24. Juli 2019 / 20:00 Uhr

Wie bekommt die BG Göttingen eine neue Halle, Herr Meinertshagen?

Wie bekommt die BG Göttingen eine neue Halle, Herr Meinertshagen?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen.
BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen. © Hinzmann
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Wie läuft die Sponsorensuche bei der BG für die nächste Saison? Welche Spielerverträge sind schon sicher? Bleibt Michael Stockton in Göttingen? Und gibt es Basketball in absehbarer Zeit in einer größeren Halle? BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen im Tageblatt-Sommer-Interview.

Herr Meinertshagen, es ist Ferienzeit. Aber nicht für Sie und die BG Göttingen, oder?

Jetzt ist die ganz, ganz wichtige Zeit, was das Sponsoring angeht. Jetzt geht es um Gespräche mit unseren Partnern, Vertragsverlängerungen, die Ausweitung von Partnerschaften. Das ist immer nach der Saison die erste Hochzeit. Und nach den Sommerferien bis zu Saisonbeginn ist es dann richtig, richtig stressig. Wir starten immer schon ganz früh mit den Gesprächen für die kommende Saison, eigentlich schon Anfang Dezember des Vorjahres. Aber es gibt dann doch sehr viele, die erst mal abwarten, in welcher Liga man in der kommenden Saison spielt, und Gespräche dann auf die Zeit nach der Saison verschieben. Das macht es stressig.

Also Gespräche, Gespräche, Gespräche...

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Wir haben knapp 200 Partner, die wollen alle erst mal versorgt werden. Das ist nicht ganz so einfach. Und darüber hinaus wollen wir ja auch neue hinzugewinnen. Das sind schon eine Menge Gespräche, die notwendig sind. Das machen wir momentan im Prinzip mit zwei Leuten, mit Nils Leunig und mir.

Können Sie in Sachen Sponsoring schon Neuigkeiten vermelden?

Selbstverständlich kommen ein paar neue Partner hinzu, und wir werden einige verlieren. Bei so vielen Partnern hat man in jedem Jahr Fluktuation, das ist ganz normal. In K1X haben wir einen neuen Ausrüster gefunden, mit dem wir schon in der Vergangenheit immer vertrauensvoll zusammengearbeitet haben und der sich im Basketball fast wie kein anderer auskennt.


Wie viel machen die Sponsoren insgesamt in Summe aus?

Das sind etwa 70 Prozent unseres Gesamtbudgets – wenn ich alles dazu nehme. Die klassische Werbung ist dabei, …

… geldwerte Leistungen?

Wir haben sogenannte Barter Deals, also Tauschgeschäfte – Werbung gegen Sachleistung – im Wert von ungefähr 200000 Euro. Das ist eher wenig. Die Liga begrenzt das. Vom Mindestbudget, drei Millionen Euro, dürfen zehn Prozent Barter Deals sein, also bis zu 300000 Euro. Das schöpfen wir aber nicht aus. Wir prüfen genau, welche Barter Deals für uns Sinn ergeben. Bei diesen 70 Prozent ist alles dabei: Sponsoring, also Werbung, aber auch Hospitality, VIP-Karten und auch die Liga-Zahlungen, wie beispielsweise Fernsehgelder oder Abgeltung von Werberechten von Liga-Sponsoren wie der Barmer, von Easy Credit, von der Telekom. Von der Ausschüttung der Liga erhalten wir unseren Anteil.

Ist in letzter Zeit einer von den etablierten Sponsoren abhandengekommen?

Nein, abhanden nicht. Es gibt den ein oder anderen, der mehr macht oder reduziert hat. Da ist Bewegung drin, aber dass uns einer von den Größeren komplett abhandengekommen ist, nein. Aber die großen Sponsoren sind von der Anzahl her nach wie vor überschaubar.

Ist das ein schwieriges Terrain in Südniedersachsen oder funktioniert das ganz manierlich?

Das muss man differenziert betrachten. Wir sind sehr breit aufgestellt mit den knapp 200 Sponsoren. Unser Standortvorteil ist, dass es Basketball in Göttingen seit gefühlt 100 Jahren gibt, und dass wir hier im Sport wenig Konkurrenz haben in der Region, also in den klassischen populären Ballsportarten. Es gibt hier wenig bis gar keinen Fußball, zumindest nicht höherklassig. Es gibt keinen höherklassigen Handball, den gibt es erst wieder in Kassel. Eishockey gibt es in Kassel, aber eben nicht in der unmittelbaren Nähe. Deswegen sind wir so breit aufgestellt.

