20. April 2021 / 16:54 Uhr

"Wir ziehen vor das Sportgericht": So geht der Rechtsstreit des BSC Süd 05 mit dem NOFV weiter

"Wir ziehen vor das Sportgericht": So geht der Rechtsstreit des BSC Süd 05 mit dem NOFV weiter

Marcus Alert
Märkische Allgemeine Zeitung
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Das könnte der vorerst letzte Oberliga-Kader des BSC Süd 05 gewesen sein. Doch noch kämpft der Verein gegen den Abstieg. © Marcus Alert
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NOFV-Oberliga Nord: Der Brandenburger SC Süd 05 will um seinen Verbleib in der Fünftklassigkeit kämpfen und hat sich mit dem FSV Wacker Nordhausen einen weiteren Oberliga-Absteiger an seine Seite geholt.

Der BSC Süd 05 wird gegen den am Freitag gefassten Ab- und Aufstiegsbeschluss des Nordostdeutschen Fußballverbandes klagen. „Wir ziehen wegen des Beschlusses des Präsidiums des NOFV, uns absteigen zu lassen, vor das Sportgericht“, informiert der Präsident des BSC Süd 05 Peter Janeck. Mit im Boot ist der FSV Wacker Nordhausen, der nach nicht einmal einem Drittel der Saison aus der Süd-Staffel absteigen soll. Auch der FC Carl Zeiss Jena II, als dritte Mannschaft betroffen, überlegt, sich der Klage anzuschließen. Und der Bischofswerdaer FV 08, der als Tabellenletzter aus der Regionalliga absteigen soll, prüft, ob man ebenfalls den Klageweg einschlagen sollte. In Bischofswerda ist man der Meinung, dass eigentlich der Berliner AK wegen Verstoßes gegen Auflagen absteigen müsste.

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Der NOFV hat am Freitag nicht nur den längst überfälligen Beschluss über den Abbruch der Saison gefasst, sondern auch weitgehend überraschend eine Wertung der Spielzeit vorgenommen. Dabei berief sich der Verband auf den im Sommer in die Spielordnung eingefügten Paragrafen, dass bei höherer Gewalt oder nicht vorhersehbarer und nicht beeinflussbarer Ereignisse die nicht zu Ende geführte Saison gewertet werden soll. In dem Paragrafen wurde jedoch kein Spieltag-Minimum festgelegt.

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So steigt der BSC Süd 05 mit nur neun von 32 Spielen aus der Oberliga ab und der MSV Neuruppin mit sogar nur sieben Spielen aus der Brandenburgliga in die Oberliga auf. „Wenn in der nächsten Saison nur zwei Spieltage stattfinden, würde also diese Regel auch gelten“, zeigt sich Süd-Trainer Mario Block entrüstet. Knackpunkt des Votums war offensichtlich die Forderung aller Oberliga-Mannschaften, nur maximal 18er-Staffeln zu haben. Bei zwei Aufsteigern und vier Absteigern würde man auf 28 Teams kommen. Mit den sechs Aufsteigern aus den Landesverbänden würden in der Saison 2021/22 somit 17 Teams pro Staffel die Saison in Angriff nehmen. Mit Bischofswerda könnten es in einer Staffel auch 18 Mannschaften werden.

„Wir haben die Sportgerichtsgebühren eingezahlt und warten nun die Verhandlung ab“, so Peter Janeck. Man müsse nun einmal den langwierigen Rechtsweg einhalten. Das koste zwar Zeit, sei aber Bedingung, um am Ende vor ein ziviles Gericht ziehen zu können. Große Hoffnung auf einen Erfolg vor dem NOFV-Verbandsgericht hat BSC-Präsident Janeck allerdings nicht. „Da sitzen zum Teil Männer drin, die an dem Beschluss beteiligt waren“, meint Peter Janeck.

Kanzlei Schickhardt vertritt den BSC Süd 05

Der BSC-Präsident hatte sich sofort nach der Entscheidung des Spielausschusses die Dienste einer namhaften Anwaltskanzlei gesichert. Die auf Sportrecht spezialisierte Kanzlei Schickhardt hatte so bereits im Vorfeld der Entscheidung eine rechtliche Stellungnahme an das NOFV-Präsidium geschickt, die aber offensichtlich wirkungslos blieb. Die Kanzlei des wohl bekanntesten deutschen Sportanwalts Christoph Schickhardt hat in der Vergangenheit schon Fußballclubs wie Hertha BSC, VfL Wolfsburg oder Eintracht Frankfurt vertreten. Bei gut 800 Fällen des DFB-Sportgerichtes saß sie mit am Tisch. Schickhardt ist auch Anwalt von Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp. Und nun vertritt sie den BSC Süd 05 und den FSV Wacker Nordhausen.

SPORTBUZZER-Kommentar von Marcus Alert: "Keine Fairness"

Mit sportlicher Fairness hat eine Auf- und Abstiegsregelung, die auf sieben, acht oder neun von 32 Spieltagen beruht, rein nichts zu tun. Die Damen und Herren des NOFV-Präsidiums stehen mit ihrer Entscheidung in Deutschland ziemlich einsam da. Kardinalfehler ist, dass man im Sommer zwar die Möglichkeit einer Wertung, aber keine Minimalanzahl an Spieltagen in der Spielordnung festgeschrieben hat. Das rächt sich jetzt. Verlierer sind so oder so die betroffenen Vereine, die am Ende vielleicht gewinnen, aber viel Geld und ehrenamtliche Kraft in den Vorgang stecken müssen. Und sollten am Ende doch der BSC Süd 05, Wacker Nordhausen und Carl Zeiss Jena II mit ihrer Klage Erfolg haben, dann würden die Ligen auch über die magische Zahl 18 anwachsen.