29. Januar 2021 / 12:34 Uhr

Die Winter-Transfers in den Top-Ligen: So dramatisch sind die Ablösesummen im Vergleich zum Vorjahr gefallen

Die Winter-Transfers in den Top-Ligen: So dramatisch sind die Ablösesummen im Vergleich zum Vorjahr gefallen

Dennis Ebbecke
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Leipzigs Dominik Szoboszlai (links) und Amsterdams Sébastien Haller (zweiter von links) zählen in diesem Winter zu den teuersten Transfers. Im vergangenen Jahr sorgten Berlins Krzysztof Piatek und Manchesters Bruno Fernandes (rechts) für hohe Ablösesummen.
Leipzigs Dominik Szoboszlai (links) und Amsterdams Sébastien Haller (zweiter von links) zählen in diesem Winter zu den teuersten Transfers. Im vergangenen Jahr sorgten Berlins Krzysztof Piatek und Manchesters Bruno Fernandes (rechts) für hohe Ablösesummen. © Getty Images/imago images/Motivio/Pro Shots/Montage
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Wie drastisch sind die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Transfermarkt wirklich? Der SPORTBUZZER hat die aktuellen Winter-Transfers in den internationalen Top-Ligen mit denen des Vorjahres verglichen. 

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Bereits Ende Dezember hatte Karl-Heinz Rummenigge in einem Interview mit dem Vereinsmagazin 51 darauf hingewiesen, dass sich "die Transferausgaben im Vergleich zu den Vorjahren halbiert haben". Damit spielte der Bayern-Boss nicht nur auf die Situation in seinem eigenen Klub an, sondern auf die globalen Auswirkungen der Corona-Krise auf die Top-Ligen. Der SPORTBUZZER hat die aktuellen Entwicklungen auf dem Transfermarkt analysiert und die internationalen Winter-Transfers dieser Saison mit denen des Vorjahres verglichen. Das Ergebnis: Die Ablösesummen der Top-Transfers sind dramatisch gefallen.

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Das Transferfenster schließt am 1. Februar. Unter der Prämisse, dass bis Montag keine großen Deals mehr über die Bühne gehen, darf sich der ehemalige Frankfurt-Profi Sebastien Haller als Top-Transfers dieses Winters bezeichnen - international gesehen wohlgemerkt. Der 26 Jahre alte Stürmer hat West Ham United für 22,5 Millionen Euro in Richtung Ajax Amsterdam verlassen. Zum Vergleich: Im Winter 2019/20 hatte Manchester United für Bruno Fernandes noch die Top-Summe von 55 Millionen Euro an Sporting Lissabon überwiesen. Blickt man eine weitere Saison (2018/19) zurück, ging der "Titel" des Top-Transfers an Christian Pulisic (für 64 Millionen Euro vom BVB zum FC Chelsea).

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Platz zwei des aktuellen Winter-Transfer-Rankings hinter Haller belegt Amad Diallo (für 21 Millionen Euro von Atalanta Bergamo zu Manchester United), den dritten Rang teilen sich Leipzig-Neuzugang Dominik Szoboszlai (von RB Salzburg) und Krepin Diatta (vom FC Brügge zur AS Monaco), die jeweils für 20 Millionen Euro das Trikot tauschten.

Transferausgaben der Top-Klubs halbiert: Diese Zahlen belegen es

Am Mittwoch hatte Bayer Leverkusen die Verpflichtung von Celtic-Verteidiger Jeremie Frimpong verkündet, der es mit 11 Millionen Euro ebenfalls knapp in die Top 10 geschafft hat. Der folgende Vergleich untermauert die drastischen Corona-Folgen für den internationalen Fußball: Auf Platz zehn der Top-Transfers des vergangenen Winters landete Raul de Tomas, der für 22,5 Millionen von Benfica Lissabon zu Espanyol Barcelona wechselte. Und damit wären wir ziemlich exakt bei der eingangs erwähnten Rummenigge-These: Der momentane Trend zeigt, dass sich die Transferausgaben tatsächlich zu halbieren scheinen.


Auffällig: Die ganz großen Klubs, mit Ausnahme von Manchester United (Diallo), Juventus Turin (Nicolo Rovallo/18 Millionen Euro) oder Atlético Madrid (Geoffrey Kondogbia/15 Millionen Euro) mischen auf dem Transfermarkt kaum mit. Reagieren statt agieren, scheint das Motto der Spitzenvereine zu lauten. Viele Klubs sind nur dann bereit, Geld in die Hand zu nehmen, wenn Leistungsträger langfristig auszufallen drohen.

Reagieren statt agieren: BVB-Sportdirektor Zorc setzt auf das Prinzip Hoffnung

Und selbst dann tun sich viele Verantwortliche mit Neuverpflichtungen schwer. Als Beleg dienen die jüngsten Einschätzungen von Michael Zorc, der mit Blick auf die BVB-Ausfälle offensichtlich lieber auf das Prinzip Hoffnung setzt als in schwierigen Zeiten zu tief in die Tasche zu greifen: "Es gibt grundsätzlich immer Felder, wo man sich noch verbessern kann. Nur wir sind gerade nicht in einem idealtypischen Zustand und es ist auch kein Wunschkonzert, Weihnachten ist vorbei. Insofern ist es für uns gerade sehr schwierig nachzujustieren. Wir hoffen auch, dass jetzt die verletzten Spieler zurückkehren und wir es mit dem Kader am Ende schaffen werden."

Auch in der Premier League agieren die Top-Klubs vergleichsweise zurückhaltend und verzichten - im Gegensatz zu den vergangenen Jahren - auf große Sprünge. So antwortete Liverpool-Coach Jürgen Klopp im Rahmen einer Pressekonferenz auf die Frage, ob er mit Winter-Transfers rechnen würde, mit "Nicht wirklich". Zwar würde er nicht zu 100 Prozent nein sagen, aber er glaube nicht, dass sich noch etwas ändern werde.

Auch wenn die Verletzung von Joel Matip, die er sich am Donnerstag beim 3:1-Sieg gegen Tottenham zugezogen hatte, die Situation ändern mag: Auch hier wäre ein möglicher Transfer, den der deutsche Trainer nun nicht mehr ausschließt, eher als Kurzzeit-Lösung zu werten denn als eine konzeptionelle Zukunftsausrichtung. Ähnliches dürfte für die Spurs gelten, sollten sie mit Blick auf Harry Kane, der in dieser Partie ebenfalls verletzungsbedingt ausgewechselt werden musste und wochenlang auszufallen droht, einen Ersatz für den Top-Stürmer verpflichten.