26. März 2022 / 11:52 Uhr

Top-Favoriten bis Außenseiter im Check: So realistisch ist der deutsche WM-Traum

Top-Favoriten bis Außenseiter im Check: So realistisch ist der deutsche WM-Traum

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Haben bei der WM in Katar große Ziele: Deutschlands Thomas Müller (von links nach rechts), Englands Harry Kane und Frankreichs Kylian Mbappé.
Haben bei der WM in Katar große Ziele: Deutschlands Thomas Müller (von links nach rechts), Englands Harry Kane und Frankreichs Kylian Mbappé. © Mike Egerton/PA Wire/dpa / IMAGO/PanoramiC/Uwe Kraft/ ITAR-TASS / Fotomontage
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In knapp acht Monaten steigt das Eröffnungsspiel der Weltmeisterschaft in Katar. Die deutsche Nationalmannschaft geht mit großen Ambitionen ins Turnier, Sportdirektor Oliver Bierhoff hält den Titelgewinn für "realistisch". Aber gehört die DFB-Elf wirklich zu den Top-Favoriten? Der SPORTBUZZER hat den Check gemacht.

Die deutsche Nationalmannschaft geht mit großem Optimismus und hohen Ambitionen in das Jahr der Weltmeisterschaft in Katar. Der Titelgewinn bei der Endrunde im kommenden November sei "auf jeden Fall realistisch", sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff vor dem Testspiel-Doppelpack am Samstag in Sinsheim gegen Israel und am Dienstag in Amsterdam gegen die Niederlande. Dieser größtmögliche Erfolg müsse der "Anspruch" sein, betonte der Ex-Nationalspieler.

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Nicht weniger als den fünften Titel wollen die DFB-Stars also aus dem Wüstenstaat mitbringen. Auch Kapitän Manuel Neuer machte deutlich: "Wir haben eine Vision vor Augen. Wir Spieler werden an Trophäen gemessen. Es gibt nur ein Ziel, das ich habe, und das ist der WM-Titel." Das Vorrunden-Aus bei der WM 2018 sowie das Achtelfinal-Aus bei der EM 2021 ändern nichts an der ambitionierten Zielsetzung. Klar ist dennoch: Zu den großen Favoriten gehört Deutschland aufgrund der jüngsten Enttäuschungen bei großen Turnieren nicht. Wer hat die besseren Chancen? Wem begegnet die DFB-Elf auf Augenhöhe? Und welche Außenseiter sollte man auf dem Zettel haben? Ein Überblick.

Die Top-Favoriten:

Frankreich: Der Weltmeister von 2018 geht als absoluter Top-Favorit ins Turnier. Die Franzosen verfügen über den wohl besten Kader der Welt, haben unter anderem die Superstars Kylian Mbappé, N'Golo Kanté, Antoine Griezmann und Paul Pogba in ihren Reihen. Trainer Didier Deschamps hat es zudem geschafft, aus der mit Weltstars gespickten Truppe ein echtes Team zu formen. Bei der WM in Russland vor vier Jahren überzeugte man nicht nur durch individuelle Klasse, sondern auch durch mannschaftliche Geschlossenheit. Die Qualifikation für das Winterturnier in Katar meisterte "Le Bleus" mit fünf Siegen und drei Remis in acht Spielen einigermaßen souverän, ihr ganzes Können war allerdings auch nicht gefordert. Beim 2:1-Testspielsieg am Freitagabend gegen die Elfenbeinküste stotterte der Motor auch noch ein wenig. Weiterer Hoffnungsschimmer für die Konkurrenz: die EM 2021. Auch im vergangenen Sommer gingen die Franzosen als Titelkandidat Nummer eins ins Turnier, scheiterten allerdings schon im Achtelfinale an der Schweiz.

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Brasilien: Die Fans der "Seleção" erwarten von ihrer Mannschaft bei jedem Turnier den Titel. Das wird auch in Katar nicht anders sein. Bei der Heim-WM 2014, als man im Halbfinale die historische Schmach gegen Deutschland erlebte, vor vier Jahren in Russland (Aus im Viertelfinale gegen Belgien) und bei der Copa America 2021 (Finalniederlage gegen Argentinien) konnten die Brasilianer diesen Erwartungen allerdings nicht gerecht werden. Die Hoffnungen, dass es dieses Jahr besser wird, sind groß. Der Rekordweltmeister hat einen vielversprechenden Kader zur Verfügung. Neben Superstar Neymar hat auch Reals Vinicius Junior das Potenzial, ein Star der WM zu werden. Im Mittelfeld sollen Casemiro (Real Madrid) und Fabinho (FC Liverpool) für die nötige Stabilität sorgen. Wenn die "Seleção" aus den Enttäuschungen bei den letzten Weltmeisterschaften die richtigen Schlüsse gezogen hat, sind sie einer der Top-Kandidaten auf den Titel.

