10. Oktober 2019 / 12:27 Uhr

Umgang mit Frauen-Rechten im Iran: Ex-Trainer Winfried Schäfer greift die FIFA an

Umgang mit Frauen-Rechten im Iran: Ex-Trainer Winfried Schäfer greift die FIFA an

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Winfried Schäfer, der ehemalige Trainer von Esteghlal Teheran, kritisiert die FIFA im Umgang mit den unterdrückten Frauenrechten im iranischen Fußball. 
Winfried Schäfer, der ehemalige Trainer von Esteghlal Teheran, kritisiert die FIFA im Umgang mit den unterdrückten Frauenrechten im iranischen Fußball.  © imago images/ZUMA Press/R.Fouladi/Montage
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Nach 40 Jahren dürfen am Donnerstag zum EM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha erstmals wieder Frauen in ein iranisches Fußballstadion. Damit reagierte das Regime auf eine Tragödie im September bei der sich ein weiblicher Fan das Leben nahm, nachdem sie beim Besuch einer Partie enttarnt wurde und verurteilt werden sollte.

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Es ist ein großer Schritt für den Sport im Iran: Seit der Islamischen Revolution im Jahr 1979 war Frauen der Besuch von Fußballspielen untersagt. Diese Regelung könnte nun ein Ende haben, denn nach 40 Jahren des Verbots dürfen Frauen am Donnerstag zum WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha erstmals wieder eine Partie im Stadion angucken. Das Regime hatte den Stadionbesuch Frauen offiziell untersagt, um sie vor der "brutalen Atmosphäre" und "halbnackten Männern" zu schützen.

Die FIFA hatte von dem iranischen Fußball-Verband die Aufhebung des Verbots gefordert, nachdem eine Tragödie für weltweites Aufsehen im Netz gesorgt hatte. Eine Frau hatte sich vor dem Gerichtsgebäude angezündet und erlag am 9. September ihren schweren Verletzungen. Die Iranerin Sahar Khodayari wurde anschließend im Netz unter dem Hashtag #bluegirl bekannt - viele internationale Profis ihre Geschichte verbreitet. Die junge Frau war im Gericht zu sechs Monaten Haft verurteilt worden, weil sie sich in ein Spiel des Teheraner Spitzenklubs Esteghlal geschlichen hatte und enttarnt wurde.

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Der ehemalige Bundesligatrainer Winfried Schäfer coachte den iranischen Klub von 2017 bis April 2019 und sprach im Interview mit t.online.de über die politische und sportliche Entwicklung in dem Land und kritisierte die FIFA dafür, den Iran nicht schneller und deutlicher zu der Gleichberechtigung im Stadion gezwungen zu haben. Der Ex-Trainer des Karlsruher SC über den Vorfall: "Im Iran hat jeder eine klare Vorstellung davon, was in den Gefängnissen geschieht. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die FIFA die Zusammenhänge nicht kennt, und ich war enttäuscht, dass es eine so intensive Bewegung auf Instagram brauchte, um die Medien und dann auch die Fifa aufzuwecken."

Winfried Schäfer: "Die Regeln für Gleichberechtigung müssen durchgesetzt werden"

Von dem Weltverband habe er sich ein deutlicheres Eingreifen gewünscht. "Ein klares Ultimatum. Die Liga hatte noch nicht begonnen. Die FIFA hätte sagen müssen: Die Regeln für Gleichberechtigung müssen durchgesetzt werden, andernfalls werden Vereine und Nationalmannschaft vom internationalen Spielbetrieb ausgeschlossen. Keine Kompromisse", so Schäfer deutlich.

Mit seinem ehemaligen Klub steht Schäfer und sein Trainerstab im Rechtsstreit. Die Coaches verklagen aktuell ihren ehemaligen Arbeitgeber, "weil man uns mehr als sechs Monate nicht bezahlt hat und leider in einer Art und Weise behandelt hat, die in jedem anderen Land höchst kriminell wäre", so Schäfer weiter. Die Vereinsführung sei sehr eng mit dem Regime verknüpft. Viele Fans hätten deshalb heftig gegen den Klub und die Untätigkeit in dem Fall der blau-gekleideten Frau protestiert. Auch in Deutschland hatten sich viele Vereine für die Gleichberechtigung von Frauen im iranischen Fußball eingesetzt.

Dass nun erstmals seit rund vier Jahrzehnten Frauen im Stadion zugelassen sind, hinterfragt Schäfer kritisch: "An dem Punkt waren wir im letzten Jahr bereits. Die Sekretärinnen des Verbandes und ein paar ausgesuchte Ehefrauen werden da in den VIP-Bereich eskortiert. Das ändert überhaupt nichts." Das vorgesehene Kontingent von 3500 Frauen-Plätzen war nach weniger als einer Stunde ausverkauft - nun möchte das iranische Sportministerium den Anteil der Plätze erhöhen. Das Asadi-Stadion in Teheran fasst insgesamt 100.000 Zuschauer, die Frauen sollen in dem Stadion getrennte Blöcke erhalten, die von rund 150 Polizisten bewacht werden.

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