25. April 2020 / 16:45 Uhr

"Wir laufen für Euch": Marathon der besonderen Art bringt 15.000 Euro für Leipzigs Sportvereine

"Wir laufen für Euch": Marathon der besonderen Art bringt 15.000 Euro für Leipzigs Sportvereine

Tilman Kortenhaus
Leipziger Volkszeitung
Roman Knoblauch und MichaelFischer-Art starten am 25. April 2020 auf der Marathon-Distanz für den guten Zweck.
Zieleinlauf nach knapp sechs Stunden: Es ist geschafft. © Dirk Knofe
Anzeige

Sie waren angetreten um Geld zu sammeln für Leipziger Sportler und Sportvereine in der Coronakrise. 15.000 Euro erliefen Roman Knoblauch und Michael Fischer-Art schlussendlich. SPORTBUZZER-Redakteur Tilman Kortenhaus hat die beiden Freizeitsportler auf dem Rad begleitet.

Leipzig. Es war eine beispiellose Schinderei. Nach knapp sechs Stunden und damit innerhalb des selbst gesteckten Zeitlimits erreichten Roman Knoblauch und Michael Fischer-Art am Samstagnachmittag das Ziel eines ganz besonderen Marathons. Organisiert von der Sportstadt Leipzig GmbH und zahlreichen Partnern hatten sich beide auf die Strecke gemacht, live übertragen aus dem Club International, mit zahlreichen zugeschalteten und tatsächlich anwesenden aktiven und ehemaligen Sportstars. Ziel der Aktion: So viele Spenden wie möglich zu sammeln für von der Coronakrise betroffene SportlerInnen und Vereine. Unter anderem warfen RB Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff und Ex-RB-Coach Ralf Rangnick je 1000 Euro in den Topf. Am Ende eines langen Tages kamen 15.000 Euro zusammen. Doch wie lief es für die beiden Protagonisten bis dahin?

Anzeige

Erinnerungen an 2008

Die letzten Vorbereitungen für den heldenhaften Marathon werden um kurz vor 10 Uhr noch getroffen. Kamera-Equipment wird bereitgestellt, letzte Abläufe geklärt. Roman Knoblauch und Michael Fischer-Art sind bereit für 42,195 anstrengende Kilometer. Radiomoderator Knoblauch ist zur Vorbereitung zwei Halbmarathon gelaufen. Der 51-Jährige brauchte jeweils 1:50 Stunden. "Meine größte Sorge ist heute das Tempo", kommentiert Knoblauch. Mit Fischer-Art im Schlepptau plant der Iron-Man-Finisher mit fünf bis sechs Stunden Laufzeit. Besonders spannend könnten die finalen Kilometer werden, denn der ebenfalls 51-Jährige Künstler steht nicht gut im Training. "Ich mache den Lauf quasi aus der Kalten, aber das ist nicht schlimm. Ich bin alle meine Marathons bisher mehr oder weniger ohne Training gelaufen", verrät der Leipziger, der schätzt, bisher rund 20 Finisher-Medaillen geholt zu haben.

JETZT DURCHKLICKEN: Impressionen vom Spendenlauf

Herausforderung für Roman Knoblauch und Michael Fischer-Art: Gemeinsam absolvieren sie einen Marathon, wollen so Spenden sammeln für Leipzigs Sportvereine in der Coronakrise. Zur Galerie
Herausforderung für Roman Knoblauch und Michael Fischer-Art: Gemeinsam absolvieren sie einen Marathon, wollen so Spenden sammeln für Leipzigs Sportvereine in der Coronakrise. © Dirk Knofe

Die beiden erinnern sich an ihren ersten gemeinsamen Dauerlauf. 2008 den New York Marathon. Fischer-Arts erster. Für den Leipziger Radiomoderator einer von vielen. "Ich werde ihn mitziehen. Egal, wie hart das wird", zeigt sich Knoblauch zuversichtlich. Streit sollte unter den Läufern deshalb aber nicht entstehen, viel gesprochen wird sicherlich nicht. Beide tragen Kopfhörer und haben die Live-Berichterstattung auf den Ohren. " Das will ich auf keinen Fall verpassen", so Knoblauch vorfreudig.