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Und der Nachteil?

Unsere Schwäche ist, dass wir einfach zu wenig große Sponsoren haben. Die Region ist nicht die wirtschaftlich stärkste Deutschlands, sie ist eher strukturschwach. Im sogenannten Oberzentrum Göttingen geht es vielleicht noch, aber wenn man in die Region geht, Richtung Harz oder in die anderen Richtungen, dann wird es wirklich dünn. Und die Firmen, die von der Papierform her für ein viel größeres Engagement bei uns infrage kämen, die kann man an zwei bis drei Händen abzählen. Und das macht es schwierig. Das ist anders als an anderen Standorten. So hat halt jeder Standort seine Vor- und Nachteile. Und das spiegelt sich bei uns in der Sponsorenlandschaft wider.

Haben Sie den jetzt auf drei Millionen Euro angehobenen Mindestetat locker erreicht oder ist das die Grenze?

Es wäre ja kontraproduktiv, wenn ich sagen würde, wir schaffen das locker. Wir werden das hinbekommen. Aber wir sind noch nicht am Ziel, wirklich nicht. Wir weisen im Moment etwa 80 Prozent unserer Sponsoring-Einnahmen nach, was für uns schon eine große Herausforderung war zu dem frühen Zeitpunkt. Wir kriegen das hin, was für uns wirklich ein toller Erfolg ist. Dass wir zum jetzigen Zeitpunkt zur Saison 19/20 mit über drei Millionen Euro an den Start gehen, das hätte ich vor zwei, drei Jahren noch nicht gedacht. Das ist schon wirklich eine gute Entwicklung für uns. Das Problem ist, dass sich der Basketball insgesamt so stark entwickelt. Das macht es für uns eben schwieriger.

Wenn Sponsoring kein ganz leichtes Thema ist: An welcher Ecke könnten Sie denn wirtschaftlich noch wachsen?

Wir müssen definitiv im Sponsoring weiter wachsen. Das ist das eine Thema für uns. Es gibt ein zweites, da sage ich gleich noch etwas dazu. Vor allem bei den größeren Sponsoren müssen wir zulegen, sonst ist das Wachstum begrenzt. Was wir jetzt schon merken, ist, dass uns die Werbeflächen ausgehen. Bei den in Anführungszeichen nicht ganz so sichtbaren günstigeren Werbefläche kommen wir langsam in Schwierigkeiten, alle unterzubringen. Was bei uns frei ist, sind die teuren Werbeflächen, die sehr sichtbaren. Oder zum Beispiel auch das Namenssponsoring, das ja zum Großteil in der Liga verkauft ist bei den anderen Klubs.

Und das zweite Thema?

Zweites Wachstumspotenzial wäre natürlich das Ticketing, auch das VIP-Ticketing. Das aber nur, und da sind wir bei einem meiner Lieblingsthemen der letzten Zeit, mit einer neuen Halle funktioniert. Da stoßen wir tatsächlich an Grenzen. Seit Jahren haben wir eine Auslastung von über 90 Prozent, jetzt wieder 93 Prozent, und die sieben Prozent, die noch frei sind, sind überwiegend Stehplätze, mit denen wir, rein finanziell betrachtet, nicht allzu viel Geld verdienen. Natürlich sind die Zuschauer wichtig, und wir wollen die Halle möglichst voll haben. Wir stoßen aber vor allem im Hospitality-, im VIP-Bereich an echte Grenzen. Man kann bei uns keine VIP-Tages-Tickets kaufen, weil wir einfach keinen Platz haben.

Es ist auch so schon voll genug bei Heimspielen.

Im VIP-Raum ist es sehr, sehr voll. Aber selbst wenn wir einen größeren VIP-Raum hätten, was ja mal zur Diskussion stand, wäre das angenehm für die Leute, die drin sind, aber wir würden kein zusätzliches Ticket verkaufen können, weil wir die Leute in der Halle gar nicht mehr unterkriegen. Was fehlt, sind gute Sitzplätze, die sind alle ausverkauft, schon seitdem ich denken kann. Sie sind alle belegt mit Dauerkarten und VIP-Dauerkarten.

