23. März 2021 / 19:44 Uhr

„Wir sind auf alles gefasst“, sagt der Luckenwalder Vereinspräsident

„Wir sind auf alles gefasst“, sagt der Luckenwalder Vereinspräsident

Sport Lucki
Märkische Allgemeine Zeitung
Dirk Heinze ist seit März 2011 Präsident des FSV 63 Luckenwalde.
Dirk Heinze ist seit März 2011 Präsident des FSV 63 Luckenwalde. © Frank Neßler
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Regionalliga Nordost: Dirk Heinze zieht Bilanz seiner zehnjährigen Amtszeit als Präsident des FSV 63 Luckenwalde.

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Dirk Heinze ist seit genau zehn Jahren Präsident des Fußball-Regionalligisten FSV 63 Luckenwalde. Im Interview spricht der 54-Jährige über emotionale und bittere Momente seiner Amtszeit, über die aktuelle Situation in der Meisterschaft sowie darüber, warum er daran denkt, in die zweite Reihe zu rücken.

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Herr Heinze, wie fällt Ihre Bilanz der letzten zehn Jahre als Präsident des FSV 63 Luckenwalde aus?

Dirk Heinze: Ich denke, dass dieser Zeitraum sehr spannend für den Verein war. Ich bin jedenfalls sehr zufrieden damit, wie sich der FSV 63 entwickelt hat. Die Strukturen und das gesamte Umfeld sind viel professioneller geworden. Auch wenn wir noch lange nicht alle unsere Ziele erreicht haben. Sehr, sehr professionell sind mittlerweile die internen Strukturen. Dies liegt vor allem an den handelnden Personen, die ich um mich herum habe. Deshalb bin ich unheimlich dankbar, dass ich mit solch tollen Leuten zusammenarbeiten kann.

Welches sportliche Ereignis aus den zurückliegenden zehn Jahren war für Sie das emotionalste?

Der erste Aufstieg in die Fußball-Regionalliga. Ich habe am Nachmittag des 20. Juni 2015 in einem Hotel auf Kreta auf einem Balkon gesessen und zusammen mit unserem Sponsor Guido Graubner die Ankunft der Mannschaft vorbereitet. Wir beide waren schon mal vorausgeflogen. Dass wir die Ankunft des Teams vorbereitet haben war allerdings nur die eine Sache. Hauptgrund war, dass ich das Relegationsrückspiel gegen den SSV Markranstädt nervlich nicht live im Stadion miterleben wollte. Unsere Mannschaft hatten die meisten nach der 0:1-Hinspielniederlage bereits abgeschrieben. Im Hotelzimmer konnten wir einen Radiosender aus Sachsen empfangen. Am Lautsprecher haben Guido Graubner und ich in Unterhosen den 4:1-Sieg unserer Mannschaft verfolgt. Das war wahnsinnig emotional.

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Und welches war der bisher bitterste Moment in Ihrer bisherigen Präsidentschaft beim FSV 63 Luckenwalde?

Den gab es gleich im ersten Jahr meiner Präsidentschaft. Im Landespokal-Halbfinale der Saison 2011/2012 sind wir als damaliger Oberligist beim späteren Pokalsieger SV Falkensee-Finkenkrug (Verbandsliga) mit 2:4 nach Elfmeterschießen ausgeschieden. Das war das Schlimmste überhaupt. Wir waren lange in Überzahl, hatten im Spielverlauf bestimmt 98 Prozent Ballbesitz und massig Chancen, aber nicht einmal haben wir das Tor getroffen. Der Ball ging an den Pfosten oder an die Latte. Das Pokal-Aus war wirklich bitter, nicht nur für mich. Ich sehe Florian Schmidt (in Luckenwalde geborener einstiger FSV-Fußballer, jetzt Chemie Leipzig, Anm.d.Red.) heute noch heulen. Es war der schlimmste Augenblick in den zehn Jahren.

Die Zeiten in der Fußball-Regionalliga Nordost sind pandemiebedingt aktuell auch nicht rosig. Ein Saisonabbruch ist derzeit wieder verstärkt in der Diskussion. Wie positioniert sich der FSV 63 dazu?

