16. Mai 2020 / 09:35 Uhr

Wie geht es weiter im nordsächsischen Fußball?

Wie geht es weiter im nordsächsischen Fußball?

Johannes David
Leipziger Volkszeitung
Dem Quotienten sei Dank: Der ESV Delitzsch II darf in die Nordsachsenliga aufsteigen.
Dem Quotienten sei Dank: Der ESV Delitzsch II darf in die Nordsachsenliga aufsteigen. © Alexander Prautzsch
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Der Nordsächsische Fußballverband hat die Voraussetzungen für den Spielbetrieb nach Corona geschaffen: Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick, wo bereits Klarheit herrscht und wo (zwangsläufig) noch Lücken sind

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Nordsachsen. Der Weg ist geebnet, aber das KfZ noch nicht startklar. So oder so ähnlich lässt sich die Lage im momentan von Corona lahmgelegten Spielbetrieb des Nordsächsischen Fußballverbandes (NFV) zusammenfassen. Wir haben eine Übersicht zusammengestellt, was bereits klar ist und wo noch Redebedarf herrscht. Die Regelungen gelten für Erwachsenen- und Nachwuchsbereich gleichermaßen. Die wichtigste Frage allerdings muss unbeantwortet bleiben: Wann die Amateure wieder im Ligabetrieb kicken dürfen, vermag momentan keiner zu sagen. Darüber entscheidet freilich auch nicht der Verband sondern die Politik.

Wer steigt auf, wer steigt ab?

Die normalen Auf- und Abstiegsregelungen sind außer Kraft gesetzt. Teams auf einem Abstiegsplatzkönnen sich freuen, sie bleiben in der Liga. Anders sieht es bei den Aufsteigern aus. „Wir wollen Aufstiege ermöglichen, müssen aber sehen, welche Plätze überhaupt frei sind. Es ist auf jeden Fall verfrüht jetzt zu verlangen, wie die Staffeln kommende Saison aussehen“, sagt NHV-Spielausschuss-Vorsitzender Volkmar Beier.

Die Erstplatzierten sollen auf jeden Fall aufsteigen, allerdings nicht nach dem aktuellen Tabellenstand. Weil einige Teams mehr Partien absolviert haben als andere, kommt eine Quotientenregelung zum Einsatz, in der – vereinfacht erklärt – die bisherigen Partien und Punkte hochgerechnet werden. Nutznießer in der Kreisliga ist der ranglistenzweite ESV Delitzsch II, der künftig in der Nordsachsenliga auflaufen darf. Der momentan auf dem Platz an der Sonne liegende FSV Oschatz dagegen wäre gelackmeiert, denn: „Eine Erhöhung der Staffelstärke wollen wir nur im Notfall“, sagt Beier. Bliebe also nur der freiwillige Verzicht einer Mannschaft. In der Nordsachsenliga spekulieren viele auf einen Rückzug des FSV Krostitz II, doch Mike Geppert vom FSV erteilt dem eine klare Absage. „Wir wollen die Zweite auf jeden Fall beibehalten.“ In den Kreisklassen dagegen liegen die Dinge klarer: Hier dürfen der SV Jesewitz (West) und Hartenfels Torgau II (Ost) aufsteigen.

Wie ist die Lage in Sachen Pokal?

„Wir wollen den Pokal bis zum 31. August zu Ende bringen und gehen davon aus, dass die beteiligten Mannschaften das auch wollen“, erklärt Beier. Fixe Termine für die ausstehenden Halbfinalpartien (Hartenfels Torgau – SG Zschortau und Blau-Weiß Wermsdorf – SV Zwochau) und das Endspiel gibt es noch nicht.

Was passiert mit Sperren?

Sperren nach fünfter gelber Karte oder gelb-roter Karte erlöschen ganz normal nach Saisonende. Bei Feldverweisen gilt weiterhin das Sportgerichtsurteil – diese Sperren bleiben also aller Wahrscheinlichkeit nach erhalten. Zumindest hat der Verband bisher diesbezüglich keine anderweitige Regelung getroffen.

Was ist mit Vereinswechseln?

Hier hat sich nichts geändert, bestehen die sonst üblichen Fristen und Regelungen wie in einer normalen Sommerpause.

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Warum sind Schiedsrichter- und Nachwuchssoll vorübergehend ebenfalls außer Kraft gesetzt?