England: Laut transfermarkt.de hat England die teuerste Nationalmannschaft der Welt - und gehört allein deshalb zu den Top-Favoriten. Der Kader der "Three Lions" ist inzwischen stattliche 1,24 Milliarden Euro wert. Selbst Frankreich (978,5 Millionen Euro) und Brasilien (899,5 Millionen Euro) haben auf den Plätzen zwei und drei das Nachsehen. Die Hoffnungen für die WM in Katar ruhen vor allem auf den Topstars Harry Kane (Tottenham Hotspur), Raheem Sterling (Manchester City) und Phil Foden (Manchester City). Sie sollen England zum ersten großen Titel seit dem Gewinn der WM 1966 führen. Bei der EM im vergangenen Jahr waren die "Three Lions" bereits ganz nah dran, scheiterten allerdings im Finale im Elfmeterschießen an Italien. Die Motivation, es dieses Jahr noch besser zu machen, dürfte groß sein.

In Lauerstellung:

Spanien: Auch die Spanier sollte man dieses Jahr wieder auf der Rechnung haben. Trainer Luis Enrique hat "La Furia Roja" seit seinem Amtsantritt nach der WM 2018 zurück in den erweiterten Kreis der Weltspitze geführt. Spanien spielt wieder ansehnlichen Fußball, demütigte zwischenzeitlich auch die deutsche Nationalmannschaft beim 6:0-Erfolg in der Nations League und zeigte bei der EM 2021 ebenfalls attraktiven Fußball. Erst im Halbfinale scheiterte die Enrique-Elf nach großem Kampf am späteren Titelträger Italien. Zu den ganz großen Favoriten gehört die spanische Nationalmannschaft trotzdem nicht, dafür fehlen die absoluten Top-Spieler in der verjüngten Mannschaft. Aber: Treten die Spanier als Team auf, sind sie durchaus in der Lage, Frankreich, Brasilien, England und Co. zu ärgern.

Deutschland: Bei den letzten beiden großen Turnieren enttäuschte die deutsche Nationalmannschaft auf ganzer Linie. Bei der WM 2018 war bereits nach der Vorrunde Schluss, vergangenen Sommer bei der EM scheiterte man im Achtelfinale an England. Im Anschluss hörte der Bundestrainer Joachim Löw auf, Hansi Flick übernahm. Seitdem ist neuer Schwung drin. In der Qualifikation hielt sich die DFB-Elf unter Flick schadlos, zeigte teilweise ansehnlichen Offensivfußball wie beim 6:0-Heimsieg gegen Armenien und qualifizierte sich am Ende äußerst souverän für die Endrunde in Katar. Die nächsten Spiele - unter anderem der Härtetest in den Niederlanden am kommenden Dienstag - werden zeigen, wie weit die deutsche Mannschaft wirklich ist. Schafft Flick es, die immer wieder anfällige Defensive zu stabilisieren und den offensiven Freigeistern das nötige Selbstvertrauen mitzugeben, kann Deutschland in Katar ein Wörtchen um den Titel mitreden.

Niederlande: Bei der EM im vergangenen Sommer spielten die Niederländer eine starke Vorrunde, qualifizierten sich mit neun Punkten und 8:2-Toren fürs Achtelfinale. Die Fußballwelt hatte "Oranje" plötzlich wieder auf dem Zettel - und auch die Fans hatten große Erwartungen. Es folgte das völlig überraschende Achtelfinal-Aus gegen Tschechien (0:2) und die Trennung von Trainer Frank de Boer. Mit Louis van Gaal übernahm schließlich ein alter Bekannter, der die Niederländer bereits bei der WM 2014 zu Platz drei führte. Der 70-Jährige schaffte mit "Oranje" die direkte Qualifikation für die WM in Katar. Die Niederländer leisten sich allerdings zu oft Ausrutscher gegen vermeintlich schwächere Gegner. Wenn Virgil van Dijk, Frenkie de Jong, Memphis Depay und Co. eine Lösung für dieses Problem finden, könnten sie weit kommen.