Wie realistisch ist eine neue Halle?

Das ist eine Kategorie, in der ich gar nicht erst anfange zu denken.

Dann denke ich mal. Was müsste passieren, damit die BG in einer größeren Halle spielt?

Es müsste eine gebaut werden.

Wer müsste die bauen?

Das wäre tatsächlich zu diskutieren. Fakt ist: Eine neue Halle wird es nicht geben ohne Unterstützung durch die Stadt. Ich glaube nicht, das ist meine ganz persönliche Einschätzung, dass es im Endeffekt am Geld für den Bau scheitern würde. Ich glaube eher, dass man wirklich ein vernünftiges Konzept erstellen muss, wie man eine solche Halle mindestens kostendeckend sinnvoll betreiben kann. Und das funktioniert natürlich nicht nur durch die Belegung durch die BG, also dadurch, dass wir da unsere 17 Heimspiele machen oder meinetwegen irgendwann auch mal wieder ein paar internationale Spiele. Da braucht es ein Konzept, was da sonst noch alles stattfinden kann. Und dann wäre Schritt eins, erst einmal festzustellen, ob überhaupt der Bedarf für eine weitere Halle vorhanden ist. Ich glaube, ja. Nun kann man mir vorwerfen, ich sei voreingenommen, aber dann muss man das mal untersuchen lassen, das ist kein großes Ding. Wenn ich mit vielen Leuten aus der Region spreche, die mit dem Thema zu tun haben, sagen diese auch, dass der Bedarf für eine weitere Veranstaltungshalle da ist.

BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen stellt sich den Fragen von Christoph Oppermann und Andreas Fuhrmann.
BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen stellt sich den Fragen von Christoph Oppermann und Andreas Fuhrmann. © Christina Hinzmann / GT

Ist das Thema mit der Diskussion um die Stadthalle nicht durch?

Natürlich spielt das da alles mit rein, aber in Wirklichkeit hat das mit unserem Thema nichts zu tun. Die Stadthalle hat ganz andere Anforderungen. Ich habe am Anfang gedacht, dass man das wunderbar miteinander vereinbaren kann, indem man die Stadthalle eben nicht saniert, sondern eine neue Halle baut und an uns gleich mitdenkt. Ich habe mir von mehreren Leuten aber auch erklären lassen, dass die Anforderungen ganz unterschiedlich sind, also im Prinzip hätte man trotzdem zwei Veranstaltungssäle bauen müssen: für die Veranstaltungen in der Stadthalle und für unsere Großveranstaltungen. Das ist nicht deckungsgleich. Und die Stadthalle ist auch so schon voll belegt, da würden wir rein theoretisch gar nicht mehr mit reinpassen. Also hat die Diskussion mit der Form von Veranstaltungshalle, die wir brauchen, gar nichts zu tun. Und deswegen habe ich auch versucht, mich möglichst aus dieser Diskussion rund um die Stadthalle herauszuhalten, um nicht zwischen die Mühlsteine der Politik und Kultur und Parteien zu kommen.

War sicherlich nicht dumm.

Ja, das hat aber auch ein bisschen Zeit gekostet, weil die Diskussion sich gezogen hat und ich gerne unser Thema vorangetrieben hätte.

Welche Kapazität müsste eine Halle haben, die für Sie tauglich wäre?

Jetzt haben wir in der Sparkassen-Arena eine Kapazität von 3500. In der Lokhalle so ähnlich, 3700, rein theoretisch könnten wir auch dort spielen. Ich glaube, dass für uns eine Halle mit 5000 Zuschauern sinnvoll und auch gut zu füllen wäre. Die wäre sicherlich nicht immer ausverkauft. Jetzt haben wir einen Schnitt von etwa 3200 Zuschauern, ohne dass wir uns großartig bemühen, Zuschauer in die Halle zu locken. Wir merken, dass sich das ändert, dass wir mehr tun müssen und in Zukunft mehr tun werden, damit die Halle voll ist. Aber ich glaube, dass wir in einer solchen Halle, die moderner und noch mehr eine Veranstaltungshalle als die Sparkassen-Arena ist, locker einen Schnitt von 4000 Zuschauern erreichen können. Und damit wäre die Halle wirklich gut gefüllt.

In der jetzigen Sparkassen-Arena ist der Event-Charakter außerhalb der Halle eher übersichtlich.