So lief die erste Runde:

Über 10 Kilometer haben Roman Knoblauch und Michael Fischer-Art bereits geschafft. Zwischenfazit des Radiomoderatoren: „Leute klatschen aus sicherer Distanz, Autos hupen. Es macht richtig Spaß!“ Sportliche Probleme haben die beiden Läufer noch keine. Mit einem Tempo von etwa 7:30 Minuten pro Kilometer kämpfen sie sich voran. „Ich denke, wir werden später noch ein bisschen auf die Bremse treten müssen. Unter 6 Stunden schaffen wir aber bestimmt“, ist Knoblauch zuversichtlich. Probleme gibt es dafür mit der technischen Ausstattung vom Leipziger Künstler. Da der Stream auf seinem Handy nicht funktionieren will, gibt Knoblauch beim Lauf die wichtigsten Informationen durch. „Ralf Rangnick hat 1000 Euro gespendet und Guido Schäfer muss Liegestütze machen“, freut sich der 51-Jährige. „Wie geil ist dieses Event bitte?“, ergänzt er begeistert.

„Wir laufen für Euch“: Zieleinlauf nach knapp sechs Stunden

Nic Ihlow, Vorjahressieger des Leipzig Marathons, begleitet die beiden bei ihrem Dauerlauf mit dem E-Lastenrad. Er stellt Wasser und Snacks zur Verfügung und ist moralische Unterstützung. „Im Vorfeld meinte ich noch selbstsicher, dass ich den Motor gar nicht brauche – jetzt bin ich doch sehr dankbar“, verrät der 24-Jährige. Denn Ihlow muss nicht wie eigentlich geplant nur Verpflegung für die beiden Helden kutschieren, sondern fährt im Lastenfahrrad auch Kameramann Raik spazieren. Ein zweites Lastenrad hatte das Gesundheitsamt nicht genehmigt.

„Die ersten 10 Kilometer sind einfach, aber das wird noch richtig schlimm und schmerzhaft für die beiden“, gibt Ihlow Einblick. In Richtung von Knoblauch fragt er: „Was ist eigentlich schöner, 7 Stunden Laufen oder Moderieren?“ Klare Aussage: Moderation ist leichter, aber noch sei das Laufen kein Problem.


So lief die zweite Runde:

Die beiden Laufhelden haben den ersten Halbmarathon geschafft und das in ca. 2 Stunden und 42 Minuten. Für Fischer-Art eine erstklassige Zeit, seinen Halbmarathon am Völkerschlachtdenkmal im vergangenen Jahr absolvierte er in einer Minuten mehr. Klar, dass Knoblauch darauf einen großen Einfluss hat. „Mit Pausen sind wir bei 7:55 Minuten pro Kilometer. Das ist ja eigentlich viel zu schnell für unser 6-Stunden-Ziel“, scherzt der Moderator. Er ist das klare Zugpferd, läuft die gesamte Zeit vorne weg und unterhält sich nebenbei noch ab und zu mit Begleiter Nic Ihlow.

JETZT Durchklicken: Impressionen aus dem Leipziger Club International"!

Wir laufen für Euch!: Impressionen aus der Schaltzentrale im Leipziger Club International Zur Galerie
"Wir laufen für Euch!": Impressionen aus der Schaltzentrale im Leipziger "Club International" ©

„Roman wirkt noch absolut fit und versucht ein bisschen Tempo zu machen. Er scherzt noch nebenbei – Michael ist stiller und konzentriert sich voll auf den Lauf“, analysiert der Langstreckenläufer vom SC DHfK während des kurzen Boxenstopps vor der dritten Runde. Statt Reifenwechsel wird im Lastenrad der Kameramann ausgetauscht. Mehr als verständlich, die Position könnte kaum unangenehmer sein. Neu bei Nic im Wagen ist nun also Kameramann Niklas.

Ganz schmerzfrei sind die beiden Läufer nach dem Halbmarathon nicht mehr, größere Probleme gibt es aber noch nicht. „Die Füße merke ich noch nicht, die Knie schmerzen aber etwas“, gibt Fischer-Art an. Die Motivation ist beiden weiterhin anzumerken. Die dritte Runde kann beginnen. „Vermutlich von der Mentalität die schlimmste Runde“, schätzt Ihlow ein. Das Ziel sei noch weit entfernt, aber die Muskeln fangen an, richtig zu brennen. Jetzt heißt es Durchhalten für die beiden Läufer.

So lief die dritte Runde:

Nach rund vier Stunden ist die dritte Schleife überstanden. Michael Fischer-Art, inzwischen recht still geworden, verzichtet auf einen "Boxenstopp", geht unmittelbar in die letzte Runde. "Der kann ruhig vorlaufen, ich hole das wieder auf", lacht Knoblauch, der sich ein wenig um seinen Begleiter sorgt. Wichtig ist, dass Micha durchhält, der ist eigentlich schon stehend erledigt. Aber ich habe ihm versprochen, bei ihm zu bleiben und es mit ihm durchzuziehen."

