28. Dezember 2021 / 19:04 Uhr

Wieder kein Budenzauber im Leipziger Land: „Glauben an die Zukunft des Hallenfußballs“

Wieder kein Budenzauber im Leipziger Land: „Glauben an die Zukunft des Hallenfußballs“

Heiko Henschel
Leipziger Volkszeitung
Hallenfußball wird es im Muldental/Leipziger Land auch diesen Winter nicht geben.
Hallenfußball wird es im Muldental/Leipziger Land auch diesen Winter nicht geben. © Gerhard Dörner
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Aufgrund der Corona-Pandemie fällt die Hallenfußball-Saison das zweite Mal in Folge flach. Die Zukunft der willkommenen Abwechslung ist ungewisser denn je - die Vereine geben die Hoffnung dennoch nicht auf und halten am Budenzauber fest.

Leipzig. Ob nun in der herkömmlichen Form oder in der gar nicht mehr ganz so neuen Futsal-Variante, ob Einladungsveranstaltung oder Verbandsmeisterschaft, ob Junioren oder Senioren, ob Männlein oder Weiblein, ob zur Überbrückung der Winterpause oder zur Verfeinerung technischer Fähigkeiten – Hallenturniere sind seit Jahrzehnten in der dunklen und kalten Jahreszeit eine willkommene Abwechslung zum Fußball unter freiem Himmel.

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Stimmung getrübt

Doch auch der landauf und landab beliebte Budenzauber muss aufgrund der Corona-Verordnungen nun bereits die zweite Saison in Folge herbe Einschnitte hinnehmen. Eine zweifellos bittere Pille, die es da zu schlucken gilt. Die unter dem Hallendach besonders rührigen sowie aktiven Vereine sind von der abermaligen Zwangspause am härtesten betroffen. Wie geht man mit den Absagen um, welche Auswirkungen haben die Streichungen und welche Zukunft ist dem Hallen-Kick allgemein beschieden? Wir haben uns bei Verantwortlichen regionaler Clubs umgehört.

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Der TuS Pegau ist traditionell nicht nur Veranstalter von „normalen“ Turnieren, sondern darüber hinaus auch regelmäßiger Ausrichter von Endrunden beziehungsweise Vorrunden verschiedener Meisterschaften auf Kreis- sowie Landesebene. Seit eineinhalb Jahrzehnten gehen die Turniere im Sportzentrum „Filze“ über die Bühne, nachdem zuvor die alte Reithalle Ort des Geschehens war. Thomas Liebau (Abteilungsleiter Fußball bei den Elsterstädtern) möchte in diesem Zusammenhang ein großes Dankeschön an den langjährigen Cheforganisator Ronald Röhr aussprechen, welcher für seine Verdienste um den TuS-Fußball vor kurzem sogar mit dem Eintrag ins goldene Buch der Stadt Pegau ausgezeichnet wurde. Liebaus aktuelle Stimmung ist allerdings getrübt angesichts der Tatsache, dass in der laufenden Saison das Licht in der Ernst-Reinsdorf-Straße weitaus seltener als gewünscht brennen wird.

„Wenigstens können die Kinder und Jugendlichen bis 16 Jahre ihre Trainingseinheiten unverändert abhalten. Dass wieder sämtliche Turniere nicht stattfinden können, ist jedoch ein herber Schlag ins Kontor. Zum einen leidet das Vereinsleben unter diesen Ausfällen, schließlich sind die Veranstaltungen insbesondere im Nachwuchsbereich ein erheblicher sozialer Faktor.“ Der Sektions-Vorsitzende der Blau-Gelben verweist zudem auf einen nicht unerheblichen finanziellen Aspekt. Schließlich habe man in den zurückliegenden Jahren mit den eingenommenen Geldern laufende Kosten wie zum Beispiel Fahrten zu den Auswärtsspielen gedeckt und damit ein Stück weit die Vereinskasse entlastet, nun müssen für diesen Zweck die Mitgliedsbeiträge herhalten. Trotz des momentanen Frusts schaut Liebau mit einem Schuss Zuversicht nach vorn. „Wir glauben an die Zukunft des Hallenfußballs, er wird mit Sicherheit diese schwierige Zeit überstehen und auf Dauer etwas Besonderes bleiben. Wir haben in der Umgebung einen festen Stamm von Mannschaften, die uns garantiert die Treue halten werden. Und gerade von neuen Spielformen wie dem Funino für die Bambinis verspreche ich mir nachhaltigen Schwung.“