Wir werden sehen, was passiert. Momentan ist es ja so, dass was augenblicklich im Raum steht, muss kurze Zeit später schon nicht mehr wahr sein. Wir sind auf alles gefasst, haben aber auch eigene Vorschläge unterbreitet. Die Entscheidung, ob die Saison sportlich beendet wird, liegt nicht in unserer Hand. Wir müssen es akzeptieren, wie es kommt. Ich probiere mir gerade abzugewöhnen, mich darüber aufzuregen, was hierzulande passiert.

Welche Vorschläge hat der FSV 63 unterbreitet?

Uns kann es, salopp gesagt, egal sein, welche Entscheidung letztlich getroffen wird. Wichtig ist für uns, dass wir nicht mehr in irgendwelche Abstiegsgeschichten verwickelt werden. Noch sind wir ja nicht ganz durch. Wir bereiten uns nach wie vor darauf vor, dass es weiter geht.

Als Spitzenreiter der Regionalliga Nordost kann Viktoria Berlin zum Meister und Aufsteiger erklärt werden. Gönnen Sie dem Club diesen Erfolg?

Absolut, wenn ein Verein eine solche Serie hinlegt und eine so überzeugende Hinrunde spielt, dann soll er auch aufsteigen. Ich denke, mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine da.

Sie haben bereits kurz nach Ihrer Wiederwahl 2019 intern vor Ihren Vorstandskollegen angekündigt, dass es Ihre letzte Amtszeit als FSV-Präsident sein wird. Bleibt es bei diesem Entschluss?

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Ja, wenn auch zunächst andere Aspekte bei dieser Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Damals war es mehr der Gedanke an die Freizeitgestaltung. Gesundheitliche Aspekte spielten ebenfalls eine Rolle. Als Ende 50-Jähriger wollte ich schuldenfrei sein und das Leben genießen. Nun hat Corona diese Pläne durchkreuzt. Jetzt sind die Gründe, dass es vermutlich so kommen wird, andere. Ich bin Unternehmer und habe einen Reisebürobetrieb, der im Prinzip seit 13 Monaten Berufsverbot hat und deshalb auch wieder verschuldet ist. Ich muss sehen, wie sich das entwickelt. Wenn es wieder möglich ist, ein annähernd normales und vor allem planbares Leben zu führen, dann muss ich erstmal für meine Mitarbeiter da sein. Sie waren es, die mir die Zeit gegeben haben, um vernünftig das Präsidentenamt beim FSV auszuüben. Tendenziell wird es aber so kommen, dass ich als Vereinspräsident aufhören werde. Bis dahin sind es noch zwei Jahre. Die Amtsübergabe wird mit Auge vorbereitet, wir haben ja noch mehr gute Leute bei uns im Verein. Außerdem werde ich dem FSV 63 erhalten bleiben, nur nicht mehr ganz vorne stehen, denn das kostet viel Kraft.

Wo sehen Sie den FSV 63 Luckenwalde in zehn Jahren?

Es gibt weiterhin genügend Ziele, die wir als Verein in den nächsten Jahren erreichen wollen. Darauf sind alle unsere personellen Entscheidungen der zurückliegenden Monate ausgerichtet. So die Installation von Jens Neumann als Sportdirektor Nachwuchs oder die Verpflichtung von Michael Braune als Nachfolger von Cheftrainer Jan Kistenmacher. Unsere erste Männermannschaft soll in Zukunft eine gute Rolle im Tabellenmittelfeld der Regionalliga spielen. Wir wollen den einen oder anderen Großen in unserer Staffel ärgern. Und das mit Konstanz und nicht als Fahrstuhlmannschaft. Im Nachwuchsbereich haben wir ebenfalls große Anstrengungen unternommen. Mein Wunsch ist es, dass alle Großfeldmannschaften der A-, B- und C-Junioren in der Brandenburgliga bleiben. Dafür ist die gute Zusammenarbeit mit den Schulen wichtig. Zielführend ist, Internatsplätze zu schaffen. Der Anteil der Fußballer, die bei uns im Verein ausgebildet und dann in der ersten Mannschaft spielen, soll größer werden. Dies ist wichtig für die Identifikation in der Region.