09. Dezember 2022 / 20:10 Uhr

"Es tut sehr weh": Brasilien im Tal der Tränen – Neymar und Co. erleben nächstes Europa-Trauma

"Es tut sehr weh": Brasilien im Tal der Tränen – Neymar und Co. erleben nächstes Europa-Trauma

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach dem WM-Aus trauerten die Brasilien-Stars.
Nach dem WM-Aus trauerten die Brasilien-Stars. © IMAGO/Fotoarena
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Wie schon vor vier Jahren ist für Topfavorit Brasilien im Viertelfinale der WM Schluss. Und wieder ist es mit Kroatien eine europäische Mannschaft, die den Rekordweltmeister aus dem Turnier wirft. Kapitän Thiago Silva räumte nach dem Schock Konzentrationsmängel ein. Superstar Neymar weinte.

Neymar saß auf dem Boden des Education CIty Stadiums in Al-Rayyan und weinte. Viele seiner Mitspieler taten es ihm gleich. Brasilien ist raus. Wie schon bei der WM 2018 ist der große Turnierfavorit nach der Niederlage im Elfmeterschießen gegen Kroatien auch bei der Weltmeisterschaft in Katar bereits im Viertelfinale ausgeschieden. Nachdem Marquinhos den entscheidenden vierten Elfmeter der Brasilianer an den linken Pfosten setzte, war der Exit des Rekordweltmeisters besiegelt. Superstar Neymar, der wohl den fünften Versuch gehabt hätte, war damit zur Untätigkeit verdammt. Die Südamerikaner, die sich im Achtelfinale noch am eigenen Fußball berauscht und sogar ihren Trainer Tite zum Tanzen gebracht hatten, sind nur wenige Tage später im Tal der Tränen - und inzwischen belegt mit einem handfesten Trauma, war es doch die schon sechste Niederlage in Folge gegen eine europäische Mannschaft in der K.o.-Runde einer Weltmeisterschaft.

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"Man hat keine Worte. Wir versuchen uns zu trösten. Man muss einfach weitermachen", sagte ein sichtlich bedröppelter Thiago Silva, der Kapitän der Mannschaft, direkt nach der bitteren Niederlage. "Es tut sehr weh, wenn man etwas nicht erreicht, was man unbedingt erreichen will. Ich hätte gern den Pokal in die Höhe gehalten." Dabei hatten in der Verlängerung alle Zeichen auf Sieg Brasilien gestanden, nachdem Neymar in der Nachspielzeit der ersten Hälfte mit einem wunderbaren Tor nach zwei Doppelpässen mit Rodrygo und Lucas Paqueta Kroatiens Torwart Dominik Livakovic überwunden hatte. Doch die Brasilianer ließen sich trotz später Führung auskontern - und so kamen die Kroaten durch Bruno Petkovic in der 117. Minute doch noch zum unverhofften 1:1, nachdem die Hintermannschaft der Seleção Mislav Orsic auf der linken Seite allein gelassen hatte. Der passte in die Mitte, wo Petkovic überlegt einschob. "Im Fußball weiß man nie. Wir sind eine Qualitätsmannschaft. Normalerweise wäre uns das nicht passiert. Vielleicht hätten wir konzentrierter spielen können", ärgerte sich Thiago Silva. Die Konsequenz: Tor für Kroatien - die auch im Elfmeterschießen die Oberhand behielten, weil Rodrygo an Livakovic scheiterte und Marquinhos das Tor nicht traf.

Sechs Knockout-Spiele gegen Europa-Teams - sechs Niederlagen

Damit bleibt eine verflixte Serie der Brasilianer "intakt". Seit dem Titelgewinn 2002 gegen die deutsche Mannschaft ist es der Seleção nicht mehr gelungen, in der Knockout-Phase einer WM gegen ein Team aus Europa zu gewinnen. 2006 gab es eine 0:1-Niederlage gegen Frankreich im Viertelfinale, vier Jahre später war in der gleichen Runde gegen die Niederlande (1:2) Endstation. Bei der Heim-WM 2014 qualifizierte sich Brasilien für das Halbfinale, wo es bekanntermaßen eine sensationelle 1:7-Pleite gegen die deutsche Mannschaft gab - den späteren Weltmeister. 2018 (1:2 gegen Belgien) und 2022 war und ist nun wieder die Runde der letzten Acht die Hürde, an der Neymar & Co. scheitern.

Nun muss Brasilien mindestens vier weitere Jahre warten, um diesen "Europa-Fluch" endlich zu beenden und die Mission "sechster Titel" zum Erfolg zu führen. Dann ohne Trainer Tite. Der 61-Jährige, der seit 2016 Chefcoach der Südamerikaner war, hatte bereits vor der WM seinen Rücktritt angekündigt.

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