09. Dezember 2022 / 22:58 Uhr

Elfmeter-Drama gegen die Niederlande: Messi darf mit Argentinien weiter vom WM-Titel träumen

Elfmeter-Drama gegen die Niederlande: Messi darf mit Argentinien weiter vom WM-Titel träumen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Auch dank Megastar Lionel Messi hat Argentinien das WM-Halbfinale erreicht.
Auch dank Megastar Lionel Messi hat Argentinien das WM-Halbfinale erreicht. © IMAGO/PA Images
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Argentinien hat sich im Elfmeterschießen gegen die Niederlande durchgesetzt und spielt jetzt im WM-Halbfinale gegen Vizeweltmeister Kroatien. In einem hitzigen Spiel gab die Mannschaft um Superstar Lionel Messi in der regulären Spielzeit eine 2:0-Führung her, bewies aber vom Punkt die stärkeren Nerven.

Was für ein Tag für Fußball-Argentinien: Erst patzt bei der Weltmeisterschaft in Katar der große Erzrivale Brasilien und verfehlt den Sprung ins Halbfinale, dann macht die eigene Mannschaft es wenige Stunden später nach großem Kampf besser: Lionel Messi und Co. haben sich im zweiten Viertelfinale dieses Turniers dank Torwart Emi Martinez und dem entscheidenden Schützen Lautaro Martinez mit 4:3 im Elfmeterschießen gegen die Niederlande durchgesetzt. Nach Verlängerung stand es 2:2 (2:2, 1:0). Während Messi mit der Albiceleste somit weiterhin vom ersten WM-Titel seiner besonderen Karriere träumen darf, müssen Bondscoach Louis van Gaal und seine Spieler die Heimreise antreten. Nahuel Molina (35.) sorgte nach einem Traumpass von Messi für die Führung Argentiniens, Messi (73.) verwandelte einen Foulelfmeter zum 2:0. Kurz darauf verkürzte Wout Weghorst (83.) für die Elftal, der in der elften Minute der Nachspielzeit nach einem Freistoßtrick auf 2:2 stellte. Argentinien trifft nun am Dienstag um 20 Uhr im ersten Semifinale auf Brasilien-Bezwinger Kroatien.

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So lief das Shootout: Im Entscheidungsschießen startete Argentiniens Schlussmann Martinez mit einem Paukenschlag: Einer Parade gegen Virgil van Dijk, ehe Messi locker gegen den niederländischen Keeper Andries Noppert verwandelte. Steven Berghuis scheiterte ebenfalls am glänzend parierenden Martinez, Parades blieb cool - 2:0 für die Albiceleste. Dann behielt Teun Koopmeiners als erster Niederländer die Nerven, verkürzte wieder. Gonzalo Montiel traf dann erneut für die Südamerikaner. Weghorst stand schon unter Druck, musste treffen - und traf. Enzo Fernandez zeigte dann als erster Argentinier Schwäche - vorbei. Die Chance für die Elftal? Luuk de Jong verkürzte zumindest das Defizit. Doch weil Lautaro Martinez traf, war Argentinien der strahlende Sieger.

Argentiniens Trainer Lionel Scaloni stellte im Lusail Iconic Stadium im Vergleich zum Achtelfinalsieg gegen Australien (2:1) auf eine Dreierkette um, für Alejandro Gomez rückte Lisandro Martinez in die erste Elf. gegen die "Socceroos" geschonte Angel di Maria blieb erneut auf der Bank. Messi wurde derweil zum 24. Mal bei einer Weltmeisterschaft eingesetzt, zog mit Miroslav Klose gleich. Lediglich Lothar Matthäus (25 Spiele) steht im Ranking noch vor dem Superstar. Van Gaal brachte nach dem 3:1 gegen die USA den offensiveren Steven Bergwijn für den früheren Bremer Davy Klaassen in die Partie. Der frühere Bayern-Trainer, für den es die erste Niederlage im 20. und letzten Spiel seit seiner Rückkehr ins Amt war, hatte vor dem Spiel Tipps von Weltmeister Bastian Schweinsteiger erhalten.