Genau. Da gibt es viele, viele Kleinigkeiten oder auch größere Sachen, die es für uns echt schwierig machen. Das ist natürlich zum einen dem geschuldet, dass es einfach ein Kompromiss ist zwischen Schulsport- und Veranstaltungshalle …

… die Halle ist ein einziger Finanzierungstrick …

… ja genau. Zum anderen hätte man vielleicht trotzdem im Nachhinein ein paar Sachen besser machen können. Das sind ganz, ganz viele Kleinigkeiten: Das Foyer macht’s für uns echt schwierig, wir haben eigentlich nur eine Fläche, die wir noch zusätzlich nutzen können, um zum Beispiel Sponsoren zu präsentieren. Da haben wir manchmal eine Warteliste. Wir könnten Sachen verkaufen, und darum geht’s ja im Endeffekt häufig bei uns, haben aber die Fläche nicht zur Verfügung. Der Liga-Sponsor Easy Credit, der darauf Anspruch hat, kommt häufig, und und und. Dann bleiben uns vielleicht noch zehn Heimspiele, wo wir die Fläche noch zusätzlich vermarkten können. Das ist nur ein Beispiel. Dann gibt es viele Planungssachen in der Halle, die tatsächlich schwierig sind, die man vom Bau her, von der Zuschauerführung und so weiter hätte besser machen können, auch wenn es im Endeffekt eine Schulsporthalle ist.

Wo sollte Ihrer Meinung nach eine solche neue Halle stehen?

Weiß ich nicht. Wenn ich es mir aussuchen kann, zentral, gut erreichbar.

Die Frage zielt in die Richtung: Muss man das als Stadt Göttingen denken oder reden wir vom Landkreis?

… ja, aber von der Lage her kann ich mir persönlich alles vorstellen. Erreichbarkeit ist in Göttingen für mich, der in Hannover wohnt, aber ein sehr spezielles Thema. Wenn es hier weiter als fünf Minuten weg ist, dann ist das schon ein Drama. Ich glaube, dass es an der Fläche, am Grundstück nicht scheitern wird. Und dass man etwas finden könnte, das erreichbar und ein sinnvoller Standort ist.

Die Liga will auch immer weiter wachsen. Es gab vor gut einem Jahr mal die Diskussion um eine Mindesthallengröße. Wie sicher ist es, dass das irgendwann mal kommt?

Diese Diskussion wurde intensiv geführt, dann hat man sich aber auf andere Sachen geeinigt. Momentan sehe ich keine Gefahr, wenn es denn überhaupt eine Gefahr ist, dass an den Hallenstandards etwas geschraubt wird. Sprich, dass man die Mindestkapazität von 3000 hochsetzt. Dazu muss man wissen: Das wurde im Jahr 2000 oder 2001 festgelegt, also diesen Standard gibt es schon sehr lange. Insofern könnte man auf die Idee kommen, dass man den irgendwann mal höher setzt. Aber das sehe ich momentan nicht. Nichts desto trotz ist es so, dass manchmal sehr, sehr konkret, manchmal weniger konkret, an allen Standorten, an denen es noch so eine 3000er-Halle gibt, vergleichbar mit unserer Sparkassen-Arena, über eine größere Halle gesprochen wird oder sie in Planung ist oder der Bau schon fest steht. Wenn wir in Göttingen nichts tun, dann sind wir mittelfristig nicht mehr konkurrenzfähig. Wenn wir der einzige Standort sind, der in einer 3000er-Halle spielt, funktioniert das nicht. Wir stehen da voll im Wettbewerb, und einen so großen Standortnachteil können wir nicht ausgleichen.

Was heißt mittelfristig für Sie?

Das ist schwierig zu beziffern. In den nächsten zehn Jahren? Das hängt auch davon ab, wie schnell die anderen tatsächlich sind. An manchen Standorten ist es noch nicht so konkret oder bewegen sich die Diskussionen nicht voran. Aber an anderen Standorten, Würzburg zum Beispiel, da geht es auf einmal in ganz schnellen Schritten.

Wann wollen Sie damit anfangen?

Wenn es nach mir geht, sofort. Eines steht fest, auf Dauer wird das so nicht funktionieren. Da bin ich mir sehr, sehr sicher.

