22. März 2020 / 09:46 Uhr

Optik-Rathenow-Tattoo: Wettschulden sind für Robert Berlin Ehrenschulden

Optik-Rathenow-Tattoo: Wettschulden sind für Robert Berlin Ehrenschulden

Christoph Laak
Märkische Allgemeine Zeitung
Robert Berlin, Physiotherapeut des Optik Rathenow, hat sich das Logo seines Vereins auf dem Oberarm tätowieren lassen.
Robert Berlin, Physiotherapeut des Optik Rathenow, hat sich das Logo seines Vereins auf dem Oberarm tätowieren lassen. © Privat
Anzeige

Regionalliga Nordost: Nach einer verlorenen Aufstiegsrelegation motivierte der Physiotherapeut des FSV Optik Rathenow auf eine besondere Art und Weise.

Anzeige

Den 10. Juni 2017 wird Robert Berlin, Physiotherapeut des Fußball-Regionalligisten FSV Optik Rathenow, wohl in seinem Leben nicht mehr vergessen. Damals hatten die Rathenower gerade ihr Aufstiegs-Relegationsspiel beim VfB Germania Halberstadt mit 1:3 verloren und den Sprung in die Regionalliga verpasst. In der Kabine der Rathenower herrschte verständlicherweise gespenstische Stille.

Anzeige

„Alle Köpfe waren unten und jeder hatte richtig an dieser Niederlage zu knabbern, zumal wir im Hinspiel schon späte Gegentore schlucken mussten“, erinnert sich Robert Berlin an damals. Die Frohnatur, die man eigentlich immer lächeln sieht, dachte sich, etwas gegen die Stille tun zu müssen. „Noch in der Kabine habe ich der Mannschaft gesagt, dass wenn sie im Jahr darauf den Aufstieg schafft, ich mir das Vereinslogo tätowieren lassen würde. Danach haben wir uns aber insgesamt als Team für das nächste Jahr eingeschworen“, so Berlin, der in seinem achten Jahr bei den Rathenowern dabei ist.

Mehr Fußball aus der Regionalliga/Nordost

Und seine Mannschaft legte nach der Enttäuschung in Halberstadt eine ganz starke Spielzeit 2017/18 hin. „Wir eilten von Sieg zu Sieg und waren früh an der Tabellenspitze. Am vorletzten Spieltag gewannen wir in Schwerin und hatten es so gut wie geschafft“, denkt der 29-Jährige zurück. Nach dem letzten Heimspiel gegen Malchow kannte der Jubel dann keine Grenzen mehr. „Mitten im Jubel kamen dann Ingo und Norbert (Trainer Ingo Kahlisch und Hauptsponsor Norbert Ohst, Anm. d. Red.) zu mir und erinnerten mich an meine Aussage aus dem Vorjahr und meinten dann ganz trocken: Viel Spaß“, so Robert Berlin, der sich im Jahr 2019 mit einer eigenen Praxis in Berlin selbstständig gemacht hat.

Besuch im Tattoo-Studio wird live gestreamt

„Und was ich verspreche, das halte ich auch ein“, erzählt Berlin mit einem Lachen. Auf der Mannschaftsfahrt nach Mallorca war es dann soweit. Erst wurde zünftig der Aufstieg gefeiert und an einem Abend ging es zum Tätowierer. „Jerome Leroy und Benjamin Wilcke hatten es vor Ort noch einmal angesprochen. Wir sind dann mit dem gesamten Team in das Studio marschiert. Wettschulden sind Ehrenschulden“, so Robert Berlin. Über Instagram wurde damals sogar in die Heimat gestreamt.

Den Tätowierer auf des Deutschen liebster Urlaubsinsel kannte Berlin schon von einem früheren Besuch – so zieren seine Haut bereits einige andere Tattoos. Ob er das Optik-Tattoo bereut? „Auf gar keinen Fall. Das gehört für mich einfach dazu. Ich bin ein spontaner Mensch, habe insgesamt vier Tattoos. Tiefsinnig ist davon allerdings keines“, erzählt Robert Berlin, für den seine Tätowierungen eher Erinnerungen an witzige Momente sind. „Dazu muss man dann auch stehen und das tue ich auch“, so Berlin, der weitere Tattoos nicht ausschließen möchte.

In Bildern: Optik Rathenow gewinnt mit 1:0 gegen den VfB Auerbach.

Die Gastgeber (rote Trikots) spielten eine starke erste Halbzeit und gingen verdient in Führung. Nach der Pause verteidigten sie die drei Punkte mit großer Leidenschaft. Zur Galerie
Die Gastgeber (rote Trikots) spielten eine starke erste Halbzeit und gingen verdient in Führung. Nach der Pause verteidigten sie die drei Punkte mit großer Leidenschaft. © Christoph Laak

Überhaupt seien große Tattoos nicht so schädlich, wie man es meistens vermuten möchte. „Ich sage immer: Wer keinen Ball annehmen kann, der kann es wegen eines großflächigen Tattoo auch nicht schlechter“, so Robert Berlin, der auch mit dem Märchen, dass Sportler deswegen langsamer regenerieren aufräumen möchte. „Klar atmet der Körper auch über die Haut, das macht aber keine zehn Prozent aus. Insofern sollten trainierte Sportler, die stark tätowiert sind auch keine Probleme haben. Zumindest in der Regionalliga macht das keinen Unterschied“, erklärt der Physiotherapeut.

Allerdings sollten Sportler schon darauf achten, wann sie sich tätowieren lassen. „Man sollte sich sicherlich nicht in der Vorbereitung etwas Stechen lassen. Wichtig ist, dass man nicht zu sehr schwitzt. Allerdings sollte die Tätowierung feucht gehalten werden. Durch die durchstochene Hautschicht hat man eine Entzündung, in dieser Zeit ist die Regeneration schon schlechter“, so Robert Berlin, der durch sein Optik-Tattoo auch immer an eine bittere Niederlage denken wird.