04. Juli 2018 / 08:00 Uhr

So scharf sind die Kontrollen bei der WM in Russland

So scharf sind die Kontrollen bei der WM in Russland

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
SPORTBUZZER-Reporter Alexander Salenko unterhält sich mit zwei Polizisten.
SPORTBUZZER-Reporter Alexander Salenko unterhält sich mit zwei Polizisten. © Sportbuzzer
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Vor der WM war Schlimmstes befürchtet worden – doch in Russland blieb es ruhig. Die Road-to-Russia-Reporter erklären, warum .

Die Angst war groß vor dieser Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Vor Hooliganbanden war gewarnt worden, vor Straßenschlachten wie bei der EM vor zwei Jahren in Frankreich. Vor Sicherheitskräften, deren Hand im Zweifel flott am Knüppel sei, vor terroristischen Anschlägen. Auch wir als Road-to-Russia-Team blieben davon nicht unbeeindruckt.

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Und nun? Fast drei Wochen nach Beginn fällt auf, dass bisher nichts aufgefallen ist. Alles ruhig in Russland, der Fußball schreibt die Geschichten. Ein Erfolg der russischen Sicherheitsbemühungen?

Über 100.000 Sicherheitskräfte

1,4 Milliarden Euro hatte Russland für die Sicherheit bei den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi ausgegeben. In diesem Jahr dürfte die Summe, über die es keine öffentlichen Angaben gibt, weitaus höher sein. Schließlich gilt es, nicht nur eine Stadt abzusichern, sondern elf Spielorte und – zumindest in den ersten zwei Wochen – 32 Teamquartiere. Mehr als 100 000 Sicherheitskräfte sollen im Einsatz sein.


Die Marine sichert die Küste der Exklave Kaliningrad und im Schwarzen Meer. Der Auftrag kam von oberster Stelle: „Von der Gründlichkeit ihrer Arbeit hängt das Image des Landes ab“, sagte Russlands Präsident Wladimir Putin schon Monate vor WM-Beginn in Richtung der Polizeiführung. Wie funktioniert das Thema Sicherheit in der Praxis? Der Check.

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Die Städte: Eingesetzt werden Polizei, Verkehrspolizei, Bereitschaftspolizei, private Sicherheitsdienste, Nationalgarde und das Militär. In St. Petersburg und Moskau sind vereinzelt Beamte im Stadtbild zu sehen. Im Süden das Gegenteil: In Rostow am Don sind die Sicherheitskräfte ähnlich stark vertreten wie Fußballfans. Wir fühlen uns überall sicher.

Ein Beispiel: Schon vor den Toren Rostows werden bei unserem Besuch an drei kurz aufeinander folgenden Posten Busse und Lastwagen von der Polizei überprüft. An Spieltagen ist für größere Gefährte der Weg ins Zentrum komplett gesperrt. Auch für unser Road-to-Russia-Mobil. Ein junger Polizist in weißem Hemd winkt uns heraus.

Auch im Vorfeld gab es Maßnahmen. Beispielsweise wurden personenbezogene Daten von 30 Deutschen, die in der Datei Gewalttäter Sport erfasst sind, an die russischen Behörden übermittelt.

Wir haben auf unserer weiten Reise bisher keine Auseinandersetzung gesehen. Die Fans aus den verschiedenen Nationen feiern zusammen. Vielleicht schrecken auch die Sanktionen ab: Geldzahlungen, Haft bis zu 15 Tage, mehrjähriges Stadionverbot bis hin zu Abschiebungen aus Russland. Nur ein Fall ging durch die russischen Medien: Als ein Fan in Woronesch den russischen Viertelfinaleinzug so ausgelassen feierte, dass er auf ein Polizeiauto kletterte und dort tanzte, wurde er gewaltsam herunter geholt.

Luftabwehrraketen im Einsatz

Die Stadien: Im kostenfreien Shuttle zum Stadion – in diesem Fall Rostow – wird das Ausmaß der Sicherheitsmaßnahmen deutlich. Über Kilometer hinweg steht im Abstand von 50 Metern an jeder Seite der Hauptstraße ein Polizist. An Kreuzungen und vor wichtigen Gebäuden sind Polizeiwagen aufgereiht. Die Brücke über den Don ist für den normalen Verkehr durch Betonblöcke gesperrt. Shuttles und Fußgänger werden durchgelassen. Am Parkplatz vor dem Stadion hat die Armee Luftabwehrraketen positioniert. Ihre Radaranlagen drehen sich ununterbrochen, hoch über dem Gelände hängen kleine Zeppeline mit Überwachungstechnik.

An den Stadiontoren werden die Fans wie am Flughafen gescannt, jedoch sind die Securitychecks von Spielort zu Spielort, von Stadion zu Stadion sowie von Kontrolleur zu Kontrolleur unterschiedlich scharf.