23. Juni 2020 / 18:22 Uhr

Wird RB Leipzig von den Schiedsrichtern benachteiligt?

Wird RB Leipzig von den Schiedsrichtern benachteiligt?

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
LEPIZIG,GERMANY,17.JUN.20 - SOCCER - 1. DFL, 1. Deutsche Bundesliga, RasenBallsport Leipzig vs Fortuna Duesseldorf. Image shows Valon Berisha (Duesseldorf) and Christopher Nkunku (RB Leipzig). Photo: GEPA pictures/ Roger Petzsche/ Picture Point/ POOL via Pictures Point - ATTENTION - COPYRIGHT FOR AUSTRIAN CLIENTS ONLY - DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video - Editorial Use ONLY - For editorial use only. Image is free of charge.
Auch Schiedsrichter Manuel Gräfe ist nur ein Mensch, der mal einen Fehler macht. © GEPA pictures
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Schiedsrichter Manuel Gräfe musste beim 2:2 von RB Leipzig gegen Fortuna Düsseldorf zwei besonders strittige Spielszenen beurteilen – er entschied zweimal gegen RB Leipzig. Ein RB-Fan vermutet dahinter ein System. Wird der einzige ostdeutsche Champions-League-Teilnehmer von den Unparteiischen unfair behandelt?

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Leipzig. Schiedsrichterentscheidungen erhitzen die Gemüter seitdem es Schiedsrichter gibt. RB-Fan Maik Sörgel aus Markranstädt schrieb der LVZ eine Mail, in der er sich über die Leistung von Manuel Gräfe (46) beim 2:2 der Rasenballer gegen Fortuna Düsseldorf beschwerte. Ein nicht gegebener Elfer an Kevin Kampl und ein Foul an Dayot Upamecano Sekunden vor dem 1:2 brachten Sörgel und seine Fußballkumpels aus „Markrans“ auf die Palme. Auch Trainer Julian Nagelsmann sprach von „zwei klaren Fehlentscheidungen“.

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RB Leipzig kann den Heimfluch einfach nicht beenden: Gegen Abstiegskandidat Fortuna Düsseldorf reichte dem Team von Trainer Julian Nagelsmann eine 2:0-Führung nicht zum Sieg. Zwei späte Gegentreffer der Fortunen ließen den Traum von der vorzeitigen Champions League-Qualifikation platzen. Zur Galerie
RB Leipzig kann den Heimfluch einfach nicht beenden: Gegen Abstiegskandidat Fortuna Düsseldorf reichte dem Team von Trainer Julian Nagelsmann eine 2:0-Führung nicht zum Sieg. Zwei späte Gegentreffer der Fortunen ließen den Traum von der vorzeitigen Champions League-Qualifikation platzen. ©

Schon in der Hinrunde hatte der langjährige FIFA-Referee beim 1:3 der Nagelsmann-Elf gegen Schalke einen aus Sörgels Sicht unberechtigten Strafstoß gegeben. Der RB-Fan fordert, dass Gräfe „nicht wieder so schnell ein Spiel von RB Leipzig pfeift“. Er vermutet sogar eine grundsätzliche Benachteiligung, weil RBL eine Ostmannschaft ist.

Daten sprechen nicht für Benachteiligung

Zumindest der Blick auf die gegebenen Elfmeter seit 2016, dem ersten Jahr von RB Leipzig in der Fußball-Bundesliga, erhärtet diesen Vorwurf nicht. Im Durchschnitt zeigten die Schiedsrichter 5,25 Mal pro Saison für RB auf den Punkt. Häufiger als Borussia Dortmund (4,75) und etwas weniger als Bayern München und Bayer Leverkusen (je 5,5). Aus den Top Fünf der aktuellen Tabelle bekam Borussia Mönchengladbach mit 6,0 die meisten Strafstöße zugesprochen.

Auch anhand der Daten von „Wahre Tabelle“ lässt sich keine Benachteiligung ablesen. Bei dem Online-Portal klopft ein elfköpfiges Kompetenzteam jedes Bundesligaspiel nach Schiri-Fehlern ab und korrigiert daraufhin Ergebnisse und Rangliste. In der laufenden Saison wurde RB ein Tor geschenkt und eins „gestohlen“. Zwei Punkte gingen der Nagelsmann-Elf so durch die Lappen. Gladbach verlor durch Fehlentscheidungen drei Zähler, Bayern und Dortmund gewannen je einen. Am meisten profitierten Wolfsburg (+7 Punkte), Düsseldorf (+4) und Schalke (+3) von falschen Pfiffen.

Und wie es sah es in den Vorjahren aus? 2018/19 und 2017/18 hätte RB in der wahren Tabelle jeweils die gleiche Punktzahl geholt wie in der offiziellen DFL-Tabelle. Im ersten Jahr im deutschen Oberhaus bekam der Aufsteiger sogar zwei Punkte „geschenkt“. Macht in vier Jahren plus minus null.

Gräfe entschied mal für, mal gegen RB

Was nicht widerlegt, dass einzelne Schiedsrichter einen bestimmten Klub bewusst oder unbewusst benachteiligen könnten. Wie sieht es im Fall Manuel Gräfe und RB Leipzig aus? Laut Online-Portal „transfermarkt.de“ pfiff der Berliner seit 2010 zwölf Partien mit Beteiligung der Sachsen. Er gab zwei Elfer für RB, zwei für die Gegnern, zeigte den Leipzigern null Platzverweise, den Gegnern einen. Bei den gelben Karten (RB: 15, Gegner: 26) zeigt sich ein klares Ungleichgewicht – zum Vorteil von RB.

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Aber richtig ist auch: Das nicht gegebene Foul an Dayot Upamecano vor dem Düsseldorfer 1:2-Anschlusstreffer war eine klare Fehlentscheidung Gräfes. Sahen auch die Macher von „Wahre Tabelle“ so. In ihrer Zählweise hätte RB das Spiel 2:1 gewonnen. Beim vermeintlichen Foul an Kevin Kampl – Fortuna-Keeper Florian Kastenmeier hatte den Slowenen im Strafraum abgeräumt, aber auch den Ball gespielt – fiel das Votum mit 6:5 hauchdünn gegen eine Fehlentscheidung aus. Und Gräfes Elferpfiff für Schalke in der Hinrunde? Der Berliner Referee hatte zunächst weiterspielen lassen und die Szene erst nach Intervention des Videoschiedsrichters noch einmal betrachtet. Dann zeigte er auf den Punkt. Eine absolut vertretbare Entscheidung, die auch vom „Wahre Tabelle“-Team mit 11:0 Stimmen abgenickt wurde. In den Vorjahren entschied Gräfe in strittigen Szenen übrigens mal für, mal gegen RB.

Fazit: Eine systematische Benachteiligung von RB Leipzig lässt sich anhand der Zahlenlage nicht nachweisen. Und Schiedsrichter Manuel Gräfe scheint wie jeder Spieler, Trainer und Mensch auch mal einen schlechten Tag zu erwischen.