10. Januar 2022 / 14:16 Uhr

Wie eine schwebende Feder: Erinnerungen an den Grimmaer Läufer Detlev Taube

Wie eine schwebende Feder: Erinnerungen an den Grimmaer Läufer Detlev Taube

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Detlev Taube hat zeitlebens den Ausgang unzähliger Wettkämpfe bestimmt. 
Detlev Taube hat zeitlebens den Ausgang unzähliger Wettkämpfe bestimmt.  © Frank Thomas
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Schock für die Laufgemeinde der Region: Detlev Taube, ehemaliger DDR-Meister über 5000 Meter, ist überraschend verstorben – ein Nachruf.

Grimma. Die Neuigkeit verbreitete sich vor einigen Tagen wie ein Lauffeuer unter den leistungsorientierten Läufern der Region: Detlev Renaldo Taube ist einen Tag nach seinem 64. Geburtstag beim Training verstorben. Der Tod von Detlev Taube berührt tief. Insbesondere diejenigen Sportler, die über Jahre viele tausende Kilometer gemeinsam mit ihm liefen und hart trainierten.

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Bunkerte Medaillen

Wer war Detlev Taube? Schon als Jugendlicher wurde er 1970 Teil der Trainingsgruppe von Gunther Beyer bei Dynamo Grimma. Zielgerichtetes Training an allen Wochentagen brachten der zierlichen Sportskanone bald die ersten Medaillen bei Kreis-, Kinder- und Jugendspartakiaden und Bezirksmeisterschaften. Taube und der spätere 800-Meter-Europameister von 1978, Olaf Beyer, waren ein tolles Trainingsgespann – das wetteiferte und sich gegenseitig anspornte.

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Im Jahr 1980 siedelte die Truppe zur ASG Lindhardt über. Im Grunde genommen wurde aber nur die Wettkampfkleidung gewechselt, jedoch weiter in Grimma trainiert – und nach wie vor Siege gesammelt. Detlev „Täubchen“ Taube hatte mittlerweile seine Berufsausbildung als Zerspanungsfacharbeiter abgeschlossen und diente als Berufssoldat bei der Nationalen Volksarmee in der 2. Staffel des Kampfhubschraubergeschwaders 57. Dort schraubte er als Techniker an einer Mi-8 TB.


Am NVA-Standort Basepohl und seinem dortigen Wohnort Reuterstadt Stavenhagen (Mecklenburg) arbeitete er ehrenamtlich als Übungsleiter Leichtathletik und Orientierungslauf, trainierte aber weiterhin selbst sehr zielstrebig. So lief er im Jahr 1983 insgesamt 7562 Trainings- und Wettkampfkilometer, war der eifrigste Läufer der Streitkräfte. Er bunkerte Medaillen bei den Meisterschaften der Luftstreitkräfte/Luftverteidigung und bei den Armeemeisterschaften.

Eigenartiger Laufstil

Am 18. Juni 1983 lief „Täubchen“ in Leipzig den KMU-Marathon in 2:32:49 Stunden, platzierte sich in den Top Ten. Regional war gegen Detlev Taube kaum ein Kraut gewachsen. Dort wo er auftauchte, konnte man schon einen Podestplatz für ihn reservieren. Einen Tiefschlag gab es sicherlich im September 1983 beim Dübener Heidelauf – „nur“ Platz zwei über zehn Kilometer durch den Heidesand am Muldestädtchen. Wie sollte es anders sein, auch beim Schönbacher Straßenlauf war er über Jahrzehnte am Start und sammelte die Pokale, die bekannten „Schönbacher Teller“ als Seriensieger.

Zum Ende der alten Zeitrechnung startete er mit Sportfreund Olaf Beyer bei den letzten DDR-Meisterschaften in der Altersklasse, gleichbedeutend mit der jetzigen Seniorenmeisterschaft. Auf der Mittelstrecke über 1500 Meter holte Taube hinter Beyer die Silbermedaille. Über die 5000-Meter-Distanz erkämpfte sich Detlev Taube die Goldmedaille in einem sehr couragierten Rennen. Ein DDR-Meistertitel für die Ewigkeit.

Wer Taube laufen sah, war sofort begeistert. Denn sein eigenartiger Laufstil über den Vorfuß ließ ihn wie eine Feder schweben. Nach 1990 reiste er gemeinsam mit seinem alten Trainer Gunther Beyer und dessen Frau zu zahlreichen Welt- und Europameisterschaften der Senioren, unter anderem nach Spanien, Italien und Malta. Einmal sicherte er sich sogar die Bronzemedaille mit der deutschen Mannschaft.

Trainierte emsig

Wendewirren, Arbeitslosigkeit, Wohnort- und Vereinswechsel – irgendwann war „Täubchen“ zurück in der sächsischen Heimat. Er bekam eine befristete Anstellung im Innendienst bei den Grimmaer Radsportlern und wechselte anschließend zur TSG Markkleeberg, baute dort eine Laufgruppe auf, war stellvertretender Leichtathletik-Abteilungsleiter und arbeitete hauptamtlich im Sport. Mit seinen Athleten reiste er zu einer Vielzahl von Wettkämpfen, bunkerte mit dem Nachwuchs sehr viele Siege und Podestplatzierungen, verschaffte so vielen Kindern und Jugendlichen Erlebnisse der Sonderklasse. Seine Art machte ihn bei den Sportlern beliebt – fragte er doch immer, wie es ihnen geht, wie sie sich fühlten.

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Selbst jammerte er wenig, trainierte weiterhin emsig. Doch wer über Jahrzehnte so viele tausende Kilometer in Laufschuhen unterwegs war, der hatte auch Probleme. Und so war es kein Wunder, dass die Beine immer öfter schmerzten.

Trotzdem schaffte es Detlev Renaldo Taube, die meisten von uns ein Leben lang zu besiegen. Und auch jetzt ist er uns wieder voraus, organisiert vielleicht schon einen Wettkampf in dem, was nach dem Leben kommt. Danke „Täubchen“, dass wir mit dir laufen durften.

Frank Thomas