02. Juni 2020 / 09:25 Uhr

Wichtige Tore für BSG Chemie und Lok Leipzig: Hans-Bert Matoul wird 75

Wichtige Tore für BSG Chemie und Lok Leipzig: Hans-Bert Matoul wird 75

Frank Müller
Leipziger Volkszeitung
Im Lok-Trikot war Stürmer Hans-Bert Matoul 1974 mit 20 Treffern Torschützenkönig der Oberliga.
Im Lok-Trikot war Stürmer Hans-Bert Matoul 1974 mit 20 Treffern Torschützenkönig der Oberliga. © "125 Jahre. Vom VfB zum 1. FC Lokomotive Leipzig"
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Bei der BSG Chemie reifte Hans-Bert Matoul zum Oberliga-Fußballer und gewann den FDGB-Pokal. Als er zum 1. FC Union Berlin wechseln wollte, wurde der Staat aktiv. Also ging es zum 1. FC Lok Leipzig. Hier erlebte der Stürmer seine sportlich erfolgreichste Zeit.

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Leipzig/Wernigerode. Es war der erste hochbrisante Spielerwechsel von Chemie zum 1. FC Lok, als Hans-Bert Matoul 1971 von Leipzig-Leutzsch nach Probstheida ging. Nach der schon oft beschriebenen Neuaufteilung der Leipziger Oberliga-Fußballer von 1963 waren die Fußball-Leidenschaften in der Messestadt bekanntlich klar geteilt. Damit hatte Matoul, der am Dienstag seinen 75. Geburtstag feiert, eigentlich gar nichts zu tun. Chemie hatte ihn im November 1965 vom Harzer Kreisklasse-Verein Traktor Langeln geholt, nachdem er den Grün-Weißen in einem Freundschaftsspiel aufgefallen war. „Es war das Beste, was ich machen konnte“, sagt der heutige Jubilar rückblickend zum Wechsel nach Leipzig. „Ich habe versucht, mich gut einzufügen.“ Was gar nicht so einfach war, immerhin kam Matoul in die Meistermannschaft von 1964.

Lok gewinnt Machtpoker um Matoul

Doch er lernte schnell dazu, passte sich gut zwischen die Bauchspieß, Walter, Scherbarth und Co. ein. Spätestens, als er am 30. April 1966 im Pokalendspiel gegen Lok Stendal zum entscheidenden 1:0 für Chemie traf, war er bei den Leutzschern etabliert, avancierte immer wieder zum wichtigen Torschützen. Mit Chemie belegte er im gleichen Jahr in der DDR-Oberliga Rang acht. Es folgten zwei Zitterjahre, in denen die Grün-Weißen den Liga-Verbleib jeweils nur knapp schafften. Doch 1969 wurde Matoul mit Chemie Sechster, ein Jahr darauf Vierter, ehe 1971 der Abstieg nicht verhindert werden konnte.

Wiedersehen im Club der ehemaligen Nationalspieler: Hans-Bert Matoul (l.) und Ex-FIFA-Referee Bernd Heynemann.
Im Lok-Trikot war Stürmer Hans-Bert Matoul 1974 mit 20 Treffern Torschützenkönig der Oberliga. © Getty Images
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Einige „Häscher“ der Oberliga hatten Matoul da längst auf ihrem Zettel. Und zwar nicht zuvorderst die vom Stadtrivalen aus Leipzig, sondern vom 1. FC Union. „Ich war mit den Berlinern schon einig, da ich weiterhin Oberliga spielen wollte“, erklärt Matoul. Chemie konnte den Abwanderungswilligen nicht halten, wohl aber der mächtige Fußball-Verband. „Vom DFV erhielt ich ein Schreiben, dass ich nicht einfach gehen könnte, wohin ich will“, erinnert sich der Ex-Stürmer. Lok hatte von Matouls Absichten Wind bekommen und beharrte darauf, dass er im Bezirk bleibt, sprich nach Probstheida kommt und gewann den Machtpoker um den damals 26-Jährigen. „Das ging dann ganz schnell“, erzählt Matoul, der die Chemie-Fans nun besonders traurig zurückließ.

Torschützenkönig der DDR-Oberliga

Bei Lok ging es dem Goalgetter zunächst ähnlich wie anfangs bei Chemie, er passte sich aber ebenso schnell ein. Manfred Geisler, mit dem sich Matoul sofort überaus gut verstand, charakterisiert Matoul so: „Hans-Bert gab in jedem Spiel sein Letztes, zeigte stets hohen Einsatz und war vor allem kopfballstark.“ Wolfgang Altmann, der als junger Spieler selbst von Chemie zu Lok geholt worden war, erinnert sich ähnlich: „Er war willensstark, ein Riesengewinn für uns und deshalb schon nach kurzer Zeit ein Führungsspieler. Für die Gegner war er indes sehr unangenehm.“

Kein Wunder also, dass Matoul in der grandiosen Saison 1973/74 mit 20 Treffern Torschützenkönig der DDR-Oberliga wurde und Lok so mit zu Platz vier verhalf. Im Uefa-Cup ging es im gleichen Jahr nach großen Partien gar bis ins Halbfinale. Zur WM nach Westdeutschland nahm ihn Auswahltrainer Georg Buschner dennoch nicht mit, obwohl der Stürmer zuvor in drei Länderspielen mitgewirkt hatte.

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3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) Zur Galerie
3. Oktober 1973 - Nach dem Sieg auswärts gewinnt der 1. FC Lok Leipzig auch daheim gegen den AC Turin und zieht in die zweite Runde des UEFA-Cups ein. (@ Archiv) ©

Allerdings war Matoul nun 29 und wollte seine Karriere bereits beenden, um die elterliche Bäckerei in Langeln zu übernehmen. Er hatte sich unterdessen vom Bäcker zum Konditormeister qualifiziert. So hörte er also aus sportlicher Sicht viel zu früh mit dem Leistungssport auf – und kam doch nicht vom Fußball los. Nach kurzem Zwischenspiel bei seinem Ursprungsverein engagierte ihn 1976 der Langeln nahe liegende DDR-Ligist Einheit Wernigerode, wo er noch bis 1980 spielte, um dann dort den Trainerposten zu übernehmen.

Ab 1984 war er mit Winfried Erler Coach bei Chemie Markkleeberg. 1990 kehrte er für ein halbes Jahr noch einmal nach Leutzsch zurück, wo er als Trainer des FC Grün-Weiß, alias FC Sachsen wirkte. Darauf ging Matoul zu Wismut Gera und dann wieder zurück nach Wernigerode, wo er bis heute wohnt. Seine in Dresden lebende Tochter wird am Dienstag garantiert ebenso zu den vielen Gratulanten gehören wie sein aus München anreisender Sohn.