24. Februar 2021 / 07:22 Uhr

Willi Orban zur eigenen Zukunft: "Mein erster Ansprechpartner ist und bleibt RB Leipzig"

Willi Orban zur eigenen Zukunft: "Mein erster Ansprechpartner ist und bleibt RB Leipzig"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Willi Orban ist einer der Torschützen vom Dienst in RB Leipzigs Abwehr.
Willi Orban ist einer der Torschützen vom Dienst in RB Leipzigs Abwehr. © Picture Point
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Fünf Tore stehen wettbewerbsübergreifend für ihn zu Buche. Nicht nur deshalb ist Willi Orban bei RB Leipzig so wichtig wie selten zuvor. Im Interview spricht er über den besten Willi aller Zeiten, Zusatzschichten für die Vernetzung der Synapsen, seine Kopfball-Vorbilder Olaf Marschall und Miro Klose und aufkommende Winde im Titelkampf.

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Leipzig. Ja, alt wie der Wald, der Spruch, aber immer gerne genommen und so was von treffend: Wo ein Willi ist, ist auch ein Weg. Der pfälzische Ungar Willi Orban, 28, steht seit 2015 bei den Roten Bullen seinen Mann, ist der torgefährlichste Abwehrspieler der RB-Historie (184 Pflichtspiele, 18 Tore, sechs Vorlagen) und der freundlichste und normalste Fußballer seit Fritz Walter.

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SPORTBUZZER: Beginnen wir mit einer ketzerischen Frage. Wenn Sie in Mainz gewonnen hätten, stünde RB auf Platz eins. Wie oft schauen Sie in den Rückspiegel?

Willi Orban: „Nur beim Autofahren. Mit hätte, wenn und aber beschäftigen wir uns nicht. Was soll das bringen? Wir sind auch ohne die drei Punkte aus Mainz gut unterwegs.“



Und haben laut Säulenheiligen wie Lothar Matthäus auch deswegen gute Chancen auf die Meisterschaft, weil der RB-Kader in der Breite dem der Bayern überlegen sei.

„Ich widerspreche Herrn Matthäus nur ungern, sehe das aber anders. Der FC Bayern hat für mich nach wie vor die beste Mannschaft und den besten Kader. Das ändert sich auch nicht durch ein 3:3 gegen Bielefeld oder das Frankfurt-Spiel. Es ist oben sehr eng und unsere Aufgabe ist es, dass das so bleibt. Das geht nur, wenn wir detailversessen und Lernende bleiben.“

Und etwa von Spiel zu Spiel denken?

„Ja, das hört sich abgedroschen an, ist aber so und wird nie anders sein. Wir wollen uns in allen Wettbewerben bestmöglich verkaufen, haben auch ein Weiterkommen in der Champions League noch nicht abgehakt.“

Liverpool hat das „Auswärtsspiel“ 2:0 gewonnen.

„Es hätte ergebnistechnisch besser für uns laufen können. Leider wurden wir in zwei Situationen eiskalt bestraft. Aber das Ding ist noch nicht durch.“

DURCHKLICKEN: So kommentierte die Presse das 0:2 gegen Liverpool

The Guardian (England): Mit wenig Selbstvertrauen aufgrund ihres Negativlaufs in der Heimat und stark unter Druck reiste Liverpool zum Achtelfinale. Nachdem die Meisterchance dahin ist, fühlt sich dieser Wettbewerb wie der letzte Strohhalm an. Die Leistung entsprach denn auch der, die der LFC angeboten hatte, bevor der Abwärtstrend einsetzte. Fokus und Genauigkeiten waren da, die zuletzt häufigen Fehler fehlten. Die machte dafür RB Leipzig. Zur Galerie
The Guardian (England): Mit wenig Selbstvertrauen aufgrund ihres Negativlaufs in der Heimat und stark unter Druck reiste Liverpool zum Achtelfinale. Nachdem die Meisterchance dahin ist, fühlt sich dieser Wettbewerb wie der letzte Strohhalm an. Die Leistung entsprach denn auch der, die der LFC angeboten hatte, bevor der Abwärtstrend einsetzte. Fokus und Genauigkeiten waren da, die zuletzt häufigen Fehler fehlten. Die machte dafür RB Leipzig. ©

Am Sonnabend kommt Gladbach nach Leipzig. Nach zehrender Champions-League-Reise nach Budapest und dem Spiel gegen Manchester City. Vorteil für Sie und die Ihren?