Keine der Mannschaften wollte sich in der Anfangsphase so recht aus der Deckung wagen, weshalb es kaum Torraumszenen von Bedeutung gab. Nachdem zunächst die Albiceleste, nach dem Ausscheiden des Erzrivalen Brasilien vermutlich noch ein bisschen mehr motiviert, etwas mehr vom Spiel hatte, wurden nach etwa 20 Minuten die Niederländer aktiver. Bergwijn hatte nach einer Kombination mit Memphis Depay so eine Möglichkeit zum Abschluss, die er jedoch vergab (24.). Ansonsten neutralisierten sich die Teams mit ihren stabilen Defensivreihen jedoch - bis Messi aus dem Nichts auftrumpfte und aus Halbdistanz einen wundervollen Pass auf Molina spielte. Der Rechtsverteidiger entwischte seinen Bewachern und schob mit seinem ersten Tor im 25. Länderspiel an Elftal-Torwart Andries Noppert vorbei zum 1:0 für die Südamerikaner ein (35.). Die harmlosen Niederländer konnten darauf zunächst keine Antwort finden.

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Argentinien igelt sich nach der Pause ein

Auch nach der Pause tat sich die Elftal gegen stark verteidigende Argentinier sehr schwer. Scaloni zog sein Team immer weiter zurück, die Blau-Weißen lauerten mit der Führung im Rücken nun auf Konter und ließen ihrerseits kaum etwas zu. Das Spiel blieb zäh, Torszenen gab es nicht. Stattdessen unterhielt Messi das lautstarke argentinische Publikum in Lusail auf seine unwiderstehliche Weise: Als er Alexis McAllister wieder auf die Reise schickte, die Argentinier den Konter aber nicht gut ausspielten (59.), er eine Reihe von Niederländern mit einer Körpertäuschung ausspielte (61.) oder einen Freistoß aus aussichtsreicher Lage nur knapp über das Tor schoss (63.).

Kurz darauf sorgte er für die Verdoppelung der Führung aus argentinischer Sicht: Denzel Dumfries foulte Marcos Acuna an der linken Strafraumseite elfmeterreif, Messi trat an und verwandelte überzeugend (73.). Die Elftal probierte es nun mit dem Mut der Verzweiflung und kam durch den kurz zuvor eingewechselten Ex-Wolfsburger Weghorst, der eine Berghuis-Flanke einköpfte (83.), tatsächlich zum Anschluss. Berghuis selbst verpasste danach nur knapp den Ausgleich, traf nur das Außennetz (85.). In der Endphase entlud sich die ohnehin gereizte Stimmung, als Leandro Paredes erst Nathan Aké foulte und dann den Ball mit voller Wucht in Richtung der niederländischen Bank schoss - es folgte eine Rudelbildung und Gelb für den Übeltäter (90.).

Erst Weghorst-Trick, dann Argentiniens Sturmlauf

Schiedsrichter Antonio Matheu Lahoz, der Gelbe Karten im zweistelligen Bereich verteilte, entschied nicht zuletzt wegen der zahlreichen Spielunterbrechungen auf zehn Minuten Nachspielzeit. Die Niederländer kämpften - und letztlich mit Erfolg. In der elften Minute kannte der Jubel keine Grenzen mehr, weil Weghorst nach einem sensationellen Freistoß-Trick den Ball an Argentiniens Keeper Emi Martinez vorbei ins Tor schob. Teun Koopmeiners hatte den Ball zum Besiktas-Stürmer geschoben, als alle mit einem direkten Versuch rechneten. Argentiniens zuvor so solide Abwehr war übertölpelt, die Elftal nach 0:2 plötzlich auf 2:2 und in der Verlängerung. Dort hatten die Argentinier mehr Spielanteile und eine ganze Reihe Riesenchancen zum Sieg: Durch Lautaro, der van Dijk anschoss (114.) und Noppert zu einer starken Parade zwang (119.), und durch Enzo Fernandez, dessen Schuss von Weghorst gefährlich abgefälscht wurde und nur knapp über das Tor zischte (115.) und der zum Schluss der Verlängerung den Pfosten traf (120.).

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