26. November 2019 / 21:11 Uhr

Wettbewerbsverzerrung in der Regionalliga?

Wettbewerbsverzerrung in der Regionalliga?

Jürgen Rönnau
Lübecker Nachrichten
Mamoudou Karamoko und John Yeboah Zamora jubeln über den Wolfsburger Sieg auf der Lübecker Lohmühle. Die Zweitvertretung der Wölfe setzte in den vergangenen Spielen aber auch schon auf erstligareife Spieler wie Daniel Ginczek. Der VfB Lübeck sieht das als Wettbewerbsverzerrung an.
Mamoudou Karamoko und John Yeboah Zamora jubeln über den Wolfsburger Sieg auf der Lübecker Lohmühle. Die Zweitvertretung der "Wölfe" setzte in den vergangenen Spielen aber auch schon auf erstligareife Spieler wie Daniel Ginczek. Der VfB Lübeck sieht das als Wettbewerbsverzerrung an. © Agentur 54°
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VfB Lübeck und VfL Wolfsburg II duellieren sich um den Aufstieg - mit ungleichen Waffen. Denn der VfL setzt jetzt jetzt Millionen-Profis wie Schlager, Ginczek und Co in der "Zweiten" ein 

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Auf dem Weg in die 3. Liga ist der VfB Lübeck in der Regionalliga dem VfL Wolfsburg II auf den Fersen, könnte den Rückstand bis Weihnachten aus eigener Kraft auf einen einzigen Punkt reduzieren. Dazu setzt Grün-Weiß alle Hebel in Bewegung. Und steht doch auf verlorenem Posten? Denn das Duell mit dem VfL ist keines auf Augenhöhe. Das beste Beispiel gab es am vergangenen Wochenende. Da setzten die Wolfsburger in ihrem Punktspiel gegen Oldenburg gleich vier Profis aus ihrem Bundesligateam in der „Zweiten“ ein. „Das grenzt an Wettbewerbsverzerrung“, klagt Trainer Rolf Landerl. Und Vorstand Florian Möller meint: „Das ist kein fairer Kampf mit gleichen Waffen.“

VfL Wolfsburg U23: Mit Bundesligahilfe endlich den Aufstieg schaffen

Vergleicht man die nackten Zahlen der beiden Regionalligisten auf Basis der Daten des Fachportals transfermarkt.de, sind die Unterschiede zunächst eher unauffällig. Der Kader des VfB (24 Spieler) wird auf 2,33 Millionen Euro Marktwert taxiert, der des VfL-U23-Teams (29 Spieler) auf 2,78 Millionen. Allerdings gibt es in Wolfsburg noch den großen „Überbau“, die Profimannschaft in der Bundesliga. Dort sind noch einmal 28 Spieler notiert, die zusammen 233,45 Millionen Euro wert sind – und offenbar sollen auch die dazu beitragen, dass die Wölfe den im Sommer in den Playoffs verpassten Sprung in die 3. Liga nun 2020 endlich schaffen.

Kein Ersatz für Franziskus, Schelle und Hoins - und wehe, es fehlen Arslan und Grupe . . .

„Wenn bei uns Spieler ausfallen, dann müssen wir mit Jungs aus unserer Oberliga-U23 oder mit A-Jugendlichen auskommen, während der VfL sich einfach im Bundesligaregal bedienen kann“, ärgert sich Möller. So gab es natürlich keinen adäquaten Ersatz, als Daniel Franziskus die Fußballschuhe vor ein paar Wochen für immer an den Nagel hängen musste. Auch als jetzt Marcel Schelle und Dennis Hoins sich für den Rest des Jahres verabschiedeten – der eine mit verletztem Knie, der andere aus persönlichen Gründen – musste das reduzierte Team einfach enger zusammen rücken, was allerdings gut gelang, wie der Spirit beim 3:1 in Lüneburg gezeigt hat). Aber es ist nicht auszudenken, wie der VfB zurecht kommen mag, wenn die „wertvollsten“ Akteure Ahmet Arslan (Markwert 200 000 Euro, schon 13 Saisontore) oder Abwehrchef Tommy Grupe (175 000 Euro) ausfallen sollten.

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Schlager, Ginczek und Co: Wolfsburg überrollt VfB Oldenburg mit einer 35-Millionen-Welle

Wie man ein solches Problem in Wolfsburg löst, haben die Niedersachsen jetzt demonstriert. Mit John Iredale (bisher 10 Tore) und Defensivmann Dominik Marx fallen gerade zwei Stammspieler mit Fußverletzungen aus. Am Sonntag gegen den VfB Oldenburg verstärkten darum gleich vier Profis die VfL U23 – und überrollten den VfB mit 5:0. Denn es wurden nicht gerade Hinterbänkler abgestellt, sondern ein Quartett mit einem Gesamtmarktwert von über 35 Millionen Euro.

Lockere DFB/DFL-Regel: Millionen-Profi spielt in Bundesliga und Regionalliga binnen 20 Stunden

Allen voran ist da zunächst der elffache österreichische Nationalspieler Xaver Schlager zu nennen. Die Krönung: Der 22-Jährige mischte am Samstagnachmittag mit den Profis beim 0:2 bei Eintracht Frankfurt mit, spielte dann keine 20 Stunden später in der „Zweiten“ in der Regionalliga. Normalerweise unterliegt ein Spieler, der von einer höherklassigen Mannschaft eines Klubs in eine niedrigere Liga wechselt, einer Sperrfrist von zehn Tagen. Für ihre Profis haben DFB und DFL diese Regel allerdings „etwas“ gelockert. Die Pause gilt nur, wenn der betreffende Spieler in einem Team des eigenen Klubs aktiv wird, das unterhalb der fünften (!) Liga spielt. „Das ist ein Witz“, sagt Möller. „Da machen sich DFB und DFL die Regeln so, wie man sie braucht.“

VfB Lübeck empört. Wettbewerbsverzerrung - Punkt! Aus!

Für Schlager (Marktwert 15 Millionen) war es das Comeback nach Verletzung, ebenso für Daniel Ginczek (Wert 12 Mio) – einen mit allen Wassern gewaschenen Profi (früher VfB Stuttgart, 1. FC Nürnberg, Pauli, Bochum; fast 200 Erst- und Zweitligaspiele/53 Tore). Ginczek traf gegen Oldenburg doppelt. Unter den Torschützen in der „Zweiten“ war auch Elvis Rexhbecaj (Wert 8 Mio, 28 Erstligaspiele), das Profiquartett komplettiert wurde durch den Belgier Ismael Azzaoui. Möller: „Natürlich bricht der VfL damit keine Regeln, die Statuten sind nun mal so. Und dennoch: es ist Wettbewerbsverzerrung. Punkt! Aus!“

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