22. Oktober 2021 / 14:14 Uhr

Wichtig ist auf dem Platz: Klare Worte von Leipzig-Coach Marsch an Henrichs und Co.

Wichtig ist auf dem Platz: Klare Worte von Leipzig-Coach Marsch an Henrichs und Co.

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Im Training harmonieren Jesse Marsch und Benjamin Henrichs prächtig.
Im Training harmonieren Jesse Marsch und Benjamin Henrichs prächtig. © Imago / Picture Point / motivio
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Wenn Jesse Marsch Eines ausstrahlt, dann ist es wohl Positivität. Dass er trotz optimistischer Herangehensweise auch anders kann, bewies er am Vortag des Heimspiels gegen Greuther Fürth. Anlass: Benjamin Henrichs öffentliche Klage über zu wenig Einsatzzeiten bei RB Leipzig.

Leipzig. Er fordere zu wenig, sei ein Gute-Laune-Onkel, vor allem öffentlich nicht kritisch genug, eben der (zu) liebe Herr Marsch. Von wegen. Am Tag vor RB Leipzigs Heimauftritt gegen den Tabellenletzten Greuther Fürth (Samstag, 15.30 Uhr) zeigte sich der Coach nicht nur wie üblich bestens gelaunt, sondern vor allem angriffslustig wie selten, und das lag nicht nur an seinem markigen Statement: „Nett oder positiv oder negativ oder ein Arschloch. Ich kann alle diese Dinge sein. In einem Satz vielleicht.“

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„Werde wahrscheinlich nochmal mit Benny reden“

Welches der vier Gesichter Benjamin Henrichs zu sehen bekommen wird, verriet Jesse Marsch nicht. Der Verteidiger hatte sich in dieser Woche via Kicker über zu wenig Einsatzzeit beschwert und Abwanderungsgedanken zur Winterpause geäußert. Zuvor hatte der 24-Jährige seinem Unmut bereits mehrfach über Twitter und Instagram Luft gemacht. Die Reaktion seines Trainers erfolgte nun prompt. „Ich nehme das nicht persönlich. Aber meiner Meinung nach hat er zu viel geredet in den Medien.“

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Den Vorwurf, er würde nicht mit Henrichs reden, konnte der US-Amerikaner nicht nachvollziehen. Ja, er habe Henrichs vor drei oder vier Wochen klar gesagt, „dass ich nicht sicher bin, wie sehr er der Mannschaft derzeit helfen kann“. Der Grund ist simpel. „Ich kenne ihn außerhalb des Trainings kaum.“

Dass der Verteidiger kaum spielt, hat auch von ihm selbst verursachte Gründe, Stichwort Olympia. „Ich habe ihn bei seinem Wunsch unterstützt“, so Jesse Marsch. „Er hat dadurch aber natürlich in der Vorbereitung wichtige Zeit mit der Mannschaft verloren, kam erst spät zurück, war dann verletzt.“ Er werde „wahrscheinlich noch einmal mit Benny reden“. Und ihm dann vielleicht auch einen Einsatz gegen Fürth in Aussicht stellen? „Ich habe ihn gegen Paris eingewechselt, weil er es verdient hatte. Ja, er ist für Fürth ein Thema.“

Worten müssen Taten folgen

Mediale Äußerungen spielen in dieser Frage keine Rolle für den Coach, der seinen Jungs ohnehin keine Vorschriften machen. „Das sind Männer. Die brauchen keinen, der ihnen sagt, bitte äußere das oder das nicht in den Medien. Sie können sagen was sie wollen. Das Wichtigste ist aber, dass sie bereit sind, wenn sie aufgestellt werden.“ Oder anders gesagt: Wichtig ist auf dem Platz.

Diesen Satz sollten sich, wenn man Marschs Worten folgt, alle RB-Kicker noch einmal genau durch den Kopf gehen lassen. Warum? Ein Beispiel lieferte der 47-Jährige direkt selbst. „Unsere Laufleistung in Freiburg war nicht gut. In Paris war sie besser. Aber da geht noch mehr. Wir brauchen aber auch Spieler, die das umsetzen wollen.“ Ja, richtig gelesen, wollen. Offenbar ist der Trainer nicht bei jedem seiner Kicker vom Vorhandensein dieses Willens überzeugt und will vor allem keine Lippenbekenntnisse hören. „Die Spieler müssen mir im Training zeigen, dass sie das wollen. Es nützt nichts, das nur vor dem Spiel zu sagen.“ Und wieder: Wichtig ist auf dem Platz.