07. September 2021 / 17:48 Uhr

Wirtschaftlich und emotional: Das bedeutet die Fan-Rückkehr für die Grizzlys Wolfsburg

Wirtschaftlich und emotional: Das bedeutet die Fan-Rückkehr für die Grizzlys Wolfsburg

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Vor Zuschauern jubelt es sich am besten: Aber die Fan-Rückkehr hat für die Grizzlys Wolfsburg nicht nur Vorteile was die Emotionen angeht.
Vor Zuschauern jubelt es sich am besten: Aber die Fan-Rückkehr hat für die Grizzlys Wolfsburg nicht nur Vorteile was die Emotionen angeht. © Boris Baschin
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Die Fan-Rückkehr beeinflusst die Arbeit bei den Grizzlys Wolfsburg in vielerlei Hinsicht. Sie ist maßgebend für wirtschaftliche Faktoren neben und pure Emotionen auf dem Eis beim deutschen Vizemeister.

Im vergangenen Jahr waren die Fragen deutlich existenzieller für die Grizzlys Wolfsburg in der Saisonvorbereitung: Wird überhaupt gespielt? Wenn ja, wann? Und geht das überhaupt ohne Fans? Beim Eishockey-Erstligisten sind Manager Charly Fliegauf und Finanzchef Hartmut Rickel daher sehr froh, dass die Planung der anstehenden Saison leichter war - wenngleich auch nicht leicht. Die Rückkehr der Fans hat dabei eine extrem wichtige Bedeutung. Für das Geschehen auf und besonders neben dem Eis.

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"Wir haben lange nicht gewusst, wo die Reise hingeht im letzten Jahr, das war ein großer Unterschied", sagt Fliegauf. Klar war nun: Saisonstart ist im September, Start ist mit Fans. Aber wie lange dürfen Zuschauer in die Eis-Hallen? Die für den Heimauftakt gegen die Krefeld Pinguine (Sonntag, 16.30 Uhr) genehmigten maximal 2000 Zuschauer sind keine garantierte Konstante für die Spielzeit. "Wir kalkulieren mit 20 Prozent der Zuschauereinnahmen der letzten Saisons", sagt Rickel.

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Angesichts des Saisonstarts mit mehr zugelassenen Fans als zuvor ist der Finanzchef "optimistisch", dass diese Planung hinhauen kann. "Es kommen auch mehr Hygienemaßnahmen auf uns zu. Es ist alles durchgeplant und durchkalkuliert. Ich bin auch vorsichtig optimistisch, dass wir die Saison aus finanzieller Sicht solide überstehen." Wichtig zudem: "Alle Sponsoren sind bei der Stange geblieben", betont Fliegauf. Und viele Vertragsinhalte, die an Zuschauer gebunden sind, konnten die Grizzlys in der vergangenen Spielzeit nicht einhalten, das ist nun anders. Rickel erklärt: "Dass Zuschauer in die Halle kommen, hat auch viele indirekte Effekte, dabei geht es nicht nur um die Ticket-Einnahmen."

An den Preisen mussten die Wolfsburger aber trotzdem schrauben (Normalpreise: 26 bis 28 Euro pro Spiel, 510 bis 549 Euro pro Dauerkarte, vorerst keine Stehplätze). Tickets werden teurer zur kommenden Saison, das liegt vor allem an dem erhöhten Personalaufwand im Hygienekonzept. "Wir wollen auf einer Seite einen gewissen Standard bieten, der kostet nun mal Geld", sagt Fliegauf und betont: "Wir haben das schon human kalkuliert, was wir an Kosten an die Zuschauer weitergeben können. Wir sind im Liga-Vergleich immer noch günstig, da müssen wir uns nicht schämen." Ein möglichst sicheres Stadion-Erlebnis stehe im Vordergrund, so die Grizzlys-Bosse.

Auf dem Eis wird sich durch die Zuschauer einiges ändern, da sind sich alle sicher. "Man hat sich schon ein bisschen daran gewöhnt, dass niemand im Stadion ist, das wird eine neue Situation", gibt der Manager zu. Aber, klar ist: "Eishockey ohne Fans braucht kein Mensch." Das sieht auch Rickel so. "Das ist fürs Fernsehen nicht unwichtig. Emotionen müssen sein, auch mal der berühmte Mittelfinger", sagt er mit einem Schmunzeln. Fliegauf: "Das Wichtigste, das wir schaffen müssen, ist dass die Fans auch wieder in die Halle kommen." Beim Test gegen Berlin waren es rund 900, obwohl 1300 zugelassen waren. Die Grizzlys-Chefs gehen auch erst mal bei einem Maximum von 2000 nicht von einer vollen Halle aus. Aber, so Fliegauf: "Wir wünschen uns möglichst viele Fans im Stadion. Wir wollen mit einem Start und guten Leistungen unseren Teil dazu beitragen."

"Eishockey mit Fans ist besser. Punkt. Aus."

Auch aus Sicht der Spieler und Trainer hat sich durch die Abwesenheit der Fans einiges geändert. "Im letzten Jahr warst du einfach nur froh, dass gespielt wurde, dafür wurden an viele Stellen jeden Menge Opfer gebracht", sagt Grizzlys-Kapitän Sebastian Furchner, der sich schon wahnsinnig darauf freut, wieder vor Zuschauern spielen zu dürfen. "Im Play-Off-Spiel gegen Bremerhaven wäre normalerweise die Decke weggeflogen. Auch im Finale gegen Berlin: Du weißt, was eigentlich los sein würde - und dann war nichts los."


Eishockey sei durch diese fehlenden Emotionen von außen anders gewesen, sagt das Wolfsburger Urgestein und ergänzt mit einem Schmunzeln: "Das sind die Situationen, die du haben willst: Du schießt auswärts ein Tor, alle pfeifen und du fährst lachend an denen vorbei." Das könne Vorteil und Nachteil zugleich sein, "aber das sind die Emotionen, von denen der Sport lebt, dieses Kitzeln wieder zurückzubekommen, das wäre sehr schön".

Aber ist das Coaching ohne laute Fans nicht etwas leichter von der Bank aus? "Nein", antwortet Coach Mike Stewart klar. "Spieler sind wie Rennpferde", sagt er und grinst. "Wenn Energie in der Halle ist, merken sie das und man merkt, mit welcher Intensität sie plötzlich spielen." Deshalb steht für ihn fest: "Es ist unglaublich, wie die Spieler aufs Publikum reagieren. Eishockey mit Fans ist besser. Punkt. Aus."