27. April 2020 / 19:16 Uhr

Wittstocker Trainer-Duo im Doppel-Interview: "Mit Hansa kann ich mich identifizieren"

Wittstocker Trainer-Duo im Doppel-Interview: "Mit Hansa kann ich mich identifizieren"

Marius Böttcher
Märkische Allgemeine Zeitung
Der mannschaftliche Zusammenhalt, der bei den Wittstocker Fußballern intakt ist, soll auch unter den neuen Hansa-Trainern Tino Sasse und Erik Sonnenberg (kleines Foto, v.l.) beibehalten werden.
Der mannschaftliche Zusammenhalt, der bei den Wittstocker Fußballern intakt ist, soll auch unter den neuen Hansa-Trainern Tino Sasse und Erik Sonnenberg (kleines Foto, v.l.) beibehalten werden. © Marius Böttcher, Privat
Anzeige

Landesliga Nord: Erik Sonnenberg und Tino Sasse werden Jörg Lutter auf der Trainerbank beerben - und sprechen über das schwere Erbe sowie die Ziele mit dem Team.

Anzeige
Anzeige

Als Trainer-Duo werden Erik Sonnenberg und Tino Sasse in der neuen Saison die Geschicke bei der ersten Mannschaft des FK Hansa Wittstock leiten (SPORTBUZZER berichtete). Ob das Gespann ab dem 1. Juli oder aufgrund der Corona-Pandemie doch erst zu einem späteren Zeitpunkt tätig sein wird, ist noch nicht bekannt. Klar ist aber, dass das Erbe vom scheidenden Trainer Jörg Lutter ein schweres ist. Nach 14 Jahren räumt die Hansa-Institution den Platz an der Seitenlinie frei – ist mit der Wahl der Nachfolger aber überglücklich: „Das ist eine tolle Entscheidung. Erik hat in diesem Jahr bewiesen, dass er zu Hansa passt. Er brauchte keine Eingewöhnungszeit und kennt die Jungs. Als Duo mit Tino ist auch genug Fachwissen vorhanden, um die Ziele zu erreichen.“ Welche das sind und wie es dazu kam, dass künftig zwei gleichberechtigte Personen für den Landesligisten zuständig sind, verraten Erik Sonnenberg und Tino Sasse im Doppel-Interview mit dem SPORTBUZZER.

Herr Sonnenberg, Herr Sasse: Wieviel Überzeugungsarbeit musste denn von Vereinsseite geleistet werden?

Erik Sonnenberg: Jörg Lutter hatte uns ja im Wintertrainingslager in der Türkei mitgeteilt, dass er nach der Saison aufhören wird. Anschließend haben sich die Verantwortlichen viele Gedanken gemacht und kamen dann auch schnell auf mich zu. Bernd Leuchtenberger (Abteilungsleiter, Anm.d.Red.) hatte mich von einem Gespräch überzeugt, welches sehr konstruktiv verlief. Und obwohl ich mich eigentlich noch ein paar Jahre auf das Fußballspielen konzentrieren wollte, wurde mein Interesse geweckt.

Tino Sasse: Ich bin mittlerweile seit gut zehn Jahren im Verein, war zuletzt zwar nicht mehr aktiv, dafür aber immer nah an der Mannschaft. Außerdem habe ich mich schon als Nachwuchstrainer beim FK Hansa engagiert.

Kam ihre Zusage schnell oder hatten Sie einige Wünsche oder gar Forderungen an den Vorstand?

Sonnenberg: Der Trainerjob bedeutet ja nicht nur, am Dienstag, Donnerstag und Samstag am Seitenrand zu stehen. Ich habe sofort klar kommuniziert, dass ich einen zweiten oder vielleicht sogar dritten Mann brauche, der sich auch um Kleinigkeiten wie Trainingsanzüge oder die Verpflegung für die Mannschaft kümmert. Tino und ich sind ja vor allem für den sportlichen Teil zuständig, ich selbst werde ja als Spielertrainer fungieren.

Sasse: Da sind wir einer Meinung, alleine hätte ich mir das auch nicht zugetraut. Zu zweit werden wir das aber gut hinbekommen, die Idee vom Verein ist die richtige.