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Ebenfalls nicht nur im eigenen Saft schmort der BC Hartha, auch bei den Blau-Gelben aus dem Landkreis Mittelsachsen finden neben den „eigenen“ Veranstaltungen beinahe schon gewohnheitsmäßig Vor- sowie Endrunden-Turniere des Sächsischen und des Fußballverbandes Muldental/Leipziger Land statt. Die moderne HarthArena in direkter Nachbarschaft zum Pierburg-Industriestadion bietet zu diesen Anlässen seit einigen Jahren allerbeste Voraussetzungen. In der gerade beginnenden Winterpause hätten an der Döbelner Straße unter anderem im Landesmaßstab zahlreiche A-beziehungsweise D-Juniorenteams aus sämtlichen Himmelsrichtungen ihre Kräfte beim Futsal gemessen. Daraus wird nun allerdings aus bekannten Gründen leider wieder nichts, BC-Präsident Matthias Scheidig nimmt diese schmerzliche Tatsache mit großem Bedauern zur Kenntnis.

„Es macht wirklich Sinn, optimistisch nach vorn zu blicken“

„Doch jammern nützt halt nichts, wir müssen jetzt gemeinsam dieses Tal durchschreiten. Selbst im Nachwuchsbereich irgendein Turnier durchzuziehen ist utopisch, der Aufwand wäre viel zu hoch gewesen, die vorgegebenen Regelungen sind der blanke Wahnsinn. Und wenn nicht einmal die Eltern dabei sein dürfen, macht es erst recht keinen Sinn.“ Für Harthas Vereinsvorsitzenden sind die Absagen in vielerlei Hinsicht absolut ärgerlich. „Derartige Veranstaltungen sind schließlich ein echtes Kulturangebot für die Harthaer Bevölkerung, speziell für sämtliche Sportinteressierten. Insbesondere bei den Kinderturnieren ist teilweise die komplette Verwandtschaft der Spieler auf den Beinen, um mal aus der Bude heraus zu kommen. Und die ganz Kleinen – welche gerade mit dem Fußballspielen begonnen haben oder erst noch damit anfangen möchten – bekommen einen prima Anschauungsunterricht geboten. Schließlich wollen wir die Kids zu uns holen, damit sie sich sportlich betätigen und gesund bleiben. Das steht immer und überall im Vordergrund. Und wenn am Ende des Tages dank unseres Imbissangebots noch ein paar Pfennige für die Vereinskasse hängen bleiben, ist das ein zusätzlicher angenehmer Nebeneffekt.“

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Ungeachtet des momentanen Stillstandes lassen die Sportfreunde beim BC an ihre Hallenturniere keine Luft heran: „Wir halten zukünftig auf jeden Fall daran fest, gerade die Verbandsveranstaltungen sind in Hartha mit Sicherheit gut aufgehoben. Denn wir liegen territorial äußerst günstig im Dreieck zwischen Leipzig, Chemnitz und Dresden. Solcherart Meisterschaftsturniere sind stets totale Highlights. Wenn etwa Teams von RB oder Dynamo hautnah zu erleben sind, macht das doch richtig Spaß beim Zugucken.“

Zu einer festen Größe im Veranstaltungskalender sind Filz-Ball und Hallenparkett mittlerweile ebenso beim FSV Brandis geworden. Die allseits beliebte Hallencupserie wurde im Jahr 2006 ihrer Feuertaufe unterzogen. Es wurde eher vergleichsweise klein angefangen, zur Premiere gab es Turniere der D- und E-Junioren. Mannschaften aus nah und fern nehmen inzwischen sehr gern die Offerte an, in der Kleinstadt im Herzen des Muldentals ihre fußballerische Visitenkarte abzugeben. Man hat sich mit akribischer Organisation und facettenreicher Durchführung einen Namen gemacht, zuletzt wurde der komplette Nachwuchsbereich abgedeckt, in der einen oder anderen Altersklasse gab es sogar Doppelveranstaltungen.

Die Entscheidung über die abermalige Nichtaustragung zu fällen fiel deshalb keinesfalls leicht, wie Frank Mittag als der beim FSV für die Öffentlichkeitsarbeit Zuständige zu berichten weiß. „Derlei Absagen treffen in erster Linie die Kinder und Jugendlichen, für die solche Turniere absolute Höhepunkte darstellen. Darüber hinaus kommt das Vereinsleben praktisch völlig zum Erliegen und dieses wieder anzukurbeln wird mit jeder Unterbrechung komplizierter.“ Dennoch geben Mittag und seine Brandiser Mitstreiter die Hoffnung nicht auf, dass die Pandemie im kommenden Spieljahr 2022/2023 weitestgehend eingedämmt sein wird. „Trotz Futsal wird der traditionelle Hallenfußball unverändert sehr gut angenommen, daher sehen wir seine Zukunft nicht in Gefahr. Es macht wirklich Sinn, optimistisch nach vorn zu blicken.“

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