hier ausgetragen wird."

Sein ehemaliger Trainer Felix Magath ist sich sicher: "Er war ein kompletter Fußballspieler, wie ich sonst keinen mehr gesehen habe." Das verriet Magath in dem eigens für dieses Abschiedsspiel aufgenommenen Podcast "Audio Pizarro". "Er hatte im Grunde keine Schwäche. Er war technisch gut, er war läuferisch gut, er war schnell, er war ausdauernd, er war kopfballstark, er war abschlussstark, er konnte Pässe spielen und Bälle annehmen."

Anzeige

Pizarros Besonderheit lag auch darin, diese Qualitäten über so viele Jahre gezeigt zu haben. Bei seinem ersten Bundesliga-Einsatz am 28. August 1999 spielte er bei einem Bremer 1:1 bei Hertha BSC noch mit dem damaligen Nationalspieler Marco Bode zusammen. Zum Zeitpunkt von Pizarros letztem Bundesliga-Spiel am 27. Juni 2020 (6:1 gegen den 1. FC Köln) gehörte der bereits acht Jahre Werders Aufsichtsrat an.

Namhaftes Line-Up beim Pizarro-Abschied

Dementsprechend stammen die Gäste bei seinem Abschiedsspiel auch aus mehreren Bundesliga-Generationen. Bode und Dieter Eilts aus seiner ersten Werder-Zeit, Max Kruse und Maximilian Eggestein aus seiner letzten, Torsten Frings und Per Mertesacker aus den Jahren dazwischen. Am Donnerstag verkündete er weitere Gäste. Mit Klub-Größe Johan Micoud wird ein weiteres Werder-Idol im Weserstadion auflaufen. "Wir haben leider nicht zusammen gespielt, aber er ist ein sehr guter und beliebter Spieler." Mit Entertainer Joko Winterscheidt nannte der Publikumsliebling zudem einen prominenten Teilnehmer außerhalb des Fußball-Kosmos.

Aus seinen erfolgreichen Bayern-Zeiten von 2001 bis 2007 und 2012 bis 2015 sind unter anderem Giovane Elber, Paulo Sergio, Arjen Robben und Philipp Lahm dabei. Ein Werder-, ein Bayern- und ein internationales Team werden am Samstag in drei Mal 30 Minuten gegeneinander spielen. Die Bremer werden dabei von Florian Kohfeldt gecoacht, der zum ersten Mal wieder als Trainer ins Weserstadion zurückkehren wird.

Das einzige, was bei Pizarro in seinen insgesamt zehn Bremer Jahren nicht ganz gestimmt hat, war das Timing. Werders Meisterschaft und Pokalsieg 2004 verpasste er, weil er da gerade in München spielte. Dafür wurde er mit den Bayern insgesamt sechs Mal deutscher Meister, gewann die Champions League und den Weltpokal. Nach dem Ende seiner Karriere kehrte er 2020 als Klub-Botschafter nach München zurück. Dass sein Abschiedsspiel nun in Bremen stattfindet, zeigt seine tiefe Verbundenheit auch zu diesem Klub. Bei den Bayern ist er nur eine von vielen Legenden. Bei Werder vielleicht die größte überhaupt.

"Ailton ist auch so einer. Wenn der in Bremen durch die Stadt läuft, werden Sie keinen finden, der ihn böse anguckt. Alle freuen sich, alle lachen. Bei Claudio ist es genauso", sagte sein langjähriger Trainer Thomas Schaaf bei "Audio Pizarro". "Er hat den Leuten verdeutlicht: Das Leben ist schön. Man kann vieles erreichen. Und es macht Spaß, zu leben." Das sei das, "was die Leute sehen und erleben wollen. Das ist ein unglaublicher Wert."

[Anzeige] Alle Spiele der Fußball WM live und exklusiv in der Konferenz bei MagentaTV. Mit dem Tarif MagentaTV Flex für nur 10€ pro Monat, monatlich kündbar.