24. Mai 2021 / 10:37 Uhr

Amateurfußball gibt Halt: Werner Buchna schafft es von der Drogensucht zur Festanstellung 

Amateurfußball gibt Halt: Werner Buchna schafft es von der Drogensucht zur Festanstellung 

Bastian Aschemann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Im Amateurfußball hat Werner Buchna die Möglichkeit auf eine zweite Chance bekommen - und sie genutzt.
Im Amateurfußball hat Werner Buchna die Möglichkeit auf eine zweite Chance bekommen - und sie genutzt. © Verein
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Obdachlosigkeit, Abhängigkeit und das Gefängnis liegen in der Vergangenheit. Seit Werner Buchna einen Job im Amateurfußball hat, konsumiert er keine Drogen mehr. Heute hat der 50-Jährige eine Wohnung, ein regelmäßiges Einkommen und ist verlobt. 

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Werner Buchna zieht mit 16 Jahren nach Kaiserslautern und beginnt seine Lehre. Nachdem er dort zum ersten Mal mit Drogen in Kontakt gekommen ist, bricht er nach zwei Jahren seine Ausbildung zum Koch ab und kommt zurück nach Hannover. Buchna lebt von da an auf der Straße, verdiente Geld mit dem Verkauf von Drogen und wird selbst stark abhängig von Heroin, Kokain und Tabletten. Ende 2000 wird er für seine kriminellen Geschäfte elf Monate ins Gefängnis geschickt.

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Nach seiner Zeit hinter Gittern ändert Buchna erstmal nichts an seinen Gewohnheiten, eher er 2002 den ersten Schritt vorwärts macht. “Ich wollte meinem Leben einen Sinn geben. Mir wurde bewusst, dass bis 12 Uhr schlafen, rumlungern und Drogen nehmen keine Zukunft hat.” Der passionierte Fußballfan verkauft täglich das Straßenmagazin Asphalt und bezieht 2006 seine erste eigene Wohnung. Seit er für Asphalt arbeitet, nimmt er keine Drogen mehr. Lediglich die Ersatzdroge Methadon. Ab 2008 arbeite er zusätzlich als Volontär für Hannover 96: “Ich bin seit Kindheitstagen Fan und konnte so bei jedem Heimspiel im Stadion sein und die Mannschaft unterstützen.”

Übers Arbeitsamt in den Amateurfußball

Im Jahr 2010 kommt dann der nächste große Schritt im Leben von Werner Buchna. Er nimmt keinerlei Drogen mehr, und über ein Jobcoaching landet er auf Minijobbasis bei Arminia Hannover. Bei dem Traditionsverein aus Hannovers kümmert er sich um alle anfallenden Aufgaben: “Ich war der Junge für alles.” Seinen Job bei Asphalt kündigt er, da er sich ab jetzt auf seine Arbeit im Fußball konzentriert.



Nach acht Jahren bei dem Oberligaverein wechselt der gebürtige Hannoveraner zum HSC Hannover. “Sie haben mir einen besseren Job angeboten und eine Festanstellung in Aussicht gestellt”, erzählt er stolz. Im Alter von 48 Jahren bekommt Werner Buchna seine erste Festanstellung. Bei dem Regionalligisten kümmert er sich als Betreuer um die erste Herren, sorgt im Kabinentrakt für Ordnung und unterstützt das Platzwart-Team. Mit seinem Engagement verschreibt Buchna sich komplett dem Amateursport. “Für Hannover 96 konnte ich dann nicht weiter tätig sein, aber das war auch nicht so schlimm”, sagt Buchna.

Beim HSC Hannover die gute Seele des Vereins

Mit der Corona-Pandemie kam auch die Befürchtung eines Jobverlustes. “Ich hatte große Angst, meinen Job zu verlieren und habe das Gespräch gesucht”, sagt Buchna. Seinen Job hat er nicht verloren, nur seine Arbeitszeiten haben sich etwas geändert. “Aktuell mache ich immer Frühdienst und bin von 7 bis 15 Uhr auf der Anlage. Die Arbeit macht mir auch Spaß, aber natürlich hoffe ich, dass es bald wieder mit Fußball weitergeht”, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen.

Egal mit wem man über Werner Buchna spricht, man hört nur Positives über den engagierten 50-Jährigen. “Werner ist die gute Seele des Vereins. Wenn irgendwo Hilfe benötigt wird, kann man sich immer auf Werner verlassen”, sagt Spartenleiter Markus Pabst. Niklas Volke, Trainer der U17, kennt Werner Buchna schon aus der gemeinsamen Zeit bei Arminia: “Werner ist für uns Trainer eine große Hilfe im Trainings- und Spielbetrieb und darüber hinaus ein toller Charakter, mit dem ich immer gerne Zeit verbringe.”

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Werner Buchna hat seine Wurzeln nie vergessen und weiß, wie es anderen Bedürftigen geht. Er setzt sich regelmäßig für sie ein. Einmal im Jahr organisiert er mit anderen Helfern eine Benefizweihnachtsfeier. Teilnehmer: mehr als 1000 Bedürftige. Dazu kommen noch viele weitere Aktionen, bei denen Buchna gerne unterstützt.

Immer neue Ziele setzen

“Die Angst, rückfällig zu werden, begleitet mich ständig”, sagt Buchna. “Ich habe mir so viel aufgebaut, das möchte ich nicht durch einen schwachen Moment verlieren.” Seit er vor zehn Jahren beschlossen hat, clean zu werden, setzt er sich immer wieder kleine Ziele. Viele seiner Ziele hat Werner Buchna schon erreicht. Sein nächstes Ziel steht auch schon fest: “Nachdem ich meinen 50. Geburtstag nicht richtig feiern konnte, hoffe ich wenigstens, dass ich dieses Jahr noch anständig heiraten kann.” Seit November letzten Jahres ist der Platzwart mit seiner Freundin verlobt.

Auch wenn Werner Buchna mal nicht im Namen des HSC Hannover für den Amateurfußball im Einsatz ist, dreht sich bei ihm alles um das runde Leder. “Ich schaue oft zu Hause übers Internet andere Amateurspiele. Die Profis interessieren mich nicht so. Da checke ich nur ab und zu mal die Ergebnisse”, erzählt der 50-Jährige. “Mein Herz schlägt für den Amateursport.”

Der Amateurfußball war da, als Werner Buchna ihn brauchte. Nun ist Werner Buchna da, wenn der Amateurfußball ihn braucht.