09. Oktober 2021 / 18:17 Uhr

"Wir funken auf einer Welle": So arbeitet Manager Marcus Mann bei Hannover 96

"Wir funken auf einer Welle": So arbeitet Manager Marcus Mann bei Hannover 96

Andreas Willeke,  Dirk Tietenberg  und Jonas Freier
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Seit diesem Sommer sind sie bei Hannover 96 ein Team: Manager Marcus Mann (links) und Trainer Jan Zimmermann.
Seit diesem Sommer sind sie bei Hannover 96 ein Team: Manager Marcus Mann (links) und Trainer Jan Zimmermann. © Getty Images
Anzeige

Er ist aus Hoffenheim nach Niedersachsen gekommen, nun soll Marcus Mann Hannover 96 zusammen mit Trainer Jan Zimmermann in eine bessere Zukunft führen. Im zweiten Teil des großen Interviews spricht der neue Manager über seine Arbeit bei den Roten.

Wie arbeiten Sie denn als Sportchef? Wie finden Sie heraus, ob Profis charakterlich zur Mannschaft passen?

Anzeige

Ich werfe mein Netzwerk an und versuche, so viele Infos wie möglich einzuholen. Das Sportliche kann man im Stadion oder auf Video sehen. Aber das Menschliche, wie tickt er in der Mannschaft oder wenn es mal nicht so läuft? Kann man sich auf ihn verlassen oder versteckt er sich dann?

Das erfährt man von Leuten, die den Spieler besser kennen. Ich habe auch noch nie einen Spieler verpflichtet, mit dem ich nicht vorher gesprochen habe, zur Not auch am Telefon. Am Schluss muss auch das Bauchgefühl stimmen.

Lest hier den ersten Teil des Interviews

Sie haben als Sportchef in Saarbrücken den beliebten Trainer Dirk Lottner entlassen, obwohl die Mannschaft auf Platz eins stand. Wie haben Sie das erlebt?

Das hat für große Aufregung gesorgt. Dirk hatte sehr gute Arbeit geleistet, aber unser großer Vorsprung war auf zwei Punkte geschrumpft und wir hatten das Gefühl, einen Reizpunkt setzen zu müssen. Im Nachhinein hat es sich bestätigt.

Der Aufstieg stand damals über allem, und in meiner Position muss man auch mal unangenehme Entscheidungen treffen. Die Entscheidung war aber mit Risiko verbunden. Manchmal muss man alles an sich abprallen lassen und eine ungemütliche Woche ertragen, das gehört zum Geschäft.


Warum sind Sie trotz des Aufstiegs nach Hoffenheim gewechselt, als Sportchef der Nachwuchsabteilung U23?

Der Abschied ist mir sehr schwergefallen. Mit der Spielerzeit war ich sechseinhalb Jahre in Saarbrücken, habe mich immer wohlgefühlt. In Saarbrücken hatte ich alle Freiheiten. Das ist aber nicht das Normale, wobei ich aber bis heute sehr dankbar bin für das Vertrauen. In Hoffenheim habe ich mit drei Geschäftsführern, Sportdirektor und Gesellschafter in einem ganz anderen Umfeld gearbeitet.

Die Manager von Hannover 96 seit 1996:

<b>Franz Gerber:</b> Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. Zur Galerie
Franz Gerber: Der gebürtige Münchener war gleich zweimal als 96-Manager im Amt. Das erste Mal von 1996 bis 1999 und nach seiner zwischenzeitlichen Tätigkeit als 96-Trainer ein weiters Mal von Juli bis Dezember 2001. ©

Was möchten Sie gern aus Hoffenheim nach Hannover übertragen?

Hoffenheim ist bekannt für die Durchlässigkeit, junge Spieler auszubilden und reinzuwerfen ins Profiteam. Da ist Hoffenheim ein Vorbild. Ich bin aber kein Freund davon, dass alles, was neu ist, auch gut ist. Fußball bleibt immer auch Fußball.

Kann man Dietmar Hopp mit Martin Kind vergleichen?

Beide Vereine haben ihnen viel zu verdanken, es würde sie ohne die jeweilige Person so nicht geben. Hopp ist aber vom Alltagsgeschäft etwas weiter weg. Mit Martin Kind bin ich mindestens ein- bis zweimal wöchentlich im Austausch. Das ist sehr positiv, konstruktiv und angenehm.

Wie läuft der Austausch mit Trainer Zimmermann?

Mit Jan spreche ich jeden Tag, wenn mal kein Training ist, telefonieren wir mindestens 20 Minuten. Wir funken auf einer Welle und sehen viele Dinge ähnlich. Wenn’s mal nicht so ist, sprechen wir darüber. Wir sprechen auch das nächste Spiel durch, wie eine Aufstellung aussehen kann, aber Jan trifft die Entscheidung. Trotzdem kennt er meine Meinung.

Anzeige
Mehr über Hannover 96

Sie könnten noch mehr Einfluss nehmen, wenn Sie auf der Bank und nicht auf der Tribüne sitzen würden?

Ich glaube, ich kann Jan in der Halbzeit objektiver etwas mitteilen, wenn ich ein bisschen weiter weg bin. Ich kann ja durchaus emotionaler sein. Insofern ist es auch ein Selbstschutz, dass ich nicht jede Schiedsrichterentscheidung kommentiere und mit dem vierten Offiziellen bespreche. Ich habe gelernt, dass das nichts bringt. Wenn es gravierende taktische Dinge gibt, mit denen man nicht bis zur Halbzeit warten kann, dann gibt’s Mittel und Wege, das mitzuteilen.

Im nächsten Teil des Interviews gibt es am Montag: 96-Manager Mann über Corona-Sorgen, Scouting, Familie und Freizeit.