25. März 2020 / 17:06 Uhr

Wieso trainieren die in Wolfsburg? Sportdirektor Schäfer: "Wir gehen unserem Job nach"

Wieso trainieren die in Wolfsburg? Sportdirektor Schäfer: "Wir gehen unserem Job nach"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Marcel Schäfer erklärt, warum beim VfL trainiert wird
Marcel Schäfer erklärt, warum beim VfL trainiert wird
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Der Trainingsplatz einer Bundesliga-Mannschaft ist keine Freizeiteinrichtung, sondern eine Betriebsstätte - auch deshalb wird beim VfL Wolfsburg wieder trainiert. Von Mannschaftstraining, das stellt Sportdirektor Marcel Schäfer gegenüber dem SPORTBUZZER klar, könne aber keine Rede sein.

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Wie geht es mit der Bundesliga weiter? Am Dienstag sprach das DFL-Präsidium die Empfehlung aus, die Saison wegen der Corona-Pandemie bis Ende April auszusetzen. Die DFL-Vollversammlung wird diese Entscheidung sehr wahrscheinlich bestätigen; für die Klubs heißt das, dass auch der Trainingsbetrieb langsam wieder aufgenommen werden muss. Der VfL Wolfsburg ist neben dem FC Augsburg der einzige Klub, bei dem seit Montag wieder gemeinsam geübt wird - in kleinen Gruppen und unter Einhaltung zahlreicher Hygiene- und Verhaltensregeln.

Bei vielen Fans hat die Wiederaufnahme des Trainings für Unverständnis gesorgt. Weil das soziale Leben extrem eingeschränkt ist, private Treffen von mehr als zwei Personen untersagt sind, in vielen Büros nicht mehr gearbeitet wird und in vielen Sportstätten gerade gar nichts passiert, scheint nicht ganz klar, warum es bei einem Bundesliga-Klub wieder Trainingseinheiten gibt. Entsprechende Kommentare von Anhängern finden sich in den sozialen Medien, einige haben sich auch direkt an den VfL gewandt, um ihren Unmut auszudrücken. "Wir müssen alle Abstand halten und die trainieren? Was ist mit der Vorbildfunktion?", heißt es etwa einem Facebook-Kommentar.

So läuft beim VfL das Training mit Abstand

Koordinationstraining im Kraftraum: Yannick Gerhardt Zur Galerie
Koordinationstraining im Kraftraum: Yannick Gerhardt ©

Was dabei oft übersehen wird: Das VfL-Gelände rund um die Arena ist keine Freizeiteinrichtung, sondern eine Betriebsstätte. "Wir gehen hier", so VfL-Sportdirektor Marcel Schäfer, "alle unserem Job nach - unter genauester Einhaltung aller Regeln, die im Moment dafür gelten." Mit normalen Einheiten seien die Abläufe in dieser Woche ohnehin nicht zu vergleichen - geübt wird in Kleingruppen , zumeist im Kraft- und Ausdauerbereich, jeder Gruppe ist ein fester Trainer zugeteilt. Schäfer: "Von Mundschutz und Handschuhen bis zu den Lunch-Paketen, die das gemeinsame Essen ersetzen, haben wir das alles detailliert geplant. Wir haben außerdem vier verschiedene Umkleidekabinen hergerichtet, haben personalisierte Trainings-Utensilien für die Spieler. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst - und immer in Abstimmung mit der Stadt und dem Gesundheitsamt."

Das "gemeinsame" Training, das weniger "gemeinsam", sondern eher koordiniert in Gruppen stattfindet, sei in dieser Phase wichtig. Vor allem, weil man quasi eine Art erneute Saisonvorbereitung absolvieren müsse, ehe dann im Mai womöglich wieder gespielt wird. Schäfer: "Das ist natürlich alles unter Vorbehalt, weil sich die Lage ja jeden Tag ändern kann. Uns ist bewusst, dass wir uns in einer weltweiten Krise befinden und es im Moment viel Wichtigeres als Fußball gibt. Aber wie alle anderen Branchen auch, versuchen wir unseren Bereich so zu organisieren, wie es die aktuelle Situation zulässt."

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Niklas Süle, Marco Reus und Robert Lewandowski profitieren von der Corona-Pause und können möglicherweise in den Saison-Endspurt eingreifen. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick, welche Verletzten nun noch rechtzeitig zurückkommen könnten. Zur Galerie
Niklas Süle, Marco Reus und Robert Lewandowski profitieren von der Corona-Pause und können möglicherweise in den Saison-Endspurt eingreifen. Der SPORTBUZZER gibt einen Überblick, welche Verletzten nun noch rechtzeitig zurückkommen könnten. ©

Die Vereine der Bundesliga befinden sich dazu auch im Austausch, Schäfer etwa sprach unter anderem mit Leverkusens Sportdirektor Simon Rolfes und mit Dortmunds Lizenzspielleiter Sebastian Kehl. "Natürlich spricht man miteinander", so Schäfer, "aber am Ende muss jeder seinen Weg finden - und die Rahmenbedingungen sind ja auch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich."

Anders als in Augsburg, wo in kleinen Gruppen auch schon wieder mit dem Ball trainiert wird, will sich der VfL zumindest in dieser Woche noch auf die jetzt etablierten Trainingsabläufe beschränken. Die DFL-Komission Fußball einigte sich darauf, dass kein Training stattfindet, das den behördlichen Anordnungen widerspricht. Es wird bis auf Weiteres kein Mannschaftstraining absolviert. Und auch wenn es wieder auf den Platz gehen sollte, wird das erst einmal in Kleingruppen passieren.

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In der vergangenen Woche hatten auch Borussia Mönchengladbach und RB Leipzig mit starken Einschränkungen in kleinen Gruppen auf dem Platz trainiert, aktuell setzen diese beiden Klub aber auch wieder auf Individualtraining im "Home Office". Dass der VfL seine Spieler zwischendurch auch noch einmal nach Hause schickt, ist aktuell nicht vorgesehen, Schäfer schränkt allerdings ein: "Wir haben in den letzten Wochen gelernt, wie schnell sich die Dinge ändern können. Von daher können alle Planungen immer nur vorläufig sein."

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