29. März 2020 / 14:55 Uhr

Wie geht es mit der Fußballsaison in Göttingen weiter?

Wie geht es mit der Fußballsaison in Göttingen weiter?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Verwaiste Sportplätze in der Region: An einen Anpfiff ist momentan nicht zu denken.
Verwaiste Sportplätze in der Region: An einen Anpfiff ist momentan nicht zu denken. © Scharf
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In den Fußballligen von der Bundesliga bis zur Kreisklasse ruht der Ball. Wie lange der Spielbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt bleibt, ist nach wie vor unklar. Göttinger Trainer und Funktionäre haben sich bereits mit mehreren Szenarien beschäftigt.

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In den Fußballligen von der Bundesliga bis zur Kreisklasse ruht der Ball. Wie lange der Spielbetrieb aufgrund der Corona-Pandemie ausgesetzt bleibt, ist nach wie vor unklar. Wird abgebrochen oder weitergespielt? Wir haben mit Trainern und Funktionären aus der Region gesprochen – über mögliche Wertungen und Szenarien.

Klaus Henkel (Vorsitzender des Kreisspielausschusses und Staffelleiter der Bezirksliga 4): „Selbst wenn wir einen Plan B in der Tasche hätten, sind wir vom NFV oder sogar DFB abhängig“, sagt Henkel. „Wir als Kreis haben da wenig Mitbestimmungsrecht. Zunächst einmal bleibt es bei der Aussetzung des Spielbetriebs bis zum 19. April. Sicherlich wird es in den oberen Gremien in den kommenden zwei Wochen ein Treffen geben, wo weitere Entscheidungen getroffen werden.“

Klaus Henkel und Hans-Dieter Dethlefs (v. l.).
Klaus Henkel © EF
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In der Kreisliga haben einige Teams noch 16 Punktspiele zu absolvieren. Stand jetzt könnte das erste Spiel am 23. April stattfinden. Das sei aber relativ unrealistisch, so Henkel. „Möglicherweise muss dann der Pokal wegfallen, und die Saison muss bis Ende Juni gehen. Wir hätten dann noch 19 mögliche Spieltage, allerdings mit einem Spielrhythmus Sonntag-Mittwoch-Sonntag. Zudem müssten am ersten Maiwochenende und an Pfingsten Doppelspieltage stattfinden. Ich persönlich rechne aber damit, dass wir in dieser Saison nicht mehr Fußball spielen. Zudem sind unsere Spieler keine Profis, die viermal in der Woche spielen können. Es wird eine bundesweite Entscheidung geben – da gibt es aus meiner Sicht nur zwei Möglichkeiten: Saisonabbruch oder Start Ende April.“

Henkel, betont, dass ein Super-Gau, der Abbruch der bisherigen Saison durchaus möglich sei. „Keine Mannschaft kann etwas für diese Situation und wäre auch nicht Schuld an einem möglichen Abbruch. Ich gehe von einer Verbandslösung aus. Dabei würde die laufenden Saison dann nicht gewertet werden und alle Teams könnten in der neuen Serie wieder in der aktuellen Liga starten. Bei allen anderen Entscheidungen würde es zudem zahlreiche Proteste und Einsprüche geben“, sagt Henkel.

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„Einen Spielbetrieb, bei dem fast täglich Spiele stattfinden, kann ein Großteil unserer Vereine gar nicht leisten. Die Kader liegen teilweise bei 15 Spielern – entsprechend würde es zu häufigem Nichtantreten kommen“, stellt Henkel klar. „Das wäre auch ein Stück weit Wettbewerbsverzerrung. Entscheidend wird die Entwicklung der kommenden Woche sein. Wie verhält sich der Virus weiter? In zwei bis drei Wochen wird es sicher eine Entscheidung geben.“

„Es könnte auch eine Menge von Klagen hageln“

Dennis Erkner (Trainer SVG Göttingen): „Über allem steht natürlich die Gesundheit. Dahingehend sind wir sicherlich in den nächsten vier Wochen schlauer. Einen Abbruch der Saison schließe ich grundsätzlich nicht aus“, sagt der Coach. „Wir sind als Tabellenführer schon sportlich getroffen. Deshalb sehe ich einen Abbruch mit keiner Wertung durchaus kritisch. Da könnte es auch eine Menge von Klagen hageln“, so Erkner.

