18. Dezember 2019 / 09:37 Uhr

Wilfried Gröbner - der Olympiasieger und Allrounder aus Eilenburg wird 70

Wilfried Gröbner - der Olympiasieger und Allrounder aus Eilenburg wird 70

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Wilfried Gröbner beim Olympia-Finale in Polen.
Wilfried Gröbner beim Olympia-Finale in Polen. © imago images
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Wilfried Gröbner erlebte die Sternstunde des DDR-Fußballs, aber einen unschönen Abgang bei Lok.

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Leipzig. Am späten Abend des 31. Juli 1976 stand der DDR-Fußball in Montreal vor seinem größten Erfolg. 2:0 führte die Mannschaft von Georg Buschner im olympischen Finale gegen Polen. Eine gute halbe Stunde galt es noch zu überstehen, als Grzegorz Lato den Anschlusstreffer erzielte. Nicht gerade zufällig. Die Angriffe des Gegners waren immer gefährlicher geworden, eine schwierige Schlussphase zeichnete sich ab.

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Es bestand also Handlungsbedarf. Und Buschner handelte. In der 68. Minute wechselte er Wilfried Gröbner, den Verteidiger vom 1. FC Lok, für Stürmer Wolfram Löwe, dessen Leipziger Mannschaftskameraden, in die Partie. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte.

Die langen Bälle der Polen landeten nun oft auf Gröbners Kopf, auch in den Laufduellen hatte er keinen Nachteil und brachte, so hieß es damals, die nötige Stabilität ins Spiel, das Reinhard Häfner sechs Minuten vor Schluss mit dem dritten Treffer schließlich entschied.

Gröbner erinnert sich noch an jedes Detail

Natürlich hat die olympische Goldmedaille für Gröbner einen hohen Stellenwert. Neben den erfolgreichen Spielen im Uefa-Cup, als er mit Lok 1973/74 auf der Tour durch Europa erst im Halbfinale an Tottenham Hotspur scheiterte.

Wilfried Gröbner.
Wilfried Gröbner. ©

Dass der Abend in Montreal gewissermaßen die Krönung seiner Laufbahn werden würde, war damals noch nicht abzusehen. Schließlich war Gröbner in jenem Sommer erst 26 Jahre alt. Heute wird er 70 und kann sich noch an jedes Detail des olympischen Finales erinnern. „Ich dachte eigentlich, dass sich Buschner beim Wechsel für Bernd Bransch entscheiden würde, sozusagen aus alter Verbundenheit“, sagt Gröbner, der bis dahin in Kanada wegen einer Verletzung kein Spiel bestritten hatte. „Aber dann hat er doch auf mich gesetzt.“ Nicht auf seiner angestammten Position als Vorstopper – die war Konrad Weise vorbehalten –, sondern als Abräumer vor der Abwehr.

Weshalb Gröbner nicht auf mehr als acht Länderspiele kam, hing vor allem mit Weise zusammen. „Der war Weltklasse“, lautet Gröbners Urteil über den Jenaer, der 86 Mal für die DDR spielte. Aber der Sachse war ebenfalls ein allseits respektierter Abwehrspieler.

Chemie gab ihm einen Korb

Dabei hatte er einst in seinem Geburtsort Eilenburg als Stürmer begonnen, wobei lange nicht abzusehen war, ob aus ihm nicht auch ein Skispringer oder Volleyballer werden würde. 67 Meter weit war er immerhin bei einem Wettkampf in Klingenthal geflogen, in der Volleyball-Bezirksauswahl spielte er unter anderem mit Wolfgang Weise, der 1970 Weltmeister wurde. Ob der Allrounder 1966 als Volleyballer oder Fußballer zur Kinder- und Jugendspartakiade nach Berlin fahren würde, entschied sich erst kurz vor den Abfahrt. Zum Glück für die Leipziger Fußballer, die das Endspiel gegen Karl-Marx-Stadt 1:0 gewannen. Torschütze war – Wilfried Gröbner.