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Apropos Konkurrenzfähigkeit. Die Kaderplanung läuft auf Hochtouren. Einige Neuzugänge oder Verpflichtungen sind schon da. Wie sieht es mit den großen Namen aus, Michael Stockton zum Beispiel?

Michael hat sich noch nicht entschieden. Nach meinem Kenntnisstand auch nicht für einen anderen Verein, was tatsächlich schon mal ganz gut ist. Das wird wahrscheinlich auch bis August dauern. Es ist schwierig einzuschätzen, weil es nicht an uns liegt, das liegt ja an ihm. Er entscheidet im Endeffekt. Er hat ein Angebot von uns. Er kommt ja aus wohlhabendem Hause und ist nicht so richtig auf das Geld angewiesen, und insofern spürt er auch nicht den Druck, sich entscheiden zu müssen.

Trotzdem ist Geld auch wichtig. Aber da spielen auch andere Aspekte für ihn eine Rolle, auch sportliche natürlich: Vielleicht möchte er lieber zu einem Klub gehen, der vielleicht fünf, sechs Mal häufiger gewinnt als wir. Vielleicht möchte er noch mal international spielen. Und wie ist woanders seine Rolle? Diese Sachen spielen bei ihm sicher auch eine Rolle. Aber er lässt sich Zeit. Weil er eigentlich keinen Druck hat, sich entscheiden zu müssen.

(Anmerkung der Redaktion: Michael Stockton hat sich mittlerweile dem französischen Klub Cholet Basket angeschlossen).

Wenn er sich gegen die BG entscheiden würde, was würde das für die BG bedeuten?

Das wäre sehr, sehr schade. Zum einen natürlich sportlich, weil es auf seiner Position des Aufbauspielers nur überraschend wenige in seiner Kategorie gibt. Das Problem hatten wir letztes Jahr auch, da war er ja schon so gut wie weg und wir hatten eigentlich schon jemanden anderen, nämlich Dru Joyce, der bei uns schon einen von mir unterschriebenen Vertrag vorliegen hatte. Joyce hat dann noch in der Nacht abgesagt. Dann haben wir uns noch mal sehr, sehr intensiv um Stockton bemüht. Wir haben finanziell noch mal was draufgelegt, und dann hat er unterschrieben.

Und Joyce hatte abgesagt, weil er noch ein anderes Angebot hatte?

Keine Ahnung, warum. Im Endeffekt glaube ich, dass er ehrlicherweise darauf gehofft hat, ein Angebot von einem besseren Klub zu bekommen, bei dem er international spielen kann, das ist dann hinterher aber nicht passiert. Und ich glaube auch, dass er noch keine Lust hatte, so früh nach Europa zu kommen. Auch das darf man manchmal nicht unterschätzen. Und im Endeffekt hat er dann in Jena unterschrieben. Wir würden uns schon bemühen wollen, einen gleichwertigen Ersatz zu finden. Das machen wir jetzt natürlich auch schon, wir verlassen uns ja nicht darauf, dass Stockton bei uns unterschreibt.

Wie sähe die Alternative aus?

Die Alternative ist, dass man jemanden aus einer ganz anderen Preiskategorie nimmt, zum Beispiel einen Spieler, der direkt vom College kommt. Aber das ist gerade auf der Position echt schwierig, weil es einfach die wichtigste Position beim Basketball ist. Dieser Spieler hat am meisten den Ball. Außerdem wurde die Angriffszeit immer weiter verkürzt. Zu meiner aktiven Zeit hatte man pro Angriff noch 30 Sekunden Zeit, inzwischen sind es 24, aber eben ganz häufig auch nur 14 Sekunden, und da ist es häufig so, dass der Aufbauspieler den Ball bekommt, er kriegt einen Block gestellt und muss dann irgendwas kreieren. Da gibt es auch Systeme, aber er ist der entscheidende Mann. Also ist es wichtig, dass man da jemanden hat, der kreieren oder im Zweifel selbst abschließen kann.

Wie sieht es bei den anderen Spielern aus, die Leistungsträger waren und eventuell bleiben sollen?

