24. März 2015 / 20:01 Uhr

Will sich 96 reinwaschen? Der Klub hat ein Becher-Problem

Will sich 96 reinwaschen? Der Klub hat ein Becher-Problem

Gerrit Pfennig
Leipziger Volkszeitung
Die Bierbecher in der HDI-Arena: Für den Plastik-Müll gibt's von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die tiefrote Karte.
Die Bierbecher in der HDI-Arena: Für den Plastik-Müll gibt's von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) die "tiefrote Karte". © Archiv/DUH
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Es ist aber auch wie verhext bei Hannover 96 - erst läuft es sportlich nicht, und dann gibt es auch noch einen "Shit-Storm" im Netz. Der Grund: Die unökologischen Bierbecher im Stadion.

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Mit dem letzten Platz kennt man sich bei Hannover 96 aus: Der Klub hält in der Rückrundentabelle der Bundesliga die "Rote Laterne" in den Händen. Doch nicht nur in diesem Ranking stehen die "Roten" ganz unten - auch mit der Öko-Bilanz im Stadion belegen sie den letzten Platz. Und das immerhin in illustrer Nachbarschaft - Bayern München und der VfL Wolfsburg stehen direkt davor.

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Hervor geht diese Statistik aus dem Ranking der Deutschen Umwelthilfe (DUH), das ihr hier findet. Bereits im November war die DUH mit 96 hart ins Gericht gegangen. Der Grund: Zwar bestehen die Becher in der HDI-Arena aus dem Biokunststoff Polylactid (PLA), doch der Klub wollte diese Becher kompostieren lassen - obwohl bei deren Abbau nur Wasser und das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid entstehen. Von der DUH gab es damals eine Rüge: die "tiefrote Karte". „Wir fühlen uns zu Unrecht an den Pranger gestellt“, hielt Stadionchef Thorsten Meier dagegen. Mann wolle deshalb ab der Rückrunde die Becher recyceln, kündigte 96 an.

Für die DUH ist damit noch gar nichts gelöst, denn ein Beleg für das Recycling bei 96 liege nicht vor. "Wir machen jedes Jahr eine Umfrage zum Abfallmanagement der Bundesligisten. Mir ist kein Verein bekannt, der PLA-Becher tatsächlich recycelt", sagte Thomas Fischer, Experte der DUH, zur "Wirtschaftswoche Green" (WiWo Green). Das Recycling der PLA-Becher sei zudem sehr schwierig, weil oft andere Abfälle in den Sammelbehältern landeten und die Biobecher letztlich in der Müllverbrennung endeten. Viel einfacher sei hingegen das Recyceln von herkömmlichen Plastikbechern.

Ein weiterer Kritikpunkt der DUH: Die fehlende Transparenz in der Öko-Strategie bei 96. Wie "WiWo Green" berichtet, reagierte Hannover 96 auf Anfragen, mit welcher Kompostieranlage man zusammenarbeite, zurückhaltend: Man befinde sich in "diversen Abstimmungsgesprächen".


Im Netz führt das Becher-Problem bei 96 bereits zu einigen kritischen Kommentaren:

Es bleibt also abzuwarten, wann bei Hannover 96 wirklich "grüne Zeiten" anbrechen. Zumindest ließe sich diesem Problem wohl einfacher begegnen als der sportlichen Talfahrt in der Bundesliga.