26. Mai 2019 / 19:20 Uhr

Wie gehts weiter bei Energie Cottbus?

Wie gehts weiter bei Energie Cottbus?

Ronny Müller
Märkische Allgemeine Zeitung
Die Fans von Energie Cottbus feiern mit ihrem Team.
Die Mannschaft verabschiedete sich tränenreich von den Fans. © Christoph Laak
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Drittliga-Abstieg überschattet Triumph im Landespokal – Mannschaft fällt auseinander.

Während die Fans feierten, rollten bei einigen Fußballern von Energie Cottbus die Tränen. Am Samstag haben die Lausitzer durch einen 1:0-Erfolg beim Regionalligisten Optik Rathenow zum insgesamt neunten und zum dritten Mal in Folge den Landespokal Brandenburg gewonnen. Es war sicher der traurigste Triumph der Vereinsgeschichte.

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In Bildern: Energie Cottbus gewinnt mit 1:0 gegen Optik Rathenow und ist Landespokalsieger

Energie Cottbus gewinnt dank dem Treffer von Streli Mamba (54. Minute) mit 1:0 gegen Optik Rathenow und ist Landespokalsieger 2019. Zur Galerie
Energie Cottbus gewinnt dank dem Treffer von Streli Mamba (54. Minute) mit 1:0 gegen Optik Rathenow und ist Landespokalsieger 2019. © Christoph Laak

Eine Woche zuvor war Cottbus aus der 3. Liga abgestiegen. Der Landespokal konnte den Schmerz nicht stillen. „Der Abstieg überwiegt“, sagte Mittelfeldspieler Lars Bender. Der Sieg vor 1991 Zuschauern im Stadion Vogelgesang sei zwar „ein versöhnlicher Abschluss, der für den Verein eine wichtige Einnahme bedeutet. Aber ich weiß nicht, wie es weitergeht.“

Wollitz: „Mittelmaß ist in Cottbus nicht darstellbar“

2016 war Energie schon einmal aus der 3. Liga abgestiegen, vor einem Jahr gelang die vielumjubelte Rückkehr. Doch ob der Club noch einmal eine Aufbruchstimmung erzeugen und den nötigen Etat aufstellen kann, ist sehr fraglich. Trainer Claus-Dieter Wollitz erwartet von der Vereinsführung ein Budget in Höhe von 2 bis 2,5 Millionen Euro, um eine Chance auf den Wiederaufstieg zu haben.

„Mittelmaß ist in Cottbus nicht darstellbar“, betonte der 53-Jährige, der vor einem Jahr einen Vertrag bis 2020 unterschrieben hat – auch für die Regionalliga. Unklar ist derweil, ob der Trainer und Sportdirektor in Personalunion diesen erfüllt. Vor einem Jahr hätte er offenbar bereits wechseln können, Wollitz fühlt sich der Lausitz und dem Verein jedoch sehr verbunden. „Der Pokalsieg ist eine Erleichterung, er wird aber nicht die grundlegenden Probleme lösen, Stand jetzt ist ein Wiederaufstieg utopisch“, bedauerte Wollitz. „Ich stelle keine Forderungen, ich möchte einfach nur ehrlich sein.“

Mannschaft fällt auseinander

Damit droht die Mannschaft auseinanderzufallen. Angreifer Streli Mamba, der in der 53. Minute das Siegtor erzielte, spielt künftig für den SC Paderborn in der Bundesliga. „Das Tor war mein Abschiedsgeschenk für die letzten drei Jahre“, sagte der 24-Jährige, der kein Muffensausen vor der Bundesliga hat. „Da wird auch nur mit Wasser gekocht.“ Marcelo de Freitas liebäugelt offenbar mit der Rückkehr nach Brasilien.

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Weitere Leistungsträger werden die Lausitz verlassen, dafür sprachen die Tränen etwa bei Fabio Viteritti. Wollitz: „Alle kämpfen mit den Emotionen, alle kämpfen mit den Tränen und der Enttäuschung, auch ich. Wir alle wissen, dass es mit diesem Spiel in dieser Zusammensetzung vorbei sein kann.“ Aus der Startelf vom Samstag hat lediglich Eigengewächs Leon Schneider einen Vertrag für die Regionalliga.


Deshalb war der Auftritt seiner Mannschaft Wollitz ein Kompliment wert: „Die vergangenen Tage waren richtig brutal. Am Freitag hätte ich nicht gedacht, dass wir eine so konzentrierte und disziplinierte Leistung bringen können. Denn wir alle haben immer noch diese Leere nach dem Abstieg in uns.“ Wollitz widmete den Fans den Pokalsieg. „Es ist nicht selbstverständlich, dass man nach dem Abstieg so positiv behandelt wird.“ Die Fans sind Anfang August beim Start des DFB-Pokals sicher dabei. Bei Mannschaft und Trainer ist es offen.