Unparteiische brauchen eine bestimmte Anzahl von Einsätzen, damit sie zur Erfüllung des Schiedsrichtersolls ihres Vereins beitragen können. Da aber der Zeitraum nicht passt, sprich die Saison mittendrin abgebrochen wurde (beziehungsweise „ausläuft“, wie es im offiziellen Sprachgebrauch heißt), entfällt diese Regel für die kommenden Serie. Ähnlich verhält es sich mit dem Nachwuchssoll. Hier müssen Vereine ab einer bestimmten Spielklasse eine bestimmte Anzahl Nachwuchsmannschaften aufweisen. Dieser Nachweis müsste per 15. April erbracht werden. „Der kann in dieser Form logischerweise in diesem Jahr nicht erfolgen. Und es wird auch für die kommende Saison schwierig, weil vieles noch ungewiss ist“, erläutert Beier.

Wie geht es jetzt weiter?

Die Mannschaftsmeldungen sind bis 15. Juni möglich. Erst danach lässt sich genau sagen, welches Team in der kommenden Saison welcher Liga angehört.

Wie wurden die Vereine in die Entscheidung einbezogen?

„Wir haben die Vereine sehr frühzeitig in das Verfahren einbezogen und die Überlegungen zur Diskussion gestellt. Dabei haben wir sehr viele Stimmen gesammelt und in unsere Entscheidung einbezogen“, sagt Volkmar Beier und ergänzt. „Wir haben sehr positives Feedback erhalten, weil wir Klarheit geschaffen haben. Alle Beteiligten können solide planen. Dafür sind die Vereine dankbar, glaube ich.“

Einverstanden ist deswegen trotzdem nicht jeder damit. „Meine Lösung ist es nicht“, sagt Sven Roos, Trainer von Nordsachsenligist Concordia Schenkenberg. Er hätte die Saison lieber fortgesetzt, die Punkte beibehalten und dann drei statt zwei Serien gespielt. Letztlich gibt sich der langjährige Coach jedoch versöhnlich: „Am Ende ist das ok und Ruhe ist. Kann ja keiner was dafür und man kann es sowieso nicht allen recht machen.“

Keine Basisdemokratie in Sachsen – Vorteil Thüringen?

Im Thüringer Fußballverband (TFV) durften die Vereine derweil abstimmen und entschieden sich für ein anderes Modell. Dort soll die laufende Serie zu Ende gespielt werden. So lassen sich auf sportlichem Wege Auf- und Absteiger ermitteln. Bedeutet aber unter anderem auch: „Das zieht sehr viele Ordnungsänderungen nach sich, die wir bei uns zum großen Teil vermieden haben“, erklärt Beier. Sieht man einmal von der eben nicht ganz unwichtigen Auf- und Abstiegsregelung ab. Weiterer Nachteil: Wird die restliche Saison in Thüringen wie vorgesehen ab September zu Ende gespielt, ist sie spätestens Ende März/Anfang April beendet. Wie die Zeit bis zur Saison 2021/22, die im August 2021 begänne, überbrückt werden soll, ist bisher nicht klar. Sollte freilich eine zweite Corona-Welle folgen, bietet die Thüringer Variante ausreichend Puffer, um die Halbserie zu Ende zu bringen. Während dann womöglich das hiesige Modell ins Wanken geriete.

Außerdem sei dazu erwähnt: Es ging bei der Abstimmung nicht darum, zwischen verschiedenen Szenarien zu wählen, sondern lediglich um ein Ja oder Nein zum geplanten Modell. Mit 58 zu 42 Prozent fiel das Ergebnis auch nicht gerade überwältigend aus. Hätten die Vereine dagegen gestimmt, wäre ein Außerordentlicher Verbandstag fällig gewesen, auf dem „Anträge zu anderen Lösungen gestellt werden und die Mitglieder des Präsidiums aus der Haftung entlassen werden müssten“, teilte der Verband Anfang Mai mit. Frei übersetzt bedeutete das: Stimmt für unseren Vorschlag oder kümmert euch selbst. Diese Regelung bezieht sich überdies nur auf den Erwachsenenbereich, für den Nachwuchs muss noch eine Lösung gefunden werden, an der gerade gearbeitet wird. Mindestens in diesem Punkt ist (Nord-)Sachsen jedoch dem Nachbar-Freistaat Thüringen einen Schritt voraus.