Wilfried Gröbner Lok Leipzig.
Wilfried Gröbner Lok Leipzig. ©

1967 erfolgte sein Wechsel zum 1. FC Lok, Chemie hatte ihm vorher einen Korb gegeben. „Eigentlich wollte ich nach Leutzsch, weil die wie wir in Eilenburg auch in grün spielten. Dass sie aber kein Interesse zeigten, hat mich natürlich geärgert.“ Den Ärger bekamen die Chemiker zu spüren, als ihre A-Jugend im Bezirkspokal die Altersgenossen aus Probstheida empfing und 0:1 verlor. Der Torschütze hieß, na klar, Wilfried Gröbner. Ein Jahr später kam der inzwischen zum Vorstopper umfunktionierte frühere Stürmer in die erste Mannschaft, wurde schnell Stammspieler und allseits geschätzt.

Dank Intervention zum DDR-Fußballverband

Was sich darin zeigte, dass er 1978 nach dem Rücktritt von Lok-Legende Henning Frenzel Kapitän wurde. Dieses Amt nahm der Schwager von René Müller – der Lok-Torhüter hatte die Schwester von Gröbners Frau geheiratet – sehr ernst. „Ich habe immer meine Meinung gesagt, wenn etwas nicht stimmte.“ Ende der 1970er-Jahre stimmte nicht viel. „Weder waren wir fit, noch passte die Einstellung.“

Er hatte sich schon bei Trainer Heinz Joerk und später bei dessen Nachfolger Harro Miller unbeliebt gemacht. Es folgte der Rapport bei Klub-Chef Peter Gießner. Ergebnis: Zum 31. Dezember 1979 hatte der Goldmedaillengewinner von Montreal seine Laufbahn zu beenden. Mit 29 Jahren. Offiziell wurde eine Verletzung als Grund angeführt. „Ich wollte nach Halle zum HFC, und bei Chemie Markkleeberg habe ich schon mittrainiert, aber diesen Wechsel haben bestimmte Funktionäre verhindert.“

Der Intervention von Rudi Krause, ehemaliger DDR-Auswahltrainer und vorher auch Coach in Probstheida, und WM-Schiedsrichter Rudi Glöckner war es zu verdanken, dass Gröbner beim DDR-Fußballverband landete. Wodurch es allerdings nichts mit der geplanten Laufbahn als Schiedsrichter wurde, die sich erfolgreich angelassen hatte. „Als Angestellter des Verbandes ging das nicht.“

Trainer und Manager beim SSV Reutlingen

Der frühere Lok-Kapitän arbeitete mit mehreren Nachwuchs-Auswahlmannschaften und assistierte Eberhard Vogel 1986 bei der siegreichen U18-EM in Jugoslawien (im Halbfinale war die Bundesrepublik 1:0 bezwungen worden) und bei der 1987 bei der Junioren-WM in Chile.

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In Südamerika beendete die DDR das Turnier als Dritter, einen Platz hinter dem westdeutschen Team. Allen politischen Vorgaben von Seiten der DDR zum Trotz hatte man sich durchaus angefreundet. Das war nicht ganz folgenlos, denn als sich Gröbner nach 1990 neu orientierte, half ihm Berti Vogts, der in Jugoslawien und Chile die DFB-Junioren betreut hatte und ihn zum SSV Reutlingen empfahl. Dort arbeitete der ehemalige Eilenburger zunächst als Trainer, später als Manager.

Der Olympiasieger von 1976 ist auf der Schwäbischen Alb sesshaft geworden, lebt in Trochtelfingen und verfolgt das Geschehen in Leipzig weiter sehr genau. Sowohl bei RB („Was dort geleistet wurde, ist überaus beachtlich“) und bei seinem einstigen Verein. „Wenn Lok gewinnt, schicke ich immer eine Glückwunsch-SMS.“ Und auch mit Chemie hat er längst seinen Frieden gemacht.


Winfried Wächter