28. April 2022 / 12:54 Uhr

Wie ein Gelenkschutz aus Oberhavel die NBA revolutionieren soll

Wie ein Gelenkschutz aus Oberhavel die NBA revolutionieren soll

Ronald Tenbusch
Märkische Allgemeine Zeitung
Dirk Nowitzki hatte in seiner Karriere immer wieder mit Gelenk- und Bänderverletzungen zu kämpfen - das Produkt Betterguards soll Schutz bieten.
Dirk Nowitzki hatte in seiner Karriere immer wieder mit Gelenk- und Bänderverletzungen zu kämpfen - das Produkt "Betterguards" soll Schutz bieten. © Imago/sportfotodienst, Julius Zorn
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Ein Hennigsdorfer Unternehmen hat eine innovative Technologie zum Schutz vor Verletzung entwickelt und so das Interesse der größten Basketballliga der Welt geweckt. Aber auch andere Sportarten können profitieren.

Den Preis für all seine großen Erfolge zahlt er in Raten an jedem Tag seines Ruhestandes zurück. Erst kürzlich berichtete Dirk Nowitzki über die Schmerzen, die er nach seiner langen und erfolgreichen Basketball-Karriere verspüre. Zu oft sei die NBA-Legende aus Würzburg in 21 Jahren bei den Dallas Mavericks mit dem Fuß umgeknickt, nun könne er sich an manchen Tagen kaum noch bewegen. Für den 43-Jährigen mit Sicherheit nur ein schwacher Trost, aber ausgerechnet aus seiner Heimat Deutschland kommt nun eine Technologie, die diese Problematik in Zukunft verbessern könnte.

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Weltweit einzigartiges Prinzip

Im Berlin-Brandenburger Unternehmen „Betterguards“ mit seinem Produktions- und Entwicklungs-Standort in Hennigsdorf (Oberhavel) wurde ein Hilfsmittel entwickelt, das Sportler und auch Arbeiter vor Gelenk- und Bänderverletzungen schützen, ihnen dabei aber maximale Bewegungsfreiheit gewährleisten soll. „Unser Ziel war es, maximalen Schutz zu bieten, ohne den Träger bei der Ausübung seiner Tätigkeit einzuschränken“, sagt Lars Birnbaum, Chief Sales & Marketing Officer bei „Betterguards“.

Die Brandenburger "Helden der Woche" der Saison 2021/22.

Ungewohntes Bild: Lukas Röse im Feldspieler-Trikot seines FSV Ketzin/Falkenrehde. Zur Galerie
Ungewohntes Bild: Lukas Röse im Feldspieler-Trikot seines FSV Ketzin/Falkenrehde. ©

Entstanden ist ein etwa zehn Zentimeter langer teilflexibler Stab, der auf einem Fluorid-System basiert und in Schuhe oder Socken integriert wird. Bei normaler Geschwindigkeit bewegt sich der Gelenkschutz ganz normal mit. Bei einer schnellen Kompression, wie beispielsweise einer plötzlichen Stauchung, verhärtet sich das Fluorid im Bruchteil einer Sekunde und schützt Bänder und Gelenke vor einer Überstreckung. „Herkömmliche Bandagen und Orthesen sind durchgängig steif, um Schutz zu bieten. Unser System fungiert eher wie ein Sicherheitsgurt. Wenn es den Ruck gibt, verhärtet es sich. Davor oder danach merkt man es kaum“, sagt Birnbaum. Weltweit hat „Betterguards“ mit seiner Erfindung bis dato ein Alleinstellungsmerkmal, das derzeit durch 17 Patentfamilien geschützt wird.

Tests bei Darmstadt 98 und Füchsen Berlin

Dieses Konzept hat die Aufmerksamkeit der größten Basketballliga der Welt, der NBA, auf sich gezogen. Die rief im vergangenen Jahr ein Programm zur Förderung von innovativen Technologien ins Leben, die Oberhaveler setzten sich gegen 300 andere Bewerber durch und ergatterten einen der vier Plätze im Programm. „Knöchelverstauchungen sind die häufigste Verletzung in der NBA und betreffen etwa 25 Prozent der Spieler pro Saison“, sagt Tom Ryan, Verantwortlicher für Basketball Technologie and Innovation bei der NBA dem SPORTBUZZER, „die Suche nach bahnbrechenden Lösungen könnte erhebliche Auswirkungen auf allen Ebenen des Spiels haben.“

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Dabei geht es nicht allein um den Schutz vor Verletzungen, auch bei der anschließenden Rehabilitation könnte der neuartige Gelenkschutz einen großen Sprung bedeuten. „Im Gegensatz zu bisherigen Lösungen greift unsere Technologie nur ein, wenn sie gebraucht wird. Die Muskulatur wird daher nicht entlastet und muss selber arbeiten“, so Birnbaum. Eine aktuelle Studie mit dem Fußball-Zweitligisten Darmstadt 98 zeige bereits, dass die Reha-Zeiten dadurch deutlich verkürzt werden könnten. Auch die Handballer der Füchse Berlin dienten bereits als Testathleten und ließen sich das System in ihre Schuhe einsetzen.

Entwicklungsteam noch mal aufgestockt

Bis auch in der NBA Stars wie LeBron James oder Franz Wagner mit dem Brandenburger Gelenkschutz auflaufen, wird es aber noch etwas dauern. Aktuell testet die Liga noch, wie gut und sicher das System bereits funktioniert. Unter anderem ist die University of Michigan involviert. „Wenn die ihr ,Go’ geben, dann ist alles möglich“, sagt Birnbaum. Dann wird „Betterguards“ nicht nur in das Netzwerk der NBA eingeführt, dann könnten auch ganz große Deals mit Spielern oder Schuhherstellern winken. Auch deshalb wurde das Produktentwicklungsteam aufgestockt und ebenfalls in den Hennigsdorfer Technologiepark verlegt. Um den Gelenkschutz weiterzuentwickeln, und kommenden Basketballer-Generationen einen schmerzfreien Ruhestand zu ermöglichen.

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