02. Dezember 2022 / 20:08 Uhr

Plädoyer für klare Stamm-Startelf: Toni Kroos kritisiert fehlende "Automatismen" beim DFB-Team

Plädoyer für klare Stamm-Startelf: Toni Kroos kritisiert fehlende "Automatismen" beim DFB-Team

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Nationalspieler Toni Kroos kritisiert die vielen Wechsel in der Deutschland-Formation.
Ex-Nationalspieler Toni Kroos kritisiert die vielen Wechsel in der Deutschland-Formation. © IMAGO/ZUMA Wire/Sven Simon (Montage)
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Ex-Nationalspieler Toni Kroos hat sich enttäuscht über das erneute frühe Aus der deutschen Nationalmannschaft bei einer WM gezeigt - und für die Vorbereitung auf die EM 2024 im eigenen Land einen Wunsch formuliert: Der 32-Jährige sieht eine stärkere Eingespieltheit als Grundvoraussetzung für eine Rückkehr in die Erfolgsspur.

Nach dem erneuten Vorrunden-Aus der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Katar hat Weltmeister Toni Kroos Kritik an einem aus seiner Sicht wichtigen Aspekt in der Vorbereitung auf die letzten großen Turniere geübt. Der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler, der nach der enttäuschenden Europameisterschaft im Vorjahr aus dem DFB-Team zurückgetreten war, wünscht sich in der Vorbereitung auf die anstehende Heim-WM im Sommer 2024 eine stärkere Eingespieltheit, Widerstandsfähigkeit des deutschen Teams und einen stärkeren Fokus auf Automatismen. "Ich glaube, wir sehen bei anderen Mannschaften wie wichtig eine Eingespieltheit ist. Vor allem in Momenten, wenn es schwierig ist", sagte Kroos am Tag nach dem deutschen Ausscheiden bei Magenta TV. "Kleinigkeiten haben ausgereicht, uns als Mannschaft aus der Fassung zu bringen."

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"Eine Hauptaufgabe in Richtung des nächsten Turniers" müsse laut Kroos sein, "dass wir irgendwann mal sagen, wir haben eine klare Elf oder zumindest eine 13 oder 14". Es müsse das Ziel sein "dass wir so viele Länderspiele wie möglich mit dieser Mannschaft machen", sagte der Star von Real Madrid weiter, der sich "wie so viele wahrscheinlich auch enttäuscht" über die Leistung der deutschen Mannschaft zeigte. Auch bei schwächeren Spielen solle vom Bundestrainer dann an dieser Startelf festgehalten werden, um ihr Halt, Sicherheit und Struktur zu geben. Man müsse "mal eine Formation finden, unabhängig von Namen", sagte Kroos, der sich zu Personalfragen rund um das deutsche Ausscheiden nicht einlassen wollte.

DFB-Präsident Bernd Neuendorf hatte nach dem 4:2-Sieg gegen Costa Rica zunächst offen gelassen, ob es personelle Konsequenzen geben werde und stattdessen eine intensive Aufarbeitung angekündigt. "Wir müssen dahin kommen, dass wir eine klare Elf mit offensiv wie defensiv klaren Automatismen haben, die weiß, wie sie auf Situationen während des Spiels reagiert - nicht nur auf die schönen sondern vor allem auch auf die schwierigen. Und wenn wir in dieser Formation 10-15 Spiele gemacht haben, dann bin ich mir sicher, dass wir wieder ein stückweit widerstandsfähiger werden."

"Es darf uns nicht passieren, dass wir zwei Mal in Folge in der Gruppe ausscheiden"

Eben diese Widerstandsfähigkeit hatte die deutsche Mannschaft vor allem bei der enttäuschenden 1:2-Niederlage zum WM-Auftakt gegen Japan vermissen lassen. Auch gegen Costa Rica hatte das DFB-Team die Costa Ricaner durch eigene Fehler wieder ins Spiel zurückgeholt, nach einem zwischenzeitlichen 1:2-Rückstand aber noch gewonnen - ein Sieg, der letztlich nichts am Ausscheiden änderte. "Es darf uns nicht passieren, dass wir zwei Mal in Folge in der Gruppe ausscheiden. Wir können zwei Mal im Finale gegen Brasilien verlieren, aber du darfst in diesen Gruppen nicht zwei Mal ausscheiden. Das ist in meinen Augen offensichtlich nicht eine Frage der Qualität, sondern einer Eingespieltheit, einer Widerstandsfähigkeit und von Automatismen", sagte Kroos, der insgesamt 106 Länderspiele absolvierte und 2014 mit der deutschen Mannschaft Weltmeister geworden war.

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Man müsse sich "davon lösen, dass wir drei, vier Spielern es einigermaßen gerecht machen, damit die glücklich sind", ergänzte Kroos, ohne konkrete Namen zu nennen. Aus seiner Sicht war in den vergangenen Jahren aus verschiedenen Gründen personell zu viel rotiert worden - nicht zuletzt in der unmittelbaren Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft, als Bundestrainer Hansi Flick im einzigen Test gegen den Oman (1:0) nur vier Spieler von Beginn an einsetzte, die wenige Tage später gegen Japan in der Startformation standen. Kroos wünscht sich für die Zukunft klarere Verhältnisse: "Nein, wir brauchen eine 11, eine 12, eine 13 und eine 14 - das ist unsere erste Elf für das nächste Turnier. Auch wenn sich das durch Verletzungen immer noch leicht ändert, geben wir eine klare Sicherheit mit auf den Platz."

Einen Mangel an Führungsspielern, der von anderen Experten zunächst ausgemacht worden war, kann der Real-Star indes nicht erkennen. "Wir haben Leute, die laut sind. Ein Jo Kimmich ist manchmal fast zu laut würde ich sagen. Toni Rüdiger macht den Mund auf, Manu (Torwart Neuer, d. Red.) von hinten. Thomas (Müller) sowieso", so Kroos. Diese hätten "von ihrem Denken, ihrer Gier, ihrer Mentalität und Qualität" das Zeug dazu, eine Mannschaft anzuführen. Kroos: "Es ist aber nicht immer einfach, die ganze Mannschaft mitzunehmen. Alle müssen auch mitgenommen werden wollen. Das ist das zweite Thema. Es ist schwer, für den einen oder anderen Führungsspieler, gewisse Charaktere von anderen Mitspielern in gewissen Situationen zu ändern. Wir sprechen ja immer nur über Situationen, wo es großen Widerstand gibt."

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