12. Januar 2021 / 14:15 Uhr

Wermsdorfer Trainer Kupfer: „Diese Mannschaft ist immer heiß“

Wermsdorfer Trainer Kupfer: „Diese Mannschaft ist immer heiß“

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Dierk Kupfer (hinten rechts) beobachtet einen Zweikampf von Dominic Arendt im Derby gegen Dahlen.
Dierk Kupfer (hinten rechts) beobachtet einen Zweikampf von Dominic Arendt im Derby gegen Dahlen. © Pauline Kamm
Anzeige

Der Wermsdorfer Trainer Dierk Kupfer will mit seinen Jungs den Schritt in Richtung Landesklasse wagen. Im Interview spricht der 44-Jährige über die Zeit im zweiten Lockdown und zwei Verstärkungenim Team.

Anzeige

Wermsdorf. Unter Trainer Dierk Kupfer hat sich Blau-Weiß Wermsdorf vom Kellerkind zum Spitzenteam gemausert, wurde zweimal Dritter und einmal Vierter in der Fußball-Nordsachsenliga, holte zudem im vergangenen Sommer überraschend den Kreispokal. Danach verloren die Blau-Weißen kein Liga-Spiel mehr, sind derzeit punktgleich Dritter hinter Dahlen und Zschortau, die jedoch eine Partie mehr bestritten haben. Im Interview spricht der 44-jährige Kupfer über Corona, die erstaunliche Entwicklung seiner Mannschaft und das große Ziel Landesklasse-Aufstieg, für das vor kurzem zwei neue Spieler verpflichtet wurden.

Anzeige

Herr Kupfer, wann haben Sie Ihre Jungs zum letzten Mal gesehen?

Anfang November, vor dem zweiten Lockdown. Aber wir stehen über unsere Chat-Gruppe in ständigem Kontakt. Natürlich fehlt uns allen der Fußball sehr, so eine Situation hat ja noch keiner erlebt.

Mehr aus Nordsachsen

Haben Sie Verständnis für die lange Zwangspause?

Dort, wo wie im Profi-Fußball viel Geld verdient wird, geht es, bei uns nicht. Das ist kurios. Aber wir müssen das hinnehmen, sind abhängig von den Pandemie-Bestimmungen der Politik und den Entscheidungen des Verbandes. Momentan können wir nur warten.

Rechnen Sie damit, dass es bald wieder losgeht?

Wir hoffen zumindest, dass die Hinrunde wie geplant noch ausgetragen und die Saison gewertet wird. Und dass der Pokalwettbewerb zu Ende gespielt wird. Hier haben wir einen Titel zu verteidigen und wollen das auch schaffen.

War der Cupsieg im Finale bei Hartenfels Torgau ein Schlüsselerlebnis?

Es war der größte Erfolg der Vereinsgeschichte, für mich als Trainer, für meine Spieler, für unsere Fans. 250 durften mit nach Torgau fahren, wir hätten viel mehr mitnehmen können. Wir haben ja auch in der Liga die meisten Zuschauer. Und Erfolg beflügelt immer. Diese Euphorie konnten wir in die Punktspiele mitnehmen. Früher waren wir die Jäger, jetzt sind wir die Gejagten – und die Kerle scheinen damit gut klarzukommen. Das hat mich etwas überrascht, darauf bin ich stolz.

Woche für Woche Leistung bringen

Euphorie kann nicht die einzige Erklärung für den Wermsdorfer Höhenflug sein.

Die Mannschaft ist über einen längeren Zeitraum zusammengewachsen, hat sich nicht nur sportlich Schritt für Schritt entwickelt. Derzeit passt alles. So einen Teamgeist, so einen extremen Zusammenhalt habe ich früher nur als Libero in Mügeln erlebt, als wir drei Jahre in der Bezirksklasse gespielt haben. Wichtig ist, dass unsere Führungsspieler vorangehen. Kapitän und Torwart Benjamin Schönitz hält alles zusammen, auch Florian Böttger und Urgestein Robby Staude bringen ihre Erfahrungen ein. An ihrer Seite werden die jüngeren Spieler immer besser: Justus Keller, die Weidner-Zwillinge Dominik und Pascal, Sebastian Körner. Die Mischung in der Mannschaft stimmt einfach, wir sind stabiler geworden, haben zuletzt auch mit großer Moral Rückstände aufgeholt und bis auf ein Remis alle Spiele gewonnen.

