26. März 2020 / 11:00 Uhr

"Wir haben ja keine Alternative": Auch am Olympiastützpunkt geht nichts mehr

"Wir haben ja keine Alternative": Auch am Olympiastützpunkt geht nichts mehr

Stefan Dinse
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
An Hannovers Olympiastützpunkt in der Nähe des Maschsees und der 96-Trainingsanlagen herrscht sonst munteres Treiben vieler Athleten. Nun ist der Komplex für alle Athleten geschlossen.
An Hannovers Olympiastützpunkt in der Nähe des Maschsees und der 96-Trainingsanlagen herrscht sonst munteres Treiben vieler Athleten. Nun ist der Komplex für alle Athleten geschlossen. © Kinsey/ Petrow/ Frey
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Nur noch Land in Sicht: Nach der Schließung des Olympiastützpunktes sitzen Hannovers Wassersportler buchstäblich auf dem Trockenen. Sie müssen sich nun an Land fit halten, auch wenn Schwimm-Hoffnung Sven Schwarz schon mit dem Freiwasser liebäugelt.

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Auf der Homepage des Olympiastützpunktes Hannover läuft noch der Tokio-Countdown. 119 Tage wären es am heutigen Donnerstag bis zum geplanten Start der Spiele am 24. Juli. Inzwischen aber ist Olympia verschoben und der OSP am Maschsee auch für Kaderathleten geschlossen, die bisher mit einer Ausnahmegenehmigung trainieren durften. Nichts geht mehr, keiner läuft, springt, kämpft oder schwimmt.

Die Corona-Krise hat alle ausgebremst, und das mindestens bis zum 19. April. „Das ist schon Pech, wir haben ja keine Alternative“, sagt Sven Schwarz von Waspo 98. Der Freistil-Langstreckenspezialist ist und bleibt jedoch eine große Olympiahoffnung. „Wir nehmen das jetzt eben als Zwangspause. Und meine Chancen auf Tokio werden im nächsten Jahr sogar noch besser sein“, sagt Schwarz.

„Das war schon alles ziemlich gespenstisch.“

Zuletzt ruhte das 50-Meter-Becken im OSP schon verdächtig still. Schwarz (17 Jahre) und Delfinschwimmerin Angelina Köhler (19) von Hannover 96 waren oft die Einzigen in der Halle. Unter der Aufsicht von Landestrainer Emil Guliyev zogen sie einsam ihre Bahnen. Zuvor mussten sie am Eingang ein Formular ausfüllen, ob sie in Risikogebieten waren oder mit Corona-Infizierten Kontakt gehabt haben könnten.

„Das war schon alles ziemlich gespenstisch“, so Schwarz, „und die Stimmung war gedrückt, weil keiner wusste, wie es weitergeht.“ Bisweilen kamen dann einige Wasserballkaderathleten von den White Sharks und Waspo dazu, die übten aber mit gebührendem Sicherheitsabstand.

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"... nun kommen viele Jahreskilometer hinzu. Und jeder hilft mir weiter."

Nun sitzen sie also vorerst auf dem Trockenen. „Wir können nur das tun, was wir an Land ohnehin machen“, sagt Schwarz. Laufen, Fitness, Radfahren. „Wir haben für den Übergang keine andere Möglichkeit, dies ist nun eine aktive Pause für zunächst zwei Wochen“, sagt der Landestrainer. Er hält die Saison jedoch allenfalls für unterbrochen. Im Spätsommer könnten die Europameisterschaften über die Bühne gehen.

„Sie sind für unsere beiden Olympiakandidaten im Hinblick auf die Spiele wichtig“, betont Guliyev. Besonders für Langstreckler Schwarz. „Es ist eine unglückliche Zeit. Aber Sven kann viel lernen in Sachen Taktik. Wir setzen weiter auf ihn und Angelina“, sagt der Coach. „Ich hätte in diesem Jahr schon eine realistische Chance gehabt“, so Schwarz, „aber nun kommen viele Jahreskilometer hinzu. Und jeder hilft mir weiter.“

Wasserball-Bundesliga wieder im Freibad? Eine "charmante Idee"

Auch für die Wasserballer ist derzeit nur Land in Sicht. International stehen in diesem Jahr keine wichtigen Termine mehr an. Es sei denn, die Olympiaqualifikation kann noch ausgetragen werden – womöglich im Herbst oder Winter. Tokio-Kandidaten wie Tobias Preuß von Waspo und Niclas Schipper gewinnen dadurch Zeit, beiden machten zuletzt Schulterprobleme zu schaffen.

„Ich bin mir aber sicher, ich hätte es auch so zu den Spielen geschafft“, stellt Preuß fest. „Die Arbeit, die ich in meinen Körper und meine Schulter gesteckt habe, hat Früchte getragen.“ Die Olympiaverlegung spiele ihm daher nicht in die Karten. Preuß hat sich einen Kraftraum in der Garage eingerichtet, um die Form zu halten. Ob die ausgesetzte Bundesligasaison womöglich im Sommer fortgesetzt werden kann, daran hat der 30-Jährige Zweifel. „Aber das ist natürlich eine charmante Idee, wieder im Freibad zu spielen.“

Schwimmer Schwarz hat sogar daran gedacht, im Freiwasser zu trainieren. „Wenn man etwas machen will, ginge das. Steinhuder Meer, Blauer See oder Mittellandkanal. Aber es ist noch zu kalt. Wir müssen uns einfach gedulden.“