22. Januar 2021 / 19:15 Uhr

Von Wirtz bis Union, von Reus bis Hertha: Die 5 Tops und Flops der Bundesliga-Hinrunde

Von Wirtz bis Union, von Reus bis Hertha: Die 5 Tops und Flops der Bundesliga-Hinrunde

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Während Leverkusens Florian Wirtz und Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg zu den positiven Überraschungen der Bundesliga gehörten, blieben BVB-Kapitän Marco Reus und die Berliner um Manager Michael Preetz und Trainer Bruno Labbadia hinter den Erwartungen zurück.
Während Leverkusens Florian Wirtz und Oliver Glasner vom VfL Wolfsburg zu den positiven Überraschungen der Bundesliga gehörten, blieben BVB-Kapitän Marco Reus und die Berliner um Manager Michael Preetz und Trainer Bruno Labbadia hinter den Erwartungen zurück. © imago images/Getty/Montage
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Underdog Union Berlin trumpft auf, "Big City Club" Hertha BSC enttäuscht: Nicht nur die Bundeshauptstadt überraschte in der ersten Hälfte der Bundesliga-Saison mit fußballerisch unbekannten Konstellationen. Auch sonst hielt die Liga bisher positive Überraschungen und herbe Enttäuschungen bereit. Ein Überblick über die Tops und Flops zur Halbzeit der Saison.

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Die Bundesliga-Hinrunde ist beendet - sie wartete mit einigen krassen Überraschungen auf. Ja, der FC Bayern München führt die Tabelle eindeutig an. Ja, im Kampf um die nächsten Plätze tummeln sich mit RB Leipzig, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund die üblichen Verdächtigen. Aber wer hätte damit gerechnet, dass der Rekordmeister sich über weite Strecken so verwundbar zeigt? Wer hätte glaubt, dass der BVB so sehr schwächelt, dass mit Lucien Favre sogar der Trainer gehen muss? Und dass Schalke 04 in 17 Spielen nur sieben Pünktchen holt und akut abstiegsbedroht ist? Nicht die einzigen Brennpunkte der ersten Bundesliga-Saisonhälfte: Der SPORTBUZZER hat die fünf Tops und Flops der Hinrunde zusammengetragen.

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Die Tops:

Robert Lewandowski und Manuel Neuer

Während die Bayern stärker als in den Vorjahren verwundbar wirkten, retteten zwei Spieler dem Meister immer wieder den Kragen - und sorgten mit für eine klare "Hinrunden-Meisterschaft". Robert Lewandowski untermauerte seine Stellung als Weltfußballer, er schoss 22 Liga-Tore und stellte einen neuen Rekord für die erste Saisonhälfte auf. Der Pole hat längst den Ligabestwert von Gerd Müller mit 40 Toren aus 1971/72 im Visier. Und Manuel Neuer? Der behielt immer wieder in brenzligen Situationen die Ruhe und lieferte beständig Weltklasse-Paraden ab.

Florian Wirtz

Kann Bayer ohne Kai Havertz und Kevin Volland bestehen? Diese berechtigte Frage stellten viele Experten nach dem Verlust der beiden Leistungsträger im Sommer. Florian Wirtz beantwortete sie mit einem klaren "Ja!" und entwickelte sich in einer stabilen Bayer-Elf zum Shootingstar. Dem 17-Jährigen gelang unter Peter Bosz scheinbar mühelos der Sprung zum Bundesliga-Star. Drei Tore - darunter der Siegtreffer gegen den BVB - und fünf Vorlagen sprechen eine eindeutige Sprache. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch Bundestrainer Joachim Löw das Supertalent erstmals nominiert.

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1. FC Union Berlin

Von wegen verflixtes zweites Jahr: Die Köpenicker stehen nach Abschluss der Hinrunde besser da als die meisten Fans und Verantwortlichen sich das vermutlich erträumt hätten - als starker Sechster. Auch ohne die langzeitverletzten Stürmer Max Kruse und Joel Pohjanpalo schaffte es der Hauptstadtklub nach Abschluss der ersten Saisonhälfte auf einen sehr respektablen sechsten Platz. Besondere Highlights der Mannschaft des umsichtigen Trainers Urs Fischer waren die Siege gegen die Titelaspiranten Dortmund (2:1) und Leverkusen (1:0).