Argentinien: Vergangenen Sommer gewann Lionel Messi endlich den ersten Titel mit der argentinischen Nationalmannschaft. Im Finale der Copa America bezwang die "Albiceleste" ihren Erzrivalen und Turnier-Gastgeber Brasilien mit 1:0. Zu den großen Favoriten bei der WM in Katar gehört Argentinien trotzdem nicht. Dafür fehlt es vor allem im Mittelfeld und in der Abwehr an der nötigen Qualität. Offensiv ist das Team von Lionel Scaloni mit Messi, Ángel Di María, Lautaro Martinez und Co. weiterhin überdurchschnittlich gut besetzt. Wenn diese Mannschaft ins Rollen kommt, kann sie vermutlich jedem Gegner der Welt wehtun - und gehört deshalb zumindest zum erweiterten Favoritenkreis.


Belgien: Noch immer steht die belgische Nationalmannschaft auf dem ersten Platz der FIFA-Weltrangliste. Zu einem großen Triumph hat es in den letzten Jahren dennoch nicht gereicht. Die "Goldene Generation" um die Superstars Kevin de Bruyne (Manchester City), Romelu Lukaku (FC Chelsea) und Eden Hazard (Real Madrid) galt seit 2014 immer als Geheimfavorit, bei der EM im vergangenen Jahr waren sie für einige sogar der Top-Favorit. Im Viertelfinale stand dennoch eine 1:2-Pleite gegen den späteren Titelträger Italien zu Buche - mal wieder. Immer wenn es drauf ankam, konnten die Belgier nicht abliefern. Etliche Stars sind inzwischen in die Jahre gekommen, die Wahrscheinlichkeit auf einen großen Titel wird nicht größer. In Katar dürfte es die letzte Möglichkeit für die "Goldene Generation" geben, vielleicht liegt gerade darin die große Chance. Der Kader hat definitiv das Potenzial, um lange im Turnier zu bleiben. Er muss es nur endlich mal zeigen.

Portugal: Die Portugiesen sind noch nicht sicher für die WM in Katar qualifiziert. Am Dienstag (20.45 Uhr) treffen sie im Finale der Playoffs auf Nordmazedonien, das am Donnerstagabend sensationell Europameister Italien ausschaltete. Das Team um Superstar Cristiano Ronaldo geht selbstredend als großer Favorit in die Partie und hat die Teilnahme beim Wüstenturnier fest eingeplant. Vor allem in der Offensive verfügt Portugal über extrem spielstarke Spieler, die an guten Tagen jedem Gegner Probleme bereiten können. Neben United-Profi Ronaldo sind längst auch Diogo Jota (FC Liverpool), João Félix (Atlético Madrid), Bernardo Silva (Manchester City) und Bruno Fernandes (Manchester United) in der internationalen Spitzenklasse angekommen. In der Defensive fehlen die absoluten Top-Spieler allerdings. Deshalb gehört Portugal - sofern sie sich denn für die WM qualifizieren - nur zum erweiterten Favoritenkreis.

Teams mit Überraschungspotenzial:

Dänemark: Die Dänen kommen über die mannschaftliche Geschlossenheit und haben zudem auch richtig gute Kicker in ihren Reihen. Bei der EM 2021 haben sie bewiesen, dass sie über sich hinauswachsen können. Erst im Halbfinale scheiterte das Team von Kasper Hjulmand nach Verlängerung an England. Warum nicht auch in Katar?

Schweiz: Auch die Schweiz überzeugte bei der EM im vergangenen Sommer, schaltete unter anderem im Achtelfinale Top-Favorit Frankreich aus. Im Viertelfinale scheiterte die "Nati" erst nach Elfmeterschießen an Spanien. Das Team um Kapitän Granit Xhaka kann die ganz Großen ärgern - und will das auch in Katar zeigen. Zuzutrauen ist es ihnen. Xhaka sagte im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), zu dem auch der SPORTBUZZER gehört, selbstbewusst: "Für mich ist im Fußball immer alles möglich. (...) Daher auch für uns bei der WM."

Kroatien: Auch die Kroaten sollte man immer auf der Rechnung haben. Bei der WM 2018 überraschten sie die ganze Fußball-Welt und marschierten plötzlich bis ins Endspiel. Auch sonst haben sie in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass sie in der Lage sind, die Favoriten zu ärgern.