01. Juni 2019 / 07:27 Uhr

Wie arbeitet ein Bundesliga-Scout? Wolfsburg-Mitarbeiter erklärt seinen Job

Wie arbeitet ein Bundesliga-Scout? Wolfsburg-Mitarbeiter erklärt seinen Job

Tim Lüddecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Konstantin Georgiadis arbeitet als Scout für den Bundesliga-Verein VfL Wolfsburg.
Konstantin Georgiadis arbeitet als Scout für den Bundesliga-Verein VfL Wolfsburg. © VfL Wolfsburg
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Konstantin Georgiadis arbeitet als Scout für den Bundesliga-Klub VfL Wolfsburg. Mit dem SPORTBUZZER sprach der 29-Jährige über die Anforderungen, die ein Scout im Profifußball erfüllen muss, und die Herausforderungen der täglichen Arbeit. 

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Im Rampenlicht stehen die Spieler, die Trainer und die Manager. Doch im Hintergrund, im Fußball spricht man gern vom Team um das Team, gibt es noch einige andere Jobs, die zum Erfolg eines Bundesligisten beitragen. Einen davon hat Konstantin Georgiadis, der seit rund einem Jahr als Scout beim VfL Wolfsburg tätig ist; zuvor arbeitete er nahezu fünf Jahre für den 1. FC Köln. Im SPORTBUZZER-Interview gibt der 29-Jährige Einblicke in seinen Berufsstand.

SPORTBUZZER: Herr Georgiadis, fürs Fußballgucken bezahlt zu werden, klingt für manch einen sicher nach einem Traumjob.

Konstantin Georgiadis: Klar, gerade wenn man neue Leute kennenlernt, bekommt man das schon immer wieder zu hören. Und ich weiß selbst, dass es ein absolutes Privileg ist, diesen Traum ausleben zu können.

Wie sieht dieser Traum aus?

Im Grunde befasst man sich mit dem Thema Fußball, nur eben sehr tiefgreifend. Wir sind diejenigen, die versuchen, den gesamten Markt auf dem Schirm zu haben. Über die Bundesliga brauche ich meinen Vorgesetzten nicht viel zu berichten, weil sie sich da selbst sehr gut auskennen, aber gerade was den internationalen Fußball angeht, schauen wir schon sehr viele Spiele.

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Warum ist das überhaupt wichtig?

Die Entscheidungsfindung liegt letztendlich bei der sportlichen Leitung. Unsere Aufgabe ist es, dabei Risiken zu minimieren, indem wir eine unterstützende Funktion einnehmen. Wir geben Hinweise, welche Spieler Qualität mitbringen und unseren Kader besser machen könnten.

„Wir waren schon in Chile, Argentinien und Brasilien unterwegs“

Wie viele Spiele verfolgen Sie dafür?

Das kann ich gar nicht konkret beziffern. Es gibt Touren von Donnerstag bis Dienstag, bei denen man versucht, möglichst viele Spiele zu schauen. Wir waren schon in Chile, Argentinien und Brasilien unterwegs. Aber wenn ich von Montag bis Freitag im Büro bin, gucke ich bestimmt 40 Stunden Fußball. Das sind schon sehr viele Videos.

Wir sprechen aber nicht von Best-of-Clips auf Youtube?

Nein. (lacht) Es gibt mehrere Videodienstleister, die sowohl komplette Spiele als auch einzelne Szenen von jedem Spieler zur Verfügung stellen. Dadurch hat man die Möglichkeit, sehr effektiv und innerhalb kürzester Zeit einen ersten Eindruck eines Spielers zu bekommen – und mögliche Vorschläge von Beratern zu checken.

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Davon werden sicher einige eingehen.

Ja, und früher musste man sich auf diese Hinweise verlassen, ohne zu wissen, ob sich die Reise auch lohnt. Heute guckt man sich bei Bedarf ein weiteres Video über 90 Minuten an und dann erst das Livespiel – woraus man aber immer noch am meisten Schlüsse ziehen kann.

„Man sollte gute Marktkenntnisse haben und Trends erkennen“

Was macht einen guten Scout aus?

Man redet immer von einem guten Auge, dass man das Spiel verstehen und analysieren muss. außerdem sollte man eine gute Marktkenntnis haben und Trends erkennen – im letzten Jahr haben etwa viele Klubs im 3-5-2 gespielt, wodurch sich das Anforderungsprofil für einen linken Verteidiger oder auch für einen Innenverteidiger etwas anders gestaltet hat als zuvor im System mit Viererkette. Deshalb, weil wir unterstützend arbeiten, muss man sich auch auf uns verlassen können.

Wie bewährt man sich dann aber?

Bei manchen läuft der Weg über das Sportstudium, bei manchen über Verbände, manche waren Sichter beim DFB, manche waren Trainer, andere haben sich als Praktikanten bewiesen. Es gibt in dem Sinne keine klare Ausbildung oder einen Karriereweg.

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Ist der Job anstrengend?

Dadurch, dass ich ihn mit Leidenschaft ausübe, würde ich nicht von anstrengend sprechen. Es gibt sicherlich fordernde Wochen, in denen man über die 40 Stunden kommt. Ich freue mich aber immer wieder, neue Spiele sehen und reisen zu können. Das sind Privilegien.

Für die Profis ist die Saison nun beendet, für die Scouts auch?

Mit Saisonende ist die U20-EM in Polen gestartet, danach kommen im Juni die U21-EM und im Juli die U19-EM, das sind schon wichtige Turniere, bei denen wir vor Ort sein werden. Und dann wird es noch eine heiße Phase geben zwischen Juli und August, in der Vorbereitung – in der sich noch mal interessante Konstellationen ergeben können. Etwas ruhiger wird es für einen Scout erst nach dem Transferschluss am 31. August.

Und privat schauen Sie doch sicher auch noch Fußball?

Ja, aber dann gern möglichst neutral. Es ist ein Unterschied für mich, ob ich mich komplett auf einen Spieler fokussiere oder mich einfach mal unterhalten lasse. Ich freue mich zum Beispiel schon darauf, das Champions-League-Finale einfach als Fan gucken zu können. Aber ich kann auch gut verstehen, wenn es Kollegen gibt, die da dann vielleicht keinen Bock drauf haben, privat auch noch viel Fußball zu schauen. (lacht)

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