Derek Willis hat einen Vertrag in Ulm unterschrieben. Den hätten wir natürlich unheimlich gerne behalten, das war aber für uns nicht machbar. Zum einen finanziell nicht, weil sein Agent locker das Dreifache vom letzten Jahr aufgerufen hat, was er auch bekommen wird. Jetzt ist er bei einem Klub, bei dem er auch international spielen kann. Er war natürlich ein richtiger Glücksgriff. Auch Joanic Grüttner Bacoul war nach seiner tollen Entwicklung bei uns nicht zu halten und wechselt nach Bayreuth zu einem Playoff-Kandidaten.

Von den ausländischen Spielern hat Carter noch einen Vertrag für die kommende Saison. Er hatte eine Ausstiegsfrist, die er nicht genutzt hat. Auch Lockhart hatte eine Ausstiegsfrist, die er nicht genutzt hat. Penny Williams wird nicht bleiben, da möchten wir auch einen anderen Spieler auf dieser Position haben. Bei Mihajlo Andric ist es offen, da würde ich mich persönlich freuen, wenn er zurückkommt. Johan (Trainer Johan Roijakkers, Anm. d. Red.) sicherlich auch, aber das hängt ein bisschen von anderen Positionen ab und davon natürlich, was Mihajlo machen möchte. Das steht auch noch nicht fest. Und was die deutschen Spieler anbelangt, sind wir für unsere Verhältnisse schon wieder ganz gut besetzt.

BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen im Sommerinterview.
BG-Geschäftsführer Frank Meinertshagen im Sommerinterview. © Christina Hinzmann / GT

Zur BBL. Ich fand die diesjährigen Playoffs relativ unspannend und langatmig. Da war ich nicht der einzige. Und dann es gab zwischen den Halbfinals und den Finals eine Woche Pause. Sollte man die Spiele nicht in kürzeren Abständen ausrichten, so wie in Spanien?

Das sah ich tatsächlich auch so. Es kam einem sehr lang vor, weil es eben auch nur so wenige Spiele waren. Die Runden waren früh zu Ende und die nächste Runde war viel später terminiert. Aber das kann man auch nicht mehr umswitchen, weil die Hallenverfügbarkeiten nicht da sind. Das sind Multifunktionsarenen, wo man ein Jahr vorher die Termine buchen muss, und dann kann München nicht einfach mal sagen, wir spielen jetzt vier, fünf Tage früher. Oder Berlin, wo zwischendurch Konzerte und sonst was stattfindet. Dass man den Takt grundsätzlich erhöhen kann, ähnlich wie in Spanien, finde ich ganz reizvoll. Grundsätzlich ist diese Saison einfach lang gewesen. Die nächste wird kürzer, weil im Juni Olympia-Qualiturniere international anstehen.

Die Liga wird definitiv mit 17 Teams an den Start gehen. Gibt es dann nur einen Absteiger?

Laut Lizenzstatut steigen die beiden Letzten ab. Auch bei 17 Teams. Die Klubs haben aber beschlossen, dass es in der kommenden Saison nur einen Absteiger geben wird, damit es mit den zwei Aufsteigern aus der ProA in der Saison 2020/21 dann wieder 18 Teams sind. Die Diskussion um eine Ligaverkleinerung haben wir zwar schon seit Jahren, aber es wurde schon so häufig darüber abgestimmt. Es gab nie eine Mehrheit dafür.

Das Verhältnis zwischen Ihnen und Herrn Roijakkers war in der letzten Saison gut, aber phasenweise auch, vorsichtig gesagt, interessant. Es gab ja schon die ein oder andere Auseinandersetzung, die teilweise auch in der Öffentlichkeit geführt wurde. Ist das abgehakt? Wie kommen Sie im Moment mit ihm klar? Wird er weiterhin Ihr Wunschtrainer sein?

Eigentlich war das gar nicht viel anders als in den Vorjahren auch. Mit dem sehr großen Unterschied, dass einfach viel mehr öffentlich war als in den Jahren zuvor. Intern ist alles so gewesen wie gehabt. Auch da hatten wir schon unsere Auseinandersetzungen und Streitigkeiten, aber alles im vernünftigen Rahmen. Wir sitzen ja Büro an Büro und reden ganz viel miteinander. Wir haben ein gutes Verhältnis. Das funktioniert schon. Wenn das nicht funktionieren würde, hätten wir ein richtiges Problem, und dann müsste man auch was tun. Was nicht funktioniert in unseren Jobs, ist, dass man Friede, Freude, Eierkuchen hat, also alles harmonisch abläuft. Das soll auch gar nicht so sein, weil wir unterschiedliche Interessen haben. Für Johan steht der Erfolg im Mittelpunkt, muss er auch. Da versucht er natürlich, das Optimale herauszuholen. Man kann sich aus meiner Sicht darüber streiten, ob denn der Weg immer der richtige ist, den er einschlägt, um etwas zu bekommen.

