13. August 2022 / 07:34 Uhr

"Wir nehmen den DFB beim Wort": Appell von Human Rights Watch vor der WM in Katar

"Wir nehmen den DFB beim Wort": Appell von Human Rights Watch vor der WM in Katar

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Bei dem Bau der WM-Stadien in Katar sind zahlreiche Arbeiter verstorben. 
Bei dem Bau der WM-Stadien in Katar sind zahlreiche Arbeiter verstorben.  © IMAGO/MIS (Montage)
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Die Weltmeisterschaft in Katar stand seit der Vergabe stark in der Kritik. Grund ist unter anderem die Menschenrechtslage in dem Wüstenstaat. Am 20. November startet das Turnier, im Vorfeld äußerte sich Human Rights Watch gegenüber dem SPORTBUZZER mit einem Appell an den Deutschen Fußball-Bund. 

Wie viele Fans nehmen die Reise zur Weltmeisterschaft nach Katar (20. November bis 18. Dezember) auf sich? Eine Ungewissheit, die nicht nur den Bundestrainer sorgt. Denn: Der Besuch des Turniers ist für Fußballbegeisterte mit Strapazen verbunden. Es beginnt bei der Anreise. Die Flughäfen Frankfurt am Main, Berlin und München bieten Direktflüge mit Katars staatlicher Airline an. Dauer: rund sechs Stunden. Wer einen Tag vor dem ersten Spiel der deutschen Mannschaft gegen Japan (22. 11.) hin- und Anfang Dezember zurückfliegt, zahlt knapp 1000 Euro (Economy).

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Vor Ort ist die Hotelsituation angespannt. Die Ausrichter erwarten 1,4 Millionen Besucherinnen und Besucher. "Wir können bis zu 100.000 Zimmer anbieten“, sagte Omar al-Jaber, Leiter des mit der Turnierorganisation betrauten Supreme Committee, jüngst. Weiterhin gibt es Pläne für Zeltstädte in verschiedenen Preisklassen. "Wir sollten die Menschen auch die Erfahrung der Wüste in einem Zelt in Manier der Beduinen machen lassen." Zudem gibt es zwei Kreuzfahrtschiffe am Hafen von Doha. Viele Fans übernachten in benachbarten Golfstaaten – und werden mit 160 Chartermaschinen täglich zu den Stadien in Doha geflogen. Der Fanklub der Nationalmannschaft wird seine Basis in Dubai aufschlagen.

Um die Spiele live vor Ort zu verfolgen, können Interessierte bis zum 16. August (11 Uhr) an der letzten Verkaufsphase teilnehmen. Dort gilt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Die Chancen, noch an Karten zu kommen, sind gering. Sie kosten in der günstigsten Kategorie in der Gruppenphase rund 60 Euro. Das günstigste Finalticket liegt bei 532 Euro. Wer erfolgreich Flug und Hotel gebucht sowie eine Karte erstanden hat, den erwarten in Katar knapp 30 Grad. Herausfordernd dürfte die Verkehrssituation werden. Deswegen haben mehrere Nationen, darunter das DFB-Team, ihre Unterkünfte in den Norden des Wüstenstaats verlegt, rund anderthalb Fahrtstunden entfernt von Doha.

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In der Kritik stehen unterdessen weiter die Menschenrechtslage, etwa mit Blick auf die LGBTQ-Community, sowie die Situation der Arbeiter während der Bauzeit der Arenen. Die Organisationen Amnesty International und Human Rights Watch pochen eindringlich auf die Einrichtung eines Entschädigungsfonds. Die FIFA soll dabei Zahlungen in dreistelliger Millionenhöhe an die Hinterbliebenen von verstorbenen Arbeitern zahlen. "Wir nehmen den DFB beim Wort“, sagt Wenzel Michalski, Sprecher von Human Rights Watch Deutschland, dem SPORTBUZZER, dem Sportportal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Er hofft auf weitere Unterstützung, die der neue Verbandspräsident Bernd Neuendorf beim Amtsantritt zugesagt hat, und zeigt sich zuversichtlich: "In allen Gesprächen, die wir geführt haben, spüren wir die Bereitschaft, das auch umzusetzen."