Der SVG-Trainer betont, dass viele Teams in den Ligen von der Oberliga bis in den Kreis viel Aufwand und einige Investitionen betrieben hätten. „Falls es zu keiner Wertung kommt, würden mögliche Einsprüche von Vereinen den Prozess weiter verlangsamen und man könnte mit der neuen Saison vielleicht noch später beginnen. In Italien habe ich zwei mögliche Maßnahmen gefunden, die greifen könnten, falls die laufende Saison nicht zu Ende gespielt werden kann. Die erste Variante wäre, dass kein Team absteigt, es aber Aufsteiger gibt. Zweitens könnte man für jedes Team einen Koeffizienten ermitteln, der sich nach den bisherigen Punkten und der Anzahl der absolvierten Spiele richtet. Das wäre schon fair. Falls die Funktionäre beschließen sollten, dass die Saison gar nicht gewertet wird, wäre das insbesondere für uns schon sehr bitter. Allerdings ist Fußball derzeit auch nur eine Nebensache“, so Erkner.

Von einer Vorbereitung nach der Corona-Pause hält Erkner indes nichts. „Das wäre schon unsinnig. Jeder Trainer wird seinen Spieler einen Plan mitgegeben haben. Zudem sollten viele eine gewisse Grundfitness haben. Außerdem trifft es alle Vereine gleichermaßen – das wäre kein Nachteil für einen Verein“, betont der Übungsleiter vom Sandweg. Dass die Saison noch wie geplant zu Ende gespielt werden kann, sieht Erkner aktuell bei etwa 30 Prozent.

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Lukas Zekas (Trainer SC Hainberg): „Wir hatten sportlich das schwierigste denkbare Startprogramm, aber wir haben eine sehr gute Vorbereitung gehabt. Die Jungs sind echt motiviert und wollen es sportlich schaffen, unten aus der Tabelle herauszukommen. Es wäre schade, wenn wir nicht zeigen könnten, dass wir sportlich in der Liga bleiben können. Ob die Saison noch einmal weitergehen kann, hängt von höheren Instanzen ab – darauf haben wir eh keinen Einfluss. Die Situation ist derzeit für alle Teams nicht einfach, egal wo sie in der Tabelle stehen. Die Landesliga ist so eng, dass sich auch viele noch mit dem Thema Klassenerhalt beschäftigen müssen. UnsereAlltag hat sich schon extrem verändert, zumal wir viele Studenten haben, die auch Sport studieren und derzeit ihrem Hobby nur sehr eingeschränkt nachgehen können.“

Teamvorstellung SC Hainberg. Foto: Lukas Zekas.
Lukas Zekas © Niklas Richter

„Wir könnten das auch wiederholen“

Detlef Ott (Teammanager SSV Nörten-Hardenberg): „Wie lange die Pause gehen wird, kann man noch gar nicht abschätzen. Wenn die Bundesliga vielleicht Anfang Mai wieder beginnt, könnten wir es noch schaffen, die Saison zu Ende zu bekommen. Ich wäre für eine Verlängerung der Saison, vielleicht sogar über den 30. Juni hinaus. Aber es gibt derzeit auch wichtigere Dinge. Für uns wäre es nur sehr schade, wenn wir als Tabellenführer nicht die Chance zum Aufstieg bekämen. Aber wir könnten das auch in der kommenden Saison wiederholen.“

Jan-Hendrik Diederich (Trainer SSV Nörten-Hardenberg): „Ich war bisher ideenlos und hatte mich eigentlich mit dem Thema auch nicht auseinandergesetzt. Da alle Teams bisher eine Leistung erbracht haben, könnte man die Ergebnisse der Hinserie werten. Es haben alle Teams mindestens 50 Prozent der Spiele absolviert. Das wäre für mich die beste Möglichkeit. Grundsätzlich sollte man sich überlegen, ob man eine Winterpause von knapp drei Monaten benötigt oder ob man nicht lieber die Saison anpasst. Unsere Wetterlage hat sich noch nicht verändert. Insgesamt wollen wir nichts geschenkt bekommen und warten ab, was in den kommenden Wochen so passiert.“

Fabian Otto. Teamvorstellung der SG Bergdörfer am 09.07.19 in Brochthausen, Niedersachsen. 
Sport, Fußball Männer.
|Foto: Helge Schneemann
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Fabian Otto © Helge Schneemann

Fabian Otto (Trainer SG Bergdörfer): „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in dieser Saison noch ein Spiel bestreiten. Der Fußball rückt so sehr in den Hintergrund. Entscheidungen zum Auf- und Abstieg müssen irgendwann getroffen werden. Das erscheint mir in der momentanen Lage aber als so unwichtig, dass ich nicht darüber nachdenke.“