Aber ich habe auch noch andere Interessen drum herum. Für mich ist das Sportliche logischerweise sehr, sehr wichtig, aber es muss eben auch wirtschaftlich funktionieren; und auch noch andere Sachen. Da muss man sich auch reiben, finde ich, um voranzukommen, damit wir uns entwickeln. Wir haben ehrgeizige Ziele, die wir in Zukunft erreichen wollen. Johan holt gemessen an den Möglichkeiten, die er hier hat, wirklich das Optimale heraus. Das ist höchst anerkennenswert. Und wie er professionell rund um die Uhr arbeitet: Ich weiß nicht, ob wir da so schnell einen gleichwertigen Ersatz finden würden. Gute Trainer gibt es nicht wie Sand am Meer. Da mache ich mir überhaupt keine Gedanken. Für uns ist er wirklich der beste Trainer, den wir momentan hier haben können. Und das wird er in den nächsten zwei Jahren auch bleiben.

Welche großen Ziele haben Sie?

Zum einen haben wir gesagt, dass wir unser Budget mittelfristig auf 4,5 Millionen Euro steigern wollen. Und wir wollen dann mit den 4,5 Millionen Euro eines der Teams sein, das eher im gesicherten Mittelfeld landet und um den achten Playoff-Platz mitspielen kann. Das würde dieses Budget, Stand jetzt, hergeben. Daran arbeiten wir gemeinsam.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, in der kommenden Saison Streitigkeiten nicht ganz so oft öffentlich auszutragen. Ich habe tatsächlich unterschätzt, wie lange so was solche Wellen schlägt. Ich wurde ja schon mantramäßig darauf angesprochen. Es war gar nicht so leicht, immer wieder dieselben Sätze zu wiederholen.

Zum einen war es ja dieses Pokalspiel gegen Bamberg, das für viele Diskussionen gesorgt hat, und zum anderen die Diskussion, dass wir nur mit fünf Ausländern spielen. Da wird in der Öffentlichkeit so getan, als könnten wir das richtiggehend entscheiden. Die Entscheidung ist ganz einfach: Wenn kein Geld da ist, spielen wir halt mit fünf Ausländern statt mit sechs. Und wenn ich dann lese, dass wir ein hohes Risiko eingehen: Ja, aber es gibt keine Alternative. Wir können nicht in jedem Jahr mehr Geld ausgeben als wir einnehmen. Wir haben im Vorjahr ganz bewusst mehr Geld ausgegeben als wir eingenommen haben. Sprich, wir haben das Geschäftsjahr mit einem Minus abgeschlossen, weil wir der Meinung waren, dass wir nachverpflichten müssen, damit wir die Liga halten. Und dann haben wir mit Buford und Creek zwei sehr, sehr gute Spieler verpflichtet, aber auch zu einem ordentlichen Preis. Und so etwas können wir nicht in jedem Jahr machen.

Und dann kommt noch erschwerend hinzu, dass wir in dieser Saison nicht nur drei Millionen Euro Mindestbudget haben müssen, sondern auch ein positives Eigenkapital von einer Viertelmillion brauchen. Man kann ja mal in Bremerhaven nachfragen, was passiert, wenn man das nicht hat. Dann bekommt man nämlich keine Lizenz. Und deshalb hat sich diese Frage eben gar nicht gestellt. Es ging halt nicht.

Etwas Versöhnliches zum Abschluss. Basketballfans haben ja gefühlt immer etwas länger unter der Sommerpause zu leiden als Fußballfans. Auf was können sich die BG-Fans als Nächstes freuen?

Ich hoffe, dass uns die ein oder andere Verpflichtung gelingt, die die Fans dann tatsächlich auch erfreut. Die Verpflichtung von Michael Stockton wäre natürlich etwas sehr, sehr Positives. Ob das wirklich passiert, darf man mich Berufspessimisten nicht fragen. Aber es wäre schon schön, wenn uns das gelingen würde.

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Von Andreas Fuhrmann und Christoph Oppermann