05. September 2021 / 17:03 Uhr

Werder-Mitgliederversammlung: Manager Baumann räumt Fehler ein - und erhält Applaus

Werder-Mitgliederversammlung: Manager Baumann räumt Fehler ein - und erhält Applaus

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Werder-Geschäftsführer Frank Baumann hat bei der Mitgliederversammlung des Zweitligisten Fehler eingeräumt.
Werder-Geschäftsführer Frank Baumann hat bei der Mitgliederversammlung des Zweitligisten Fehler eingeräumt. © IMAGO/Nordphoto (2)/Montage
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Es war eine emotionsgeladene Mitgliederversammlung erwartet worden. Doch trotz des ersten Abstiegs seit 41 Jahren blieb es bei Werder Bremen am Sonntag erstaunlich ruhig. Die Geschäftsführung um Frank Baumann, der auch eigene Fehler einräumte, kam bei aller Kritik glimpflich davon.

So etwas hat Frank Baumann im Weserstadion schon lange nicht mehr erlebt. Als der Sport-Geschäftsführer bei der mit großer Spannung erwarteten Mitgliederversammlung am Sonntag nach fast 40 Minuten seine Rede beendet hatte, gab es deutlich vernehmbaren Applaus. Noch vor ein paar Wochen hatte es laute "Baumann raus"-Rufe im Stadion gegeben, weshalb über die Zukunft des Geschäftsführer Sports nach wie vor heftig spekuliert wird. Doch beim ersten Treffen der Mitglieder seit dem Abstieg aus der Bundesliga kam es nicht zu der von vielen erwarteten Abrechnung mit Baumann.

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Was auch daran lag, dass Baumann vor den rund 1000 anwesenden Mitgliedern in seinem Vortrag Fehler einräumte. "Auch ich trage meinen Anteil am ersten Abstieg nach 41 Jahren", sagte der Ex-Profi. Ob Transfers, das lange Festhalten an Trainer Florian Kohfeldt oder der Abschied von Klub-Legende Thomas Schaaf als Technischer Direktor - Baumann bezog zu vielen Punkten Stellung und übernahm auch seinen Teil der Verantwortung. Gleichwohl räumte er ein, dass die heftige Kritik seit dem Abstieg "nicht spurlos" an ihm vorbeigegangen sei.

Baumann über aktuellen Werder-Kader: "Wir haben ein gutes Fundament"

"Ich brauche diesen Job nicht, ich bin finanziell unabhängig. Und ich brauche auch die Öffentlichkeit nicht. Aber für mich bedeutet Verantwortung zu übernehmen, auch in schwierigen Zeiten nicht davonzulaufen, sondern mit Sinn und Verstand anzupacken und zu versuchen, den Verein wieder in eine positive Zukunft zu lenken", sagte Baumann.

Dass die Kritik am Sportchef nicht so heftig ausfiel wie von ihm und vielen anderen im Vorfeld befürchtet, lag wohl auch daran, dass Baumann auf der Zielgerade der Transferperiode noch einige Erfolge hatte vermelden können. Die Verpflichtung von Marvin Ducksch als Torjäger stimmte viele Werder-Anhänger milde, der dem neuen Trainer Markus Anfang nun zur Verfügung stehende Kader weckt Hoffnungen, dass die Grün-Weißen doch direkt um den Aufstieg mitspielen können. "Wir haben ein gutes Fundament", sagte Baumann.

Pandemie und Abstieg: Werder Bremen präsentiert Millionen-Defizit

Auch finanziell wähnen sich die Bremer auf dem Weg in eine bessere Zukunft. Zwar präsentierte Geschäftsführer Klaus Filbry wie erwartet ein Millionen-Minus für die vergangenen beiden Spielzeiten. Für die Fußball-Saison 2019/20 vermeldeten die Bremer ein Rekordminus von 23,8 Millionen Euro, für die Abstiegssaison 2020/21 ein Minus von 8,8 Millionen Euro. Die Entwicklung bewertete Filbry aber positiv. "Ich glaube, dass es in der Bundesliga nicht viele Vereine schaffen, ihr Ergebnis in der zweiten Saison in der Corona-Pandemie um 15 Millionen zu verbessern", sagte Filbry.

"Wir hatten Corona, wir waren auf der Intensivstation. Heute sind wir von der Intensivstation runter. Wir sind wirtschaftlich wieder stabil", bilanzierte Filbry. Gleichwohl werde der Verein noch lange mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen haben. Schließlich muss der Klub Gelder einer Landesbürgschaft und einer Mittelstandsanleihe in Höhe von rund 40 Millionen Euro in den kommenden Jahren zurückzahlen. Dennoch sieht Filbry die größten Schwierigkeiten erst einmal überwunden. "Und wir werden, wenn es einigermaßen vernünftig mit den Zuschauern läuft, am Ende der Saison ein positives Ergebnis haben", sagte der Geschäftsführer.