11. Januar 2021 / 17:37 Uhr

Wittneben erlitt 13 Knochenbrüche, aber Handballspielen geht wieder

Wittneben erlitt 13 Knochenbrüche, aber Handballspielen geht wieder

Jürgen Hansen
Peiner Allgemeine Zeitung
Trainer Marco Wittneben in Aktion. Vergangene Saison führte er die Jahnerinnen zur Oberliga-Meisterschaft.
Trainer Marco Wittneben in Aktion. Vergangene Saison führte er die Jahnerinnen zur Oberliga-Meisterschaft. © Isabell Massel
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Nach einem Autounfall war unklar, ob Marco Witneben wieder Handball spielen kann. Inzwischen ist nach 13 Knochenbrüchen klar: Es geht! Der Trainer der Oberliga-Handballerinnen des MTV Vater Jahn Peine darf zwar in diesem Team nicht mitspielen, ist aber vom Klassenerhalt überzeugt.

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Spät angefangen, früh aller Ambitionen beraubt: Marco Wittneben, Trainer von Vater Jahns Oberliga-Handballerinnen, stieg erst im C-Jugend-Alter in seine Lieblings-Sportart ein. Doch schon mit Mitte 20 war die Zeit als aktiver Handballer praktisch vorbei. Denn die Nachwirkungen eines schweren Autounfalls setzten ihn jahrelang außer Gefecht. Wittneben ließ sich davon jedoch nicht kleinkriegen, blieb dran und konzentrierte sich aufs Trainer-Dasein.

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Als Kind hatte Marco Wittneben mit Handball nichts am Hut, in der Freizeit stand Judo im Mittelpunkt. Das änderte sich, als er mit seinen Eltern von Braunschweig nach Salzgitter-Thiede zog. Dort vollzog der 13-Jährige einen Wechsel. „Klassenkameraden nahmen mich mit zum Training bei Viktoria Thiede. Es gefiel mir gut und ich wurde als Handballer recht schnell besser“, erinnert sich der 40-Jährige, der vornehmlich als Kreisläufer beziehungsweise Linksaußen eingesetzt wurde.

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Nur wenige Jahre nach seinem Einstieg fand er bereits Gefallen daran, als Trainer aktiv zu sein. So nahm er die Viktoria-E-Jugend unter seine Fittiche, begleitete sie bis ins Herrenalter. Wittneben selbst wechselte nach seiner A-Jugend-Zeit zum HC Braunschweig, spielte bei diesem Verein vier Jahre auf Kreisebene, ehe ihn ein einschneidendes Erlebnis ereilte.

„Ich hatte an Beinen und Armen 13 Knochenbrüche und die Strecksehne meiner rechten Hand war gerissen. Es stand lange in Frage, ob ich überhaupt jemals wieder einen Ball anfassen kann“, zählt der Fertigungsanlagen-Planer die Folgen seines Autounfalls auf. Träume in Sachen Sportler-Karriere zerstörte das Unglück jedoch keine. „Ich hatte nie großen Ehrgeiz, es war früh klar, dass mein Können für höhere Klassen nicht reicht. Für mich war es zum damaligen Zeitpunkt wichtig, überhaupt wieder mit Handball anzufangen“, betont der Rethener.

Und tatsächlich: Seine Verletzungen beziehungsweise Brüche verheilten so gut, dass später wieder Handballspielen „aus Spaß an der Freud“ drin lag. Dabei verschlug es ihn nachfolgend zu den Vereinen SG Sickte/Schandelah und Lehndorfer TSV, bei denen er parallel Jugend- und Damenmannschaften trainierte.

2017 landete der Familienvater beim MTV Braunschweig und trainierte zwei Serien lang die Landesliga-Handballerinnen. „Und ich selbst spielte nebenbei in der 5. Herren zusammen mit alten Kumpels. Das ist heute noch so, es macht viel Spaß“, betont der B-Lizenz-Inhaber, bei dem 2019 die Handballabteilung von Vater Jahn Peine anfragte, ob er die Oberliga-Damen übernehmen möchte. „Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, keine Damenmannschaften mehr zu trainieren. Und mir lag zum damaligen Zeitpunkt das Angebot vor, Trainer der Regionsoberliga-Herren von Viktoria Thiede zu werden“, erläutert Wittneben den Zwiespalt, vor dem er vor zwei Jahren im Frühsommer stand.

„Meine Entscheidung fiel letztlich für Vater Jahn aus, weil mich die hohe Klasse reizte. Außerdem war mir die Mannschaft kein komplettes Neuland. Ich kannte Spielerinnen wie Jennifer Hüsing oder Nina Eggeling von früher.“ Seinen Entschluss bereut er bis heute nicht – auch wenn sein Team derzeit mit 0:6-Punkten an vorletzter Stelle rangiert. „Sollte die Saison wieder angepfiffen werden, schaffen wir auf alle Fälle den Klassenerhalt“, ist Wittneben zuversichtlich.

Torhüterinnen kommen zum Probetraining

Hoffnungsschimmer für Vater Jahns Oberliga-Handballerinnen. Denn es zeichnet sich ab, dass sie den Ausfall ihrer Torfrau und Leistungsträgerin Karoline Kilsbach, die wegen eines im Oktober erlittenen Kreuzbandrisses mindestens bis zum Sommer ausfallen wird, wohl kompensieren können.

„Unsere Suche nach Ersatz für Karo war erfolgreich. Wir haben drei potentielle Kandidatinnen gefunden und sie zum Probetraining eingeladen. Und alle drei wollen auch kommen. Wir sind alle sehr froh“, berichtet MTV-Trainer Marco Wittneben, der mitsamt seiner Mannschaft ob der günstigen Aussichten erleichtert ist. Zuversichtlich stimmt ihn zudem, dass die Verletzung von Marleen Lange, Vater Jahns zweiter Torhüterin, inzwischen ausgeheilt ist. Lange musste zuvor mehrere Wochen wegen Problemen an ihrem Ellbogen pausieren.

Wann die drei Neuzugänge in spe erstmals zum Probetraining in der Peiner Silberkamp-Sporthalle auflaufen, steht jedoch wegen der Corona-Beschränkungen in den Sternen. Auch Marco Wittneben ist skeptisch: „Ich denke, wir werden wohl frühestens im Februar wieder in der Halle trainieren können.“

Von Jürgen Hansen