21. Januar 2021 / 14:11 Uhr

96 wollte ihn: Wie RB Leipzig den Wechsel von Robert Klauß nach Hannover stoppte

96 wollte ihn: Wie RB Leipzig den Wechsel von Robert Klauß nach Hannover stoppte

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
In Nürnberg gelandet: Trainer Robert Klauß durfte Leipzig nach der Entlassung von Mirko Slomka nicht mitten in der Saison Richtung Hannover verlassen.
In Nürnberg gelandet: Trainer Robert Klauß durfte Leipzig nach der Entlassung von Mirko Slomka nicht mitten in der Saison Richtung Hannover verlassen. © imago images/Zink
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Nach der Entlassung von Mirko Slomka wollte 96-Profichef Martin Kind "einen wie Nagelsmann" als Trainer. Robert Klauß, der aktuelle Coach des 1. FC Nürnberg, wäre so einer gewesen. Er stand bei Kind weit oben auf dem Zettel, doch RB Leipzig stoppte die 96-Pläne.

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Es hat nicht viel gefehlt, dann würde Robert Klauß am Sonntag mit 96 gegen Nürnberg antreten – und nicht die Franken betreuen. Nach der Entlassung von Trainer Mirko Slomka am 3. November 2019 stand Klauß ganz oben auf der 96-Agenda. Chef Martin Kind und der damalige Sportchef Jan Schlaudraff waren sich in der Personalie auch einig – was selten genug vorkam. Kind wagte sich auch schon öffentlich in Richtung Klauß vor. „Wir sollten den Mut haben, eine zukunftsorientierte Entscheidung zu treffen, also einen hungrigen, frischen Trainer mit Perspektiven zu engagieren“, das war die Vorgabe des 96-Chefs für die Slomka-Nachfolge.

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Kind präzisierte sogar, er wünsche sich „einen wie Nagelsmann“. Dass er dabei an einen engen Mitarbeiter von Julian Nagelsmann gedacht hatte, verschwieg er. Klauß war zu der Zeit Co-Trainer von Nagelsmann bei RB Leipzig.

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Es gab mehrere Gespräche, die 96-Entscheider waren begeistert vom hochqualifizierten und sich sachlich und fachlich auf Topniveau bewegenden Klauß. Die Empfehlung war von Ralf Rangnick gekommen, den Kind immer mal wieder um Rat fragt. Rangnick hatte 96 im Jahr 2002 zum Aufstieg geführt und war über Hoffenheim nach Leipzig gegangen. Dort gehörte Klauß quasi zum Inventar. Seit 2009 ist er im Klub, anfangs noch als Spieler. Neben dem Sport-Studium begann er als Jugendtrainer, arbeitete sich in den Profibereich vor. Zur Saison 2018/19 machte ihn Rangnick zu seinem Co-Trainer. Ab der nächsten Saison assistierte Klauß dem neuen Cheftrainer Nagelsmann.

RB macht 96 einen Strich durch die Rechnung

Ein vielversprechendes Trainertalent, das bei den Koryphäen Rangnick und Nagelsmann gelernt hat – da wollte 96 zugreifen. Beraten wird der 36-Jährige zudem von der Per-Mertesacker-Agentur „Spielerrat“. Der ehemalige Havelser Hannes Winzer arbeitet für die Firma. Zusammen versuchten Agentur und 96 den Klauß-Wechsel nach Hannover einzutüten – doch RB legte sich quer. Rangnick war in Leipzig ausgeschieden, das Veto blieb trotz hartnäckiger Versuche, Klauß loszueisen. RB stoppte die 96-Pläne – mitten in der Saison durfte Klauß nicht raus aus dem Vertrag bis 2021. Das Hin und Her erklärt auch größtenteils die Verzögerung bis zur Vorstellung des neuen Trainers. Elf Tage vergingen nach der Freistellung Slomkas, bis Kenan Kocak als neuer Coach ausgerufen wurde.

Nach dem Klauß-Aus nahm 96 den damals in Aue freigestellten Daniel Meyer und Kocak in die engere Wahl – der Ausgang ist bekannt. Klauß wurde dann nach Saisonende Trainer in Nürnberg. Sportvorstand Dieter Hecking – früher 96-Spieler und Trainer – stellte Klauß so vor: „Robert ist ein mutiger Trainer mit frischen und innovativen Methoden.“ Die allerdings auch noch nicht so richtig zum Erfolg führten. Nürnberg ist Zwölfter, Kocak mit 96 Achter. Kind ist jetzt auch mehr als überzeugt von seinem Trainer – damit hat sich dann doch alles für 96 noch zum späten Glück gefügt. Wenn Kocak jetzt noch am Sonntag gegen Klauß gewinnt ...