„Es ist jedenfalls kein Nachteil. Wir kennen die Belastung eines späten Abendspiels in der Champions League. Du kommst spät ins Bett, hast ein schweres Spiel in den Beinen und im Kopf. Andererseits kann so ein Spiel auch beflügeln. Nach dem 3:2 gegen Manchester United schwebten wir auf Wolke sieben zum Training und haben ein paar Tage später Werder 2:0 geschlagen. Wir müssen gegen Gladbach mit dem Anpfiff Tempo machen und signalisieren, dass die Punkte bei uns bleiben. Es wird gegen diese Top-Truppe so oder so schwer.“

Sie verlieren hinten kein wichtiges Kopfball-Duell und wuchten vorne wichtige Tore ein. Verraten Sie uns bitte das Geheimnis Ihrer Lufthoheit.

„In der Offensive steht und fällt alles natürlich mit dem Service. Wenn keine ideale Flanke kommt, wird es für den Kopfballspieler schwerer ein Tor zu erzielen. Die Qualität der Vorlagen ist gut, wir haben mit Christo, Sabi, Emil, Dani oder auch Angel viele Spieler, die jede Menge Gefühl im Fuß haben. Und mit Szobo (Dominik Szoboszlai; Red.) kommt noch einer mit einem goldenen rechten Fuß dazu. Und wenn der Ball gut gespielt wird, hängt vieles vom richtigen Timing ab.“

Und hat auch mit Mut zu tun, oder?

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„Das ist klar. Wenn man die Augen zu oder einen Buckel macht, wird das nix. Man muss mit Überzeugung rein in Ball und Gegner.“

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Sie wuchsen beim 1. FC Kaiserslautern auf. Wer waren Ihre Kopfball-Vorbilder?

„Olaf Marschall und Miroslav Klose. Die waren körperlich keine Riesen, wussten aber, wie es geht, hatten das Gefühl für den Raum und die Situation. Cristiano Ronaldo imponiert mir auch. Der springt höher als ein Känguru.“

Apropos Szoboszlai. Ihr Landsmann ist nach einer langwierigen muskulären Geschichte noch nicht einsatzfähig. Reden Sie ihm gut zu?

„Er bekommt jede Hilfe, die er braucht. Dazu gehört auch Zuspruch. Ich habe ihm gesagt, dass er Geduld braucht. Szobo ist aber auf einem guten Weg und bei Frank Rossner (Reha-Trainer, Red.) in besten Händen. Frank ist sensationell, ich kann das beurteilen.“

Trügt der Eindruck oder sind Sie nach ihrer Knie-bedingten Auszeit besser als je zuvor in Schuss?

„Ich bin definitiv besser als vorher, habe unheimlich viel Kraft im Körper, bin mental top drauf, freue mich auf jedes Spiel wie ein kleines Kind. Wenn wir mal zwei freie Tage am Stück haben vermisse ich sehr schnell die Jungs und das Training.“

Fotogalerie: Willi Orban bei RB Leipzig

2015 Juli: Orban spielt für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 Juli: Orban spielt für RB (@GEPA Pictures) ©

Zum Trainingsprogramm von Cheftrainer Julian Nagelsmann und Athletiktrainer Kai Kraft gehört auch Life Kinetik. Man jongliert mit Tennisbällen, läuft mit Augenklappen umher, schult auf diesen verschlungenen Pfaden welche Fähigkeiten?

„Über allem steht das Ziel, eine möglichst hohe und effiziente Handlungsschnelligkeit im Spiel zu erreichen. Die Verzweigung der Nervenzellen führt im Idealfall zu einem besseren, flexibleren großen Ganzen. Das erreicht man durch bewusste Reizüberflutung. Unsere Trainer bieten uns diesbezüglich nahezu täglich einiges an.“

Sie schieben an Ihren freien Tagen Zusatzschichten. Gehört Life Kinetik dazu?

 „Ja, ich bin seit längerem bei Veit Gabrysiak von den Leipziger Braincoaches, hatte mit Life Kinetik schon beim FCK gute Erfahrungen gemacht.“

Ihr Vertrag läuft 2022 aus. Die Nummer mündet entweder in einer Verlängerung oder in einem Abschied im Sommer, Herr Orban.

„Wir haben so viele schöne Spiele vor uns und Sie kommen mit Laufzeiten um die Ecke. Machen Sie sich keine Sorgen, mein erster Ansprechpartner ist und bleibt RB Leipzig.“

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!