12. Mai 2021 / 07:43 Uhr

Wie geht Pokal, Thomas Patommel? RB Leipzig braucht für Sieg "absolute Leidenschaft"

Wie geht Pokal, Thomas Patommel? RB Leipzig braucht für Sieg "absolute Leidenschaft"

Steffen Enigk
Leipziger Volkszeitung
Weiß, wie man Pokale gewinnt - zumindest in Nordsachsen: Thomas Patommel.
Weiß, wie man Pokale gewinnt - zumindest in Nordsachsen: Thomas Patommel. © Alexander Prautzsch
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Thomas Patommel, weiß, wie man im Pokal gewinnt - er hat es in Nordsachsen schon mehrfach erfolgreich bewiesen, führte Frisch Auf Doberschütz-Mockrehna fünfmal in Folge ins Finale des Bärenpokals. Im am Donnerstag anstehenden Endspiel des DFB-Pokals sieht er Dortmund gegen RB leicht im Vorteil.

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Dahlen/Leipzig. Wenn RB Leipzig am Männertag mit Borussia Dortmund die Klingen kreuzt, wird auch Thomas Patommel gespannt vor dem Fernseher sitzen. „Ich erwarte ein ganz enges Spiel, in dem Kleinigkeiten entscheiden“, sagt der 58-Jährige, „für mich sind die Dortmunder leicht favorisiert, weil sie etwas mehr Erfahrung mitbringen und über die größere Qualität in der Offensive verfügen.“

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„Ich kann nicht zaubern“

Nun ist Patommel kein Bundesliga-Coach, sondern Trainer des Neuntligisten Wacker Dahlen. Als Pokal-Spezialist darf er trotzdem gelten, denn er brachte das Kunststück fertig, mit seinem früheren Team SV Doberschütz-Mockkrehna zwischen 2014 und 2018 fünfmal in Folge das Finale des Nordsachsenpokals zu erreichen und dabei viermal den Cup zu holen. Nur 2017 scheiterte er gegen seinen heutigen Verein erst im Elfmeterschießen.

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Fünf Jahre im Grunde ohne Pokalniederlage, und das oft als Außenseiter – gibt es da ein Geheimnis, ein Erfolgsrezept, spezielle Motivationskunst? „Nein“, sagt Thomas Patommel bescheiden, „ich kann nicht zaubern, nur die Voraussetzungen schaffen und optimal vorbereiten.“



„Oft entscheidet der erste Treffer“

Seine Mannschaft sei stets auf den Punkt topfit und gut auf die Stärken des Gegners eingestellt gewesen. „Wir hatten aber auch eine besondere Mentalität und die richtige Mischung aus Routiniers und jungen Leuten“, glaubt der Trainer. „Vor einem Finale in hitziger Atmosphäre sind alle extrem angespannt, ich habe deshalb in der Taktik-Besprechung zu den Jungs gesagt: Vergesst nicht, der Gegner ist genauso nervös, lasst euch nicht verrückt machen, bleibt selbstbewusst, spielt mit Herz, aber auch mit Hirn“, erzählt Patommel, „die letzten Worte vor dem Anpfiff habe ich unserem Kapitän Marc Sachse überlassen, der wunderbar mitreißen konnte und dem die Spieler auch auf dem Platz gefolgt sind. Für Titel braucht man Führungsfiguren.“

Sehr wichtig sei zudem gewesen, dass sein Team in allen fünf Endspielen nie in Rückstand geraten sei. „Oft entscheidet der erste Treffer, ich habe großen Wert auf die Defensive gelegt, wir habe immer eng gestanden, und ich wusste, dass wir die Fähigkeit haben, irgendwann ein Tor zu machen, und wenn es erst in der Verlängerung ist.“ Wie bei seinem ersten Finale, als er mit Pascal Knorr spät einen unbekümmerten Youngster eingewechselte, der prompt den Elfmeter zum 1:0-Sieg herausholte.

„Ich hoffe auf ein spannendes, hochklassiges Spiel“

Als Muster für RB mag Thomas Patommel das alles nicht gelten lassen, und er ist weit davon entfernt, Julian Nagelsmann Ratschläge erteilen zu wollen. „Er ist ein Supertrainer, der sein System anpassen kann. Manchmal ist es angebracht, den Stil etwas zu ändern“, erklärt Patommel, „meiner Meinung nach sollte RB gegen Dortmund nicht zu hoch stehen und nicht zu aggressiv pressen, weil die Gefahr dann groß ist, Konterräume zu bieten. Der BVB hat mit Sancho und Reus pfeilschnelle Leute, von Haaland ganz zu schweigen, der ist eiskalt vor dem Tor. Für RB wird mitentscheidend sein, Bälle in die Tiefe zu unterbinden und im Mittelfeld die Passgeber zuzustellen.“

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Patommel fragt sich zudem, ob die Leipziger diesmal das nötige innere Feuer entfachen und die absolute Leidenschaft aufbringen können. „RB hat schon einige Male bei Alles-oder-Nichts-Spielen enttäuscht, wenn es ans Eingemachte ging.“ Im ersten Pokalfinale gegen die Bayern, jetzt im Bundesliga-Heimspiel gegen die Münchner oder in der Königsklasse gegen Liverpool. „Da fehlte die Überzeugung, der Zug zum Tor, es fehlte aber auch ein Leader. Kampl und Sabitzer haben strategische Qualitäten, müssen aber mehr aus sich rausgehen. Sie sind stark, wenn es läuft. Wenn nicht, sind sie oft kaum zu sehen.“ Dortmund habe da ähnliche Probleme. „Ein Hummels ist zwar auch kein Lautsprecher, aber ein Haudegen, der vorangehen kann. Nur mit einem Jugendprojekt ist es schwer, solche Spiele zu gewinnen.“

Dass RB einen echten Knipser wie Haaland vermisst, ist keine Neuigkeit. Ganz ohne echten Stürmer anzutreten, hält Thomas Patommel aber auch nicht für die Lösung. „Ein Brecher im Strafraum kann wichtig sein, ob nun Poulsen oder Sorlöth.“ Vielleicht entscheidet ja ein Standard das deutsche Pokalfinale, ein Kopfball. „Ich hoffe auf ein spannendes, hochklassiges Spiel“, sagt Patommel zum Abschluss, „ich tippe zwar auf Dortmund, lasse mich aber gerne von RB überraschen.“