21. März 2017 / 10:03 Uhr

Werder Budapest: Eine Bremer Connection in Ungarn

Werder Budapest: Eine Bremer Connection in Ungarn

Patrick Hoffmann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Werder Ferencvaros
Gleich vier ehemalige Bremer spielen in Budapest - weitere Werder-Profis könnten folgen. © imago/Montage
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Vier Ex-Werder-Profis stehen aktuell bei Ferencvaros Budapest unter Vertrag – ein Interview über diese kuriose Konstellation

Zumindest bei der Trikotfarbe mussten sie sich nicht umgewöhnen. Für Laszlo Kleinheisler, Florian Trinks, Janek Sternberg und Oliver Hüsing ist weiter alles im grün-weißen Bereich. Die ehemaligen Profis von Werder Bremen haben inzwischen in der Donaumetropole ihre neue fußballerische Heimat gefunden und mit dem ehemaligen Bundesliga-Trainer Thomas Doll einen deutschen Coach an ihrer Seite. Im Interview sprechen zwei der vier Ex-Werderaner über diesen Zufall.

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Herr Hüsing, Herr Sternberg, wann kommt Claudio Pizarro nach Budapest?

Hüsing: (lacht) Da würde ich einiges für geben. Aber ich glaube, es wird schwer, ihn im Sommer von einem Wechsel zu überzeugen. Vielleicht sollten wir ihn mal übers Wochenende einladen.

Aktuell stehen mit Laszlo Kleinheisler, Florian Trinks und Ihnen beiden vier Ex-Werder-Profis bei Ferencvaros Budapest unter Vertrag. Im Winter wurden zudem die Noch-Bremer Sambou Yatabare und Melvyn Lorenzen gehandelt. Zufall?

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Hüsing: Ja.
Sternberg: Vielleicht muss man mal die Scouts fragen, wie es dazu kommt.

Für Sie ist das doch praktisch: Sie können alle zusammen in einer Werder-WG wohnen.

Sternberg: Eine WG wird es so schnell nicht geben. Meine Freundin ist mit mir nach Budapest gezogen, wir suchen noch eine Wohnung. Ich weiß nicht, ob Olli mit einer WG einverstanden wäre …​
Hüsing:
… auf keinen Fall! ​
Sternberg: Es ist aber sehr schön, hier ein paar bekannte Gesichter zu sehen.
Hüsing: Ich habe mich auch sehr gefreut, als ich gelesen habe, dass Sterni zu uns kommt. Ich habe ihm gleich geschrieben.

Was haben Sie ihm mitgeteilt?

Hüsing: Ich habe ihm erzählt, wie es in Budapest ist, wie der Verein organisiert ist.
Sternberg:
Dieser Austausch war mir auch echt wichtig. Wenn man das erste Mal ins Ausland geht, will man wissen, wie das Leben vor Ort ist.

Und, wie ist das Leben vor Ort?

Sternberg: Budapest lässt keine Wünsche offen.
Hüsing: Mir gefällt es hier auch richtig gut. Man kann in Budapest gut Fußball spielen und gut leben. Das passt.
Sternberg: Man merkt halt, dass Budapest eine Weltmetropole ist. Hier ist alles etwas größer als in Bremen.

Haben Sie noch Kontakt nach Bremen?

Hüsing: Klar! Ich war 13 Jahre bei Werder, kenne da so gut wie jeden. Ich habe immer noch Kontakt zu den Physios, meinen Jugendtrainern, Leuten aus der Geschäftsstelle, ehemaligen Mitspielern.
Sternberg: Ich habe noch Kontakt zu Clemens Fritz, Maxi Eggestein, Florian Grillitsch. Und zu Masseur Holger Berger, der in unserer Whats-App-Gruppe ist.
Hüsing: Holger hat uns sogar ein Geschenkpaket nach Budapest geschickt. Super Typ!

Was war drin?


Hüsing: Bei mir war es ein Buch. „Der Ostfriesenschwur“. Wir haben damals regelmäßig Bücher ausgetauscht und uns dann während der Massagen darüber unterhalten.
Sternberg: Ich habe eine Collage mit Bildern von gemeinsamen Abenden erhalten. Und Schokolade.

Hält Werder die Klasse?

Sternberg: Da mache ich mir keine Sorgen.
Hüsing: Werder schafft natürlich den Klassenerhalt! Sie haben eine hohe Qualität in der Mannschaft und ein Trainerteam, das diese Jungs auf den richtigen Weg dafür bringt.

Oliver, Sie haben unter Alexander Nouri in der U23 gespielt. Was ist er für ein Typ?

Hüsing: Ihm ist das Menschliche sehr wichtig. Er holt die Spieler ins Boot, ist ein guter Motivator, hat aber auch gute Ideen, die er auf den Platz bringt.

Warum hat es für Sie beide bei Werder nicht gereicht?

Sternberg: Das ist immer schwer zu sagen. Wir hatten in Bremen einen enorm großen Kader. Wir waren drei Leute für eine Position, und ich hatte mit Santiago Garcia einen erfahrenen Spieler vor mir. Und in schwierigen Situationen wie dem Abstiegskampf kann ich verstehen, dass der Trainer lieber auf erfahrene Spieler setzt. Ich habe sicher auch einige Fehler gemacht, aber manches Mal, wenn ich nach einer Niederlage aus dem Kader gestrichen wurde, habe ich gedacht: Toll, war ich also wieder die einfachste Lösung. Da hätte ich mir gewünscht, auch mal ein paar mehr Spiele hintereinander zu machen.
Hüsing: Generell sollte man immer als Erstes auf sich schauen. Hätte ich so überragend trainiert und gespielt, dass kein Weg an mir vorbeigeführt hätte, dann müssten wir das Gespräch jetzt nicht führen. Am Ende kommen viele Faktoren zusammen. In Bremen hatte ich sicher auch immer so ein bisschen den Jugendspielerstatus. Ich musste also immer ein paar mehr Prozente zeigen als ein externer Spieler, der für viel Geld geholt wurde. Ich hätte mir auch mehr Chancen gewünscht, aber ich bin auch sehr stolz darauf, überhaupt für Werder Bremen in der Bundesliga gespielt zu haben.

Ist die Bundesliga mittelfristig wieder das Ziel?

Hüsing: Selbstverständlich. Aber ich habe gelernt, nicht zu weit in die Zukunft zu schauen. Ich will hier in Budapest gut spielen, Gas geben, gesund bleiben – dann ergibt sich der Rest von allein.
Sternberg: Bei mir geht es vor allem darum, Spielpraxis zu sammeln und mich wieder richtig dazugehörig zu fühlen. Ich habe ja in Bremen nicht so viel gespielt. Und man ist als Profi einfach nicht erfüllt, wenn man am Wochenende nicht auf den Rasen darf.

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