11. Februar 2021 / 18:51 Uhr

Wird André-Pierre Gignac zum Bayern-Schreck? So tickt der Rekord-Torschütze der Tigres

Wird André-Pierre Gignac zum Bayern-Schreck? So tickt der Rekord-Torschütze der Tigres

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
André Gignac spielt bei Bayern-Gegner Tigres die Hauptrolle.
André Gignac spielt bei Bayern-Gegner Tigres die Hauptrolle. © imago images/ZUMA Wire (Montage)
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Der mexikanische Überraschungsklub Tigres UANL ist für den FC Bayern die letzte Hürde auf dem Weg zum Titelgewinn bei der Klub-WM. Der Rekordmeister muss im Finale ganz besonders auf André-Pierre Gignac achten. Der Franzose ist nicht nur einer der wenigen auch in Europa bekannten Tigres-Profis, sondern in Mexiko eine echte Sturm-Ikone.

Das Finale der Klub-WM zwischen dem FC Bayern München und dem mexikanischen Spitzenklub Tigres UANL am Donnerstagabend (19 Uhr, live und kostenlos auf bild.de) schickt sich an, zu einem Privatduell zweier außergewöhnlicher Torjäger zu werden: Weltfußballer und Bayern-Knipser Robert Lewandowski auf der einen und der französische Sturmtank André-Pierre Gignac auf der anderen Seite, der aktuell die Torschützenliste anführt. Ohne sie geht bei ihren Klubs nichts. Beide stehen natürlich in der Startelf.

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Die Rolle von Lewandowski, derzeit der wohl bester Stürmer auf dem Planeten, ist hinlänglich dokumentiert. Sein Gegenüber ist für die Überraschungsmannschaft aus Lateinamerika vielleicht noch wichtiger als "Lewy" für den FCB – denn ohne Gignacs Treffer wäre Tigres nie bis ins Endspiel vorgestoßen. Bei der Klub-WM gehen sämtliche Tore seiner Mannschaft auf sein Konto: Doppelpack im Viertelfinale gegen Ulsan, Siegtreffer gegen Südamerika-Meister Palmeiras in der Runde der letzten Vier. Dazu war der Franzose Matchwinner beim ersten Titelgewinn der Mannschaft im Finale der nord- und mittelamerikanischen Champions League im Dezember. Gignac ist Talisman und Torjäger des Klubs aus San Nicolás de los Garza, einem Vorort von Monterrey – und das mit 35 Jahren.

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Der bullige Stürmer, von allen nur "Dédé" genannt, hat ein bewegtes Fußballerleben hinter sich, das seinen Höhepunkt im Finale der Europameisterschaft 2016 hätte haben können. Kurz vor Ende der regulären Spielzeit verhinderte der Pfosten sein Tor zum 1:0 für Frankreich gegen Portugal, das letztlich nach Verlängerung gewann. Zu Tigres war er ein Jahr zuvor zur Überraschung aller gewechselt und hatte im Alter von 29 Jahren den unorthodoxen Schritt ins fußballerische Neuland gewagt. Es hat sich ausgezahlt: Die Fans lieben „El Bombón“ (die Praline) seit über sechs Jahren wie keinen zweiten. Gignac fand nicht nur die gesuchte neue Herausforderung, sondern ein Zuhause. „Tigres steht zu dir in guten wie in schlechten Zeiten“, sagte er kürzlich. „Ab der ersten Minute hören sie nicht mehr auf zu singen. Die Leidenschaft ist unglaublich.“

Vor seinem Transfer nach Übersee gehörte er über viele Jahre zu den besten Stürmern Europas, glänzte als Torschützenkönig beim FC Toulouse und später bei seinem Herzverein Olympique Marseille. Allein in seiner letzten OM-Saison traf er 23-mal und musste sich im Kampf um die Torjägerkanone nur Lyons Alexandre Lacazette geschlagen geben. Neben seiner Treffsicherheit („Ruud van Nistelrooy war mein Lieblingsstürmer“) sorgte er immer wieder auch wegen seiner stämmigen Statur für Schlagzeilen. Von gegnerischen Fans wurde er mit dem Slogan „Ein Big Mac Für Gignac“ verspottet, der damalige OM-Trainer Didier Deschamps soll ihn zum Abnehmen sogar in ein Camp nach Norditalien geschickt haben. Gignac nahm es ihm nicht übel, nennt den Weltmeister, der ihn später in die Nationalelf zurückholte, inzwischen seinen Lieblingstrainer.

Nur das scharfe Essen macht Gignac Probleme

2015 kehrte er Marseille den Rücken und machte auf fremdem Kontinent dort weiter, wo er in Frankreich aufgehört hatte: Schon in seinem zweiten Spiel schoss Gignac Los Tigres ins Finale der Copa Libertadores, später gelang ihm auch ein Treffer im Clásico Regiomontano, dem Derby mit dem Erzrivalen CF Monterrey. So erobert man Herzen – auch wenn die Liebe nicht durch den Magen geht: Ausgerechnet die berühmte mexikanische Küche macht ihm Probleme. „Ich vertrage kein scharfes Essen“, sagte Gignac. „Wenn Mexikaner dir sagen, dass das Essen nicht scharf ist, ist es schon sehr scharf. Wenn sie sagen es ist leicht scharf, kannst du das wirklich nicht mehr essen…“

Sportlich indes hätte der Wechsel kaum besser laufen können. Mit 147 Tore in 246 Spielen ist der kopfballstarke Gignac mittlerweile Rekordtorschütze seines Klubs, er führte seine Mannschaft zwischen 2015 und 2019 in der zweigeteilten mexikanischen Meisterschaft zu fünf Titeln und besagtem Triumph in der CONCACAF Champions League 2020 – als Torschützenkönig. Nun soll der erste Titel eines nord- oder mittelamerikanischen Teams bei der Klub-WM her. Gignac könnte sich im Privatduell der Goalgetter überdies ausgerechnet vor dem bislang zweimal erfolgreichen Lewandowski die Auszeichnung als bester Torschütze des Turniers sichern…