24. Mai 2022 / 10:19 Uhr

Wie geht es beim VfL Bückeburg nach dem Abstieg weiter?

Wie geht es beim VfL Bückeburg nach dem Abstieg weiter?

Jörg Bressem
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
x-Bremer
Möchte auch in der Bezirksliga die Richtung vorgeben: Alexander Bremer. © Uwe Kläfker
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Der VfL Bückeburg wird in der nächsten Saison in der Bezirksliga spielen. Die Zweite rutscht nach gut zehn Jahren zurück in die Kreisliga. Wie geht es weiter?

Der VfL Bückeburg hat im Fußball einen Namen, in Niedersachsen, im Bezirk Hannover, in Schaumburg ohnehin. Er hat mit dem Jahnstadion und den weiteren Plätzen ein großartiges Sportgelände und er hat – seit sein unaufhaltsamer Aufstieg in den siebziger Jahren begann – eine Tradition entwickelt. Unzählige großartige Spieler sind mit dieser Zeit verbunden, angefangen vom genialen Klaus Kramer bis hin zum heutigen Alexander Bremer.

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Tatkräftige Männer wie Werner Heinke bauten den VfL Bückeburg zu einem herausgehobenen Vorzeigeverein mit beispielhafter Nachwuchsarbeit aus. Alle wollten bei ihm spielen, alle wollten dabei sein und wer beim VfL Bückeburg war, der hatte gewissermaßen ein fußballerisches Qualitätsmerkmal, selbst nach einer Rückkehr in den Heimatverein. Ganz Schaumburg profitierte davon. Man musste diesen Verein mögen, weil er mit seiner fleißigen Talentförderung und seiner nachhaltigen Arbeitsweise alles genau richtig machte.

Abstiege

Doch das ist jetzt vorbei. Den VfL Bückeburg als Sammelpunkt der Hochbegabten, als Modellverein und als Primus gibt es nicht mehr. Die erste Herrenmannschaft reiht sich in der Bezirksliga in das Normalmaß des gehobenen heimischen Fußballs ein, die Zweite muss deshalb im Kreis über die Dörfer gehen und die A-Jugend wurde als Prügelknabe durch Niedersachsen weitergereicht. Demnächst spielt auch sie gegen Niedernwöhren/Enzen statt in Braunschweig und Göttingen. Kein Thema wird im Schaumburger Fußball derart intensiv diskutiert wie der Niedergang des VfL Bückeburg. „Die Entwicklung ist schlecht für uns alle und sehr bedauerlich“, sagt selbst Reinhard Stemme, der Vorsitzende des NFV-Fußballkreises.

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Nun gibt es im Sport immer ein Auf und Ab. Mal hat man Erfolge, mal verliert man, das festigt den Charakter. Doch der Abstieg des VfL Bückeburg ist mehr als das, er ist ein Beispiel dafür, dass selbst stabile Organisationen in eine Krise geraten, wenn man sie als selbstverständlich empfindet, sie nicht pflegt und der Zeit anpasst. Die Abstiege sind das Ergebnis langer Entwicklungen. „Ja, es wurden Fehler gemacht“, gesteht Stephan Brandt ein, der erst im November den Fußballvorsitz übernahm und dem die Misere nicht anzulasten ist.

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Doch um welche Fehler handelt es sich? Der wichtigste liegt in der Personalpolitik. Dass die Erfolge und zumindest die Zugehörigkeit zur Landesliga als zu selbstverständlich empfunden wurde, ist auch daran zu erkennen, dass sich lange Zeit kein Fußballvorsitzender fand. Viele hatten was zu melden, aber keiner wollte Verantwortung übernehmen. Paradoxerweise fiel dem VfL Bückeburg auch ausgerechnet seine gute Jugendarbeit auf die Füße. Jahrelang musste sich der Verein nicht um Spieler von außerhalb bemühen, weil schließlich immer gute Jugendliche nachrückten. Doch mit dem letzten guten Jahrgang, den der erfolgreiche Thorsten Rinne als A-Jugendtrainer groß machte, wurde es auch beim Nachwuchs dünner, nicht zuletzt aufgrund neuer Konkurrenten auf dem Nachwuchsmarkt.

Lücken werden nur intern geflickt

Dass die Fähigkeit und Mentalität verloren gegangen war, sich um externe Verstärkungen zu bemühen und geeignete Spieler anzusprechen, hatte spätestens im letzten Winter fatale Folgen. Nach der Revolte vom September und dem damit verbundenen großen Qualitätsverlust appellierten Fachleute, dass er dringend durch Neuzugänge ausgeglichen werden müsse. Doch beim VfL Bückeburg regte sich auch diesmal nichts. Stattdessen wurden die Lücken der Einfachheit halber immer weiter mit Spielern aus dem Bezirksligakader aufgefüllt. Der Abstieg in eben diese Liga war somit eigentlich vorprogrammiert, das wollen plötzlich alle schon immer gewusst haben – sogar Verantwortliche. Dem VfL Bückeburg fehlte ein umtriebiger Teammanager, ihm fehlte Gestaltungswille und Initiative, es gab nur das übliche selbstgefällige „Weiter-so“. Beim Nachverwerter VfR Evesen hatte man das schon lange erkannt.

Doch was kommt jetzt? Was wird aus diesem sympathischen Verein, dem so viele so viel zu verdanken haben? So wie man eine erhöhte Energiemenge benötigt, um gefrorenes Wasser wieder flüssig zu machen, so wird es jetzt eine große Aufgabe werden, den VfL Bückeburg wieder flott zu machen. Kann zum Beispiel Trainer Torben Brandt für diesen Neuanfang stehen?

Neuanfang mit Brandt?

Die Spielerrevolte und der bevorstehende Abstieg ist ihm nicht allein anzukreiden, das wäre viel zu einfach. Tatsache ist aber, dass er den Landesligisten VfL Bückeburg nach der Entlassung von Heiko Thürnau – die auch ein Meilenstein war – als Tabellenvierter von Nico Felix übernahm, dass danach zwei Jahrgänge qualitativ guter Jugendspieler nachrückten, dass daraus im Endergebnis aber ein kontinuierlicher sportlicher Abstieg wurde. Torben Brandt ist ein exzellenter Fußballfachmann, er kann gut analysieren, kann erklären und sogar ganze Spielverläufe vorhersagen, aber kann er jetzt die Wende einleiten und die Spieler mit klaren Botschaften tatsächlich mitnehmen?

Personell sieht es beim VfL Bückeburg offensichtlich nicht so schlimm aus, wie man befürchten könnte, zumindest was die erste Herrenmannschaft und den aktuellen Sachstand betrifft. Außer Christian Paul Schwier, der zum Studium abwandert, werden wohl alle Spieler bleiben, sogar Alexander Bremer. Der ist zwar mittlerweile 38 Jahre alt, beruflich in Hannover in einer verantwortlichen Führungsposition und wird demnächst Vater. Aber er will tatsächlich in der Bezirksliga weitermachen. „Die meisten unserer Spieler sind jung und erst Anfang 20, ich kann der Mannschaft vielleicht noch etwas geben“, sagt „Bubi“ Bremer mit Blick auf die weitere Entwicklung beim VfL Bückeburg, dem spannende Zeiten bevorstehen.

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