25. November 2021 / 17:59 Uhr

Saisonpause in Brandenburg: "Im Frühjahr gibt es keine Ausreden mehr"

Saisonpause in Brandenburg: "Im Frühjahr gibt es keine Ausreden mehr"

Christoph Brandhorst und Stephan Henke
Märkische Allgemeine Zeitung
Bis zur erneuten Aussetzung des Spielbetriebs sahen die Zuschauer und FK-Chef Hartmut Lenski (kleines Foto) zahlreiche spannende Spiele: Maximilian Gräser (M.) und seine Teamkollegen von Fortuna Babelsberg II setzten sich am letzten ausgetragenen Kreisoberliga-Spieltag mit 2:1 bei der SG Saarmund um Tilman Käpnick (r.) durch.
Havellands Fußballkreis-Chef Hartmut Lenski (l.) appelliert, dass sich die Spieler bis zum Frühjahr impfen lassen sollen. © Benjamin Feller/Marcus Alert
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Der Fußball in Brandenburg geht frühzeitig in die Winterpause – Anfang 2022 soll die Saison auch unter 2G-Bedingungen wieder aufgenommen werden.

Der Fußball-Spielbetrieb in Brandenburg steht mit sofortiger Wirkung still. „Unzumutbar“ sei die Durchführung der Spiele unter Einhaltung der 2G-Regelung, teilte der Landesverband Brandenburg (FLB) am späten Mittwochabend mit und setzte damit einen Schlussstrich unter das aktuelle Fußballjahr. Die Entscheidung des Präsidiums in Abstimmung mit den acht Fußballkreisen und dem Krisenstab ist die Konsequenz aus der am Dienstag beschlossenen Corona-Eindämmungsverordnung des Landes Brandenburg, wonach seit Mittwoch auch im Freien nur noch Sport unter 2G-Bedingungen (also lediglich von Geimpften oder Genesen) betrieben werden darf. Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hatte am Mittwoch den Spielbetrieb ebenfalls eingestellt, einzig die Männer-Regionalliga spielt weiter.

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„Bedingt durch die Kurzfristigkeit, ab der diese Maßnahmen gelten, ist der erlaubte Spielbetrieb erschwert, was auf den unterschiedlichen Impfstatus auch von Spieler*innen und Schiedsrichter*innen zurückzuführen ist“, sagte FLB-Präsident Jens Kaden in einer Verbands-Mitteilung, auch der Jugendfußball pausiert. Ein Trainings- und Testspielbetrieb ist dagegen unter Einhaltung der gesetzlichen Auflagen für Erwachsene und Kinder weiterhin möglich. Kaden kritisierte die Kurzfristigkeit, er könne seine „Enttäuschung nicht verbergen, dass wiederum eine Entscheidung der politischen Ebene getroffen worden ist, ohne den Verband im Vorfeld mit einzubeziehen“.

ZUM DURCHKLICKEN: Reaktionen zur Saisonunterbrechung in Brandenburg.

Stimmen zur Saisonunterbrechung: Die Meinungen unter Trainern in Brandenburg wie Daniel Kraatz (links), Volker Löbenberg (rechts oben) und Patrick Hinze gehen durchaus auseinander. Zur Galerie
Stimmen zur Saisonunterbrechung: Die Meinungen unter Trainern in Brandenburg wie Daniel Kraatz (links), Volker Löbenberg (rechts oben) und Patrick Hinze gehen durchaus auseinander. ©

Am Mittwochabend fiel die Entscheidung zur vorzeitigen Winterpause in einer Videokonferenz. „Mir ist die Entscheidung schwergefallen. Bis Dienstag dachte ich, Augen zu und durch, wir spielen bis Jahresende so viele Spiele wie möglich. Aber wenn man mal ein, zwei Nächte drüber schläft und alle Details durchdekliniert, komme ich jetzt zu einem anderen Urteil“, sagt Hartmut Lenski, der Vorsitzende des Fußballkreises Havelland.

So seien die Vereine „teilweise ganz froh, dass sie keine Klimmzüge machen müssen“, sagt das FLB-Präsidiumsmitglied und meint damit den hohen organisatorischen Aufwand, der durch die Überprüfung der 2G-Regel auf die zum allergrößten Teil ehrenamtlich geführten Vereine so kurzfristig zugekommen wäre. Noch ein weiterer Punkt erschwert die Lage: „Was mich schon überrascht hat, ist, dass einige Mannschaften signalisiert haben, dass doch einige Spieler nicht geimpft sind“, sagt Lenski.

Niedrige Impfquote in Brandenburg

Nur knapp 62 Prozent der Brandenburger sind doppelt geimpft, im Bundesdurchschnitt liegt die Quote gut sechs Prozentpunkte höher. Die Spielerinnen und Spieler hätten jetzt genug Zeit, sich impfen zu lassen, sagt Lenski, „im Frühjahr gibt es keine Ausreden mehr“. Denn der FLB hat in seiner Mitteilung angekündigt, dass der Spielbetrieb auch dann fortgeführt werden wird, wenn noch die 2G-Regel herrscht. Der Verband appellierte eindringlich, sich impfen zu lassen: „Nutzen Sie die Zeit der ,Fußballpause’, um sich und andere zu schützen, aber auch damit bessere Voraussetzungen für den zukünftigen Spielbetrieb zu schaffen.“ Zudem sollte sich, nach den Erfahrungen aus diesem Jahr, auch die pandemische Lage im Frühjahr wieder etwas entspannen.

Wenn der Spielbetrieb 2022 wieder anlaufen sollte, dann werde man auch nicht beim Ende der Hinrunde aufhören. „Wir spielen alle Spiele, die möglich sind. Sonst wird eben wieder die Quotientenregel angewendet und dann hoffen wir, dass wir endlich wieder Auf- und Absteiger haben“, sagt Lenski. Der FLB hatte vor der Saison beschlossen, eine Saison zu werten, wenn mindestens 75 Prozent der Mannschaften in einer Liga mindestens 50 Prozent ihrer Spiele absolviert haben.


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Fraglich ist, ob die Saison noch komplett durchgespielt werden kann. Durch die vorzeitige Winterpause fallen vier Spieltage im Jahr 2021 aus. „Im Rahmenterminkalender auf Kreisebene gibt es vor dem Start der Rückrunde noch Termine für Nachholspiele. Ob da dann allerdings die ausgefallenen Termine aus der Hinrunde stattfinden können, hängt von vielen Faktoren, wie etwa die Vorgabe der Politik oder auch den Winter, ab“, sagt Michael Reichert, der Vorsitzende des Fußballkreises Oberhavel/Barnim.

Die beiden vorherigen Spielzeiten konnten nicht zu Ende gespielt werden. Die Saison 2019/20 war im März 2020 zunächst unter- und später gänzlich abgebrochen worden. Seinerzeit durften die Tabellenführer nach Anwendung der Quotientenregel aufsteigen, Absteiger gab es nicht. Die Folgesaison pausierte bereits ab Anfang November 2020 wegen erneut stark steigender Corona-Fallzahlen – und wurde anschließend auch nicht wieder aufgenommen. Die Auf- und Abstiegsregelung wurde ausgesetzt.