Und der Trainer?

Appelliert an Kopf und Herz, damit die Jungs Woche für Woche ihre Leistung bringen. Diese Mannschaft ist immer heiß, und manch einer behauptet, dass dies auch am Trainer liegt...

...der früher mal in Riesa Landesliga gespielt hat.


Ja, ich denke, die Jungs wissen das und können mich einschätzen. Ich versuche meist, ruhig und sachlich zu bleiben, kann aber auch sehr laut werden. Wenn es mal knallt, dann richtig, und das hält dann eine Weile vor. Dass es bei uns in der Kabine immer sehr emotional zugeht, hilft der Mannschaft sicher. Aber das ist nicht nur mein Verdienst.

Verstärkung des Teams

Bisher hat in Wermsdorf noch niemand öffentlich vom Aufstieg gesprochen. Ändert sich das jetzt mit der glänzenden Ausgangsposition?

Ich sage jetzt mal: Der Punkt auf dem I fehlt uns noch und ich würde es sehr gern sehen, wenn wir noch einen Sprung machen. Die Bedingungen im Verein stimmen, wir sind sehr gut aufgestellt, Trainer und Spieler können in Ruhe arbeiten. Die Landesklasse wäre sicher das Optimum für Wermsdorf, und wir sollten dieses Ziel selbstbewusst angehen. Wann, wenn nicht jetzt? Die Mannschaft war noch nie so gut.

Ist Sie auch gut genug für die Meisterschaft?

Das werden wir sehen. Wir haben uns in den vergangenen Wochen noch verstärkt. Max Thomas, den wir schon im Sommer haben wollten, ist jetzt aus Merkwitz zu uns gewechselt, zudem kam Ben Dechert aus Mügeln. So haben wir in unserem breiten Kader noch mehr Alternativen für Mittelfeld und Angriff.

Der Merkwitzer Max Thomas (l.) wird von Axel Mecus geblockt.
Verstärkung Nummer zwei: Max Thomas (links) wechselt aus Merkwitz zu den Hubertusburgern. © Gerhard Schlechte

Welche Rolle spielt die zweite Wermsdorfer Mannschaft, momentan Schlusslicht in der Kreisliga?

Eine sehr wichtige. Wir trainieren zusammen, haben so immer 15 bis 17 Mann auf dem Platz. In der Kreisliga reifen etliche Talente aus der A-Jugend. Felix Hammer kann den Sprung nach oben schaffen, Johannes Keller hat schon in der Ersten gespielt. Das Verhältnis zwischen beiden Teams ist sensationell, sie helfen sich sehr untereinander. Die vielen jungen Leute in der Kreisliga brauchen Leitfiguren und Erfahrung, deshalb werden wir auch wieder Akteure von oben in der Zweiten spielen lassen, damit dort der Klassenerhalt geschafft wird.

Zurück zur Nordsachsenliga: Wen sehen Sie als schärfste Konkurrenten im Titelrennen, wenn es denn irgendwann weitergeht?

Da gibt es einige. Naundorf hat seine vier Spiele allesamt gewonnen, Mügeln ist ebenfalls noch ungeschlagen. Natürlich Zschortau und vor allem Spitzenreiter Dahlen. Bei Wacker sieht man, was der richtige Trainer bewirken kann, unter Thomas Patommel scheint es zu passen. Die brennen ebenfalls, und die Rivalität zwischen Wermsdorf und Dahlen ist immer noch groß, auch wenn die Spieler sich privat verstehen und die Derbys nicht mehr ganz so giftig sind wie früher. Kurz gesagt, im Spitzenfeld kann jeder jeden schlagen. Es wird eng, es wird spannend.