Sven Mislintat und die Stuttgart-Offensive

Silas Wamangituka, Tanguy Coulibaly, Sasa Kalajdzic und Nicolas Gonzalez - Spieler, die vor einem Jahr nur Experten kannten, haben sich beim VfB zu aufregenden Stars der Zukunft entwickelt und dafür gesorgt, dass der Aufsteiger mit 32 Toren nach Bayern (49) und Dortmund (33) die drittbeste Offensive der Liga hat. Dass die Youngster allesamt einschlugen, ist vor allem Sportdirektor Sven Mislintat anzurechnen, der das Gros der VfB-Mannschaft bereits in der 2. Liga zusammenstellte und einige der Spieler bald wohl für viel Geld verkaufen kann.

Oliver Glasner

Was war das nur für ein Terz, der in Wolfsburg Anfang November aufkam: Trainer Oliver Glasner und Sportchef Jörg Schmadtke gerieten in Transfer-Fragen öffentlich aneinander, der Abschied des Coaches erschien nach kritischen Worten über die Wechselpolitik und dem Aus in der Europa-League-Qualifikation unausweichlich. Bei einem klärenden Gespräch rauften sich beide Parteien zusammen - Glasner hat die in den Vorjahren unkonstanten Wölfe in einer fast blitzsauberen Hinrunde zu Aspiranten auf die Champions League geformt. Eindrucksvoller Turnaround.

Die Flops:

Marco Reus

Von einem Kapitän erwartet man, dass er in schwierigen Situationen vorangeht. Beim eigentlich doch so genialen Marco Reus gewinnt man indes oft den Eindruck, er sei eher ein Teil des Problems als der Lösung. In einer schwachen Hinrunde von Borussia Dortmund glänzte der 31-Jährige nur selten so wie beim 3:1 gegen Leipzig, als ihm zwei Torvorlagen gelangen. Zu oft war Reus nur ein Schatten früherer Tage, schwamm mit, statt voran zu gehen. Tiefpunkt: Beim 1:1 gegen Kellerkind Mainz verballerte er einen Elfmeter zum Sieg. Es war bisher nicht seine Saison.

Michael Preetz und Bruno Labbadia

Der im April mitten in der Corona-Pause installierte Bruno Labbadia sollte den Berlinern nach dem "Big-City-Club"-Fiasko um Jürgen Klinsmann und dem Intermezzo von Alex Nouri dringend benötigte Stabilität verleihen. Der Plan von Manager Michael Preetz gelang nicht wirklich: Hertha schlingerte auch in der neuen Saison bedenklich, spielte eine enttäuschende Hinrunde. Der Kader bleibt Stückwerk, Labbadia ist längst ein Trainer auf Abruf im Schleudersitz Olympiastadion. Er braucht jetzt Siege, während im Hintergrund schon der Name Ralf Rangnick kursiert.

Jochen Schneider

Der Sportvorstand ist das Gesicht der beispiellosen Schalker Krise mit nur sieben Punkten aus 17 Partien. Er installierte nach David Wagner, Manuel Baum und Huub Stevens mit Christian Gross bereits Trainer Nummer vier und verantwortete eine unausgewogene Kaderplanung. S04 braucht nach der Niederlage gegen Köln beinahe ein Wunder, um den ersten Abstieg seit 1988 zu vermeiden. Kaum verwunderlich, dass er nach weniger als zwei Jahren als S04-Boss schon wieder unter Beschuss steht. Erste Gerüchte über eine baldige Ablösung gab es schon.

Achim Beierlorzer und Adam Szalai

Bei den heftig kriselnden Mainzern ist mit Bo Svensson seit Jahresbeginn ein neuer Trainer im Amt. Fast vergessen könnte man, dass im Sommer noch Achim Beierlorzer Coach der Rheinhessen war. Der Anfang vom Ende kam für ihn mit der Suspendierung von Stürmer Adam Szalai, die in einem Eklat samt Spielerstreik endete. Fünf Tage später wurde der Trainer entlassen. Auch für Szalai wirkte sich das Solidaritätsbekenntnis nicht positiv aus: Er blieb unter Beierlorzers Erben ohne Einsatz, kehrte erst unter Svensson zurück - als torlose Teilzeitkraft.

Die Bayern-Defensive

25 Gegentore hat die Hintermannschaft des Rekordmeisters trotz der souveränen Tabellenführung in den ersten 17 Spielen kassiert - und das auf teilweise haarsträubende und oft ähnliche Art und Weise mit langen Bällen gegen die weit aufgerückte Defensive. Trainer Hansi Flick fand lange kein Mittel, lediglich drei Mal konnte der meistens schuldlose Welttorhüter Manuel Neuer ohne Gegentor bleiben. Dass die Bayern bisher mehr Gegentore kassierten als Abstiegskandidat Arminia Bielefeld (24), dürfte zu den größten Kuriositäten der Saison zählen.