Mehr Fußball aus Prignitz/Ruppin

Haben Sie denn jemanden im Hinterkopf, der als dritter Mann diese „Kleinigkeiten“ erledigen kann?

Sonnenberg: Ich könnte mir da Kevin Apitz gut vorstellen, der wegen Hausbau und Familie sportlich kürzertreten will und künftig wohl nicht mehr im Tor stehen wird. Er kennt aber die Truppe sehr gut und würde so auch weiterhin ein wichtiger Teil des FKH bleiben. Eine finale Entscheidung bleibt aber noch abzuwarten.

14 Jahre lang war mit Jörg Lutter ein alter Hase an der Seitenlinie. Für Sie beide ist es die erste Station als Trainer. Wie schwer ist denn das Erbe?

Sasse: Puh, mit Worten ist das nur schwer zu beschreiben. Ich kenne Hansa ja nur mit Jörg und habe riesigen Respekt vor dem, was er hier alles erreicht und bewegt hat.

Sonnenberg: Wir treten in große Fußstapfen, dessen sind wir uns auch bewusst. Jörg hat uns aber bereits angeboten, für einen Ratschlag zur Verfügung zu stehen und uns auch mal unter die Arme zu greifen. Das ist ein tolles Zeichen, denn als Neuling im Trainergeschäft wird man nicht gleich alles richtig machen.

Welche Ziele verfolgen Sie als gleichberechtigtes Trainer-Duo?

Sonnenberg: Es wäre fatal, würden wir uns zu hohe Ziele stecken. Ein dauerhafter Gast in der Landesliga zu sein, wäre für unseren Verein in unserer Region eine große Sache. In den nächsten Jahren werden viele Spieler auch ihren Zenit erreichen, deshalb müssen auch junge Kicker integriert werden. Eigene Spieler backen, das hat Hansa früher mal ausgezeichnet und da würde ich gerne wieder hinkommen, auch wenn es nicht einfach wird.

Sasse: Dem kann ich wenig hinzufügen. Wenn wir die Truppe noch ein paar Jahre zusammenhalten könnten, wäre das wichtig. Menschlich ist hier alles intakt.

In Bildern: Eine Nationalmannschaft für Brandenburg: Diese Spieler wären dabei.

<b>Gäbe es eine eigene Nationalmannschaft für Brandenburg, wären diese Spieler dabei:</b> Zur Galerie
Gäbe es eine eigene Nationalmannschaft für Brandenburg, wären diese Spieler dabei: ©

Wie beurteilen Sie die aktuelle Aussetzung des Spielbetriebes aufgrund der Coronavirus-Krise?

Sonnenberg: Ich möchte mich da ungern zu äußern, bin da lieber etwas vorsichtig. Es wäre aber schön, wenn bald Klarheit herrscht, wobei ich auch die Entscheidungsträger verstehen kann, für die das derzeit auch nicht einfach ist.

Sasse: Ich denke, dass die Saison abgebrochen wird. Über die Bewertung bin ich gespannt, eine faire Lösung für alle Vereine gibt es aber wohl einfach nicht.

Wie steht es eigentlich um eine Trainerlizenz bei Ihnen?

Sonnenberg: Wenn ich weiß, wie es weitergeht, werde ich mich natürlich auch schlau machen, wo ich solch einen Kurs absolvieren kann. Dann werde ich natürlich die Schulbank drücken.

Sasse: Ich habe lange Jahre bei einer Fußballschule gearbeitet, brauchte dafür aber keine Lizenz. Bei meiner ersten Ausbildung habe ich mal die C-Lizenz erworben, die lief aber mittlerweile bestimmt aus.

Abschließende Frage: Was bedeutet Hansa Wittstock für Sie?

Sasse: Zusammenhalt. Der Verein ist wie ein großer Freundeskreis, einfach ein eingeschworener Haufen. Der Kern der ersten Mannschaft spielt ja auch schon seit der Jugend zusammen.

Sonnenberg: Jeder kennt sich hier, ich mag diese familiäre Atmosphäre. Mit Hansa kann ich mich identifizieren und diese Entscheidung vom Vorstand zeigt auch, dass mir vertraut wird. Wir werden hier an ein paar Stellschrauben drehen und dann hoffentlich zu einer positiven Entwicklung beitragen.