08. Dezember 2020 / 14:46 Uhr

Wider den "modernen Fußball": Als Manchester schon einmal in Leipzig zu Gast war

Wider den "modernen Fußball": Als Manchester schon einmal in Leipzig zu Gast war

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
2006 war schon mal eine Mannschaft aus Manchester in Leipzig. Damals spielte der FC United of Manchester gegen den 1. FC Lok Leipzig ein Freundschaftsspiel im Bruno-Plache-Stadion.
Gruppenbild im Mai 2006: die Teams des FC United of Manchester und des 1. FC Lok Leipzig. © Klaus-Dieter Gloger
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Am Dienstagabend wird zum zweiten Mal eine Partie zwischen einem Leipziger Club und einem Team aus Manchester angepfiffen. Bereits vor 14 Jahren war der FC United of Manchester in der Messestadt zu Gast. In der Partie beim 1. FC Lok ging es nicht um Punkte, sondern um eine Botschaft.

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Leipzig. Im Mai 2006 stiegen sie in voller Montur aus dem Flieger: schwarze Anzüge mit weißen Hemden und den roten Vereinskrawatten. Am Flughafen Leipzig/Halle warteten bereits Kamera-Teams und Schaulustige. Der Mannschaftsbus wurde von der Polizei und einem Hubschrauber begleitet. Der FC United of Manchester war auf dem Weg in die Messestadt. Ein Gastspiel beim 1. FC Lok Leipzig stand auf dem Plan.

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Zeichen gegen den „modernen Fußball“

Weltstars waren und sind die Kicker des Clubs nicht. Profis auch nicht, ganz im Gegensatz zum berühmten und traditionsreichen Manchester United. Sie sind Amateure, begannen in der Saison 2005/06 im System der Englischen Ligen und Divisionen auf dem zehnten Level, holten auf Anhieb den Meistertitel in der „North West Counties League Division Two“. Der FC United ist ein junger Verein. Er wurde 2005 gegründet und entsprang der Unzufriedenheit der Manchester-United-Anhänger mit den Entwicklungen bei den Red Devils. Anlass zur "Abspaltung" war die Übernahme des Traditionsclubs durch den US-amerikanischen Geschäftsmann Malcolm Glazer. Die Reise zum Freundschaftsspiel nach Leipzig war der erste internationale Auftritt des Teams.

DURCHKLICKEN: Bilder zum RB-Gastspiel bei Manchester United

Letztlich chancenlos war RB Leipzig beim deutlichen 0:5 gegen Manchester United. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann zeigte gerade im zweiten Spielabschnitt eine enttäuschende Vorstellung und ergab sich in ihr Schicksal. Zur Galerie
Letztlich chancenlos war RB Leipzig beim deutlichen 0:5 gegen Manchester United. Das Team von Trainer Julian Nagelsmann zeigte gerade im zweiten Spielabschnitt eine enttäuschende Vorstellung und ergab sich in ihr Schicksal. ©

Die Idee für die Partie war United-Fan John Marley und Lok-Anhänger Matthias Löffler ein Jahr zuvor in einem Leipziger Pub gekommen. Die beiden tauschten sich darüber aus, wie ihr jeweiliger Verein zum Opfer wirtschaftlicher Entwicklungen im modernen Spiel geworden war. Die Partie im Bruno-Plache-Stadion sollte folglich ein Zeichen gegen den modernen Fußball setzen.

400 Manchester-Fans in Leipzig dabei

Die Fans in Manchester waren von den herrschenden Zuständen schwer enttäuscht, fühlten sich angesichts steigender Ticketpreise zunehmend vom Stadionbesuch ausgeschlossen. In Leipzig war Lok einer von vielen ostdeutschen Traditionsclubs, die im Fußball des wiedervereinigten Deutschlands irgendwann den Anschluss verloren hatten. Die Situation in der Messestadt verschärfte sich im Mai 2009, als Red Bull auf der Suche nach einem Standort für einen Fußballclub ausgerechnet an der Pleiße fündig wurde. RasenBallsport (RB) Leipzig wurde gegründet und entwickelte sich für Viele zum Synonym für "Kommerzfußball".

Unter den fast 7.500 Zuschauern des Duells zwischen dem 1. FC Lok und dem FC United of Manchester am 12. Mai 2006 waren auch rund 400 aus Manchester. Gut 14 Jahre später gastiert nun der Premier-League-Rekordmeister höchstpersönlich an der Pleiße. Am Dienstag (21 Uhr/Sky) spielen die Männer von Trainer Ole Gunnar Solskjaer beim noch jungen Bundesliga- und Champions-League-Teilnehmer RB. Zuschauer sind diesmal weder aus Leipzig noch aus Manchester anwesend, denn die Corona-Schutzmaßnahmen gestatten keine Fans in den Stadien.