Er selbst greift dankbar zu, als Bernd Merbitz, Präsident des SC DHfK Leipzig, ihm einen Teller mit halbierten Orangenscheiben hinhält. "Die Waden sind etwas dicht, die kleinen Schritte sind für mich auf Dauer belastend, aber bringen ja auch mehr Kohle ein", sagt der 51-Jährige und lacht. Rund 36.000 Schritte stehen nach Runde drei auf der Uhr. Knoblauch ist zufrieden. Denn der Konsum Leipzig, versprach vorab, für jeden gemachten Schritt einen Cent zu spenden, erhöhte im Tagesverlauf auf zwei Cent. Knoblauch wirkt im Vergleich zu seiner künstlerischen Begleitung tatsächlich noch topfit und ruft laut "So irre dieses Projekt!". Dann nimmt er die Verfolgung auf. "Es tut gut, zum ersten Mal heute mein eigenes Tempo zu laufen. Wir sind seit viereinhalb Stunden unterwegs. Das ist schon hart."

So lief die vierte Runde:

Bei Michael Fischer-Art geht die Kraft langsam aus, die gute Laune lässt er sich aber nicht nehmen. "Das hier ist wirklich verrückt. Es gibt eine Pandemie und wir laufen einen Marathon", sagt er gewaltig aus der Puste. Ab jetzt sei alles Kopfsache. Er werde auf keinen Fall aufgeben. "Ich vermisse etwas die Straßensperren und das Läuferfeld. Das zieht dich beim normalen Marathon", ergänzt der Künstler und widmet sich wieder seinem Power-Walking. Nur wenn die Kamera auf ihn gerichtet wird, bemüht er sich um einen Laufschritt. "Kräfte sparen, aber auf den Bildern sportlich, dynamisch und intellektuell wirken. Ich muss das hier alles unter einen Hut bringen", scherzt er.

Roman Knoblauch und MichaelFischer-Art starten am 25. April 2020 auf der Marathon-Distanz für den guten Zweck.
Zwischendurch ein paar halbierte Orangenscheiben zur Erfrischung: SC-DHfK-Präsident Bernd Merbitz versorgt Roman Knoblauch mit Vitaminen. © Dirk Knofe

Bei Kilometer 36,5 sind die beiden Läufer wieder vereint. Fischer-Art nimmt mit Knoblauch erneut ein langsames Lauftempo auf. Das Ziel, nach sechs Stunden im Ziel zu sein, wird langsam eng. "Das Live-Programm über die Kopfhörer motiviert mich. Wenn ich ohne das laufen müsste, würde ich durchdrehen", verrät Knoblauch und trinkt vor dem "Endspurt" schnell noch einen Energydrink.

Zieleinlauf:

Laufen können Knoblauch und Fischer-Art auf den letzten Metern kaum noch, ziehen aber noch einmal an, um den Kameras und einigen Zuschauern ein tolles Schlussbild zu bieten. Mit Konfetti beregnet kämpfen sich die beiden über den roten Teppich und durch das goldene Finisher-Band. Zur Belohnung gibt es Sekt, selbstverständlich in zwei getrennten Flaschen – auch wenn die beiden sich vorher beim Laufen ab und zu doch etwas zu nahe gekommen waren. Kuriose Szene: Das Handy des Künstlers klingelt beim Laufen, die Regie ruft durch. „Wir müssen weiter auseinander! Richtiges asoziales Distancing jetzt“, lacht Fischer-Art. Im Ziel ist das wieder vergessen und die beiden feiern ihren Erfolg und vor allem den Erfolg von insgesamt 15.000 gespendeten Euro.

Anzeige

Knoblauch gesteht erschöpft: „Das war der verrückteste Marathon meines Lebens. Sechs Stunden. Abwechselnd Gehen und Laufen, keine anderen Läufer, keine abgesperrten Straßen. Wahnsinn!" Seinen Laufpartner lobt er für seinen Kampfgeist und seinen besonderen Charme vor der Kamera. „Immer wenn die Kamera an war, hat der Micha wieder angezogen und ist an mir vorbei", muss Knoblauch lachen. „Ich war einfach in toller Form und habe Roman über die gesamte Distanz gezogen", scherzt Fischer-Art.