06. Dezember 2022 / 23:32 Uhr

"Vollblutstürmer" glänzt als Ronaldo-Ersatz: Portugals Matchwinner Goncalo Ramos auf Kloses Spuren

"Vollblutstürmer" glänzt als Ronaldo-Ersatz: Portugals Matchwinner Goncalo Ramos auf Kloses Spuren

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Goncalo Ramos hat bei seinem WM-Debüt einen Dreierpack erzielt – wie einst Miroslav Klose (kleines Bild)
Goncalo Ramos hat bei seinem WM-Debüt einen Dreierpack erzielt – wie einst Miroslav Klose (kleines Bild) © IMAGO/Pressinphoto (Montage)
Anzeige

Beim 6:1 gegen die Schweiz hat Portugals Goncalo Ramos gewaltig auf sich aufmerksam gemacht. Der 21 Jahre alte Stürmer, der überraschend für Cristiano Ronaldo in der Startelf stand, erzielte einen Dreierpack - den ersten in der K.o.-Runde einer WM seit über 30 Jahren.

Dank einer furiosen Tor-Gala hat sich Portugal für das Viertelfinale der WM in Katar qualifiziert - beim in der Höhe überraschenden 6:1-Spektakel gegen hoffnungslos unterlegene Schweizer spielte sich ein Mann in den Vordergrund: Der junge Mittelstürmer Goncalo Ramos, der Cristiano Ronaldo zur Überraschung vieler Beobachter auf die Bank verdrängt hatte. Dort saß der 37 Jahre alte Superstar nun und konnte aus der Nähe mit ansehen, wie der 16 Jahre jüngere Ramos bei seinem WM-Startelfdebüt mit einem Dreierpack zum entscheidenden Mann wurde. Doch wer ist der Mann, den ARD-Experte Bastian Schweinsteiger nach Schlusspfiff anerkennend als "Vollblutstürmer" adelte?

Anzeige

Auf den Spuren des Rekord-Torschützen: Zunächst einmal ist Ramos etwas gelungen, was zuletzt ein Deutscher bei einer WM geschafft hat. Als erster Profi seit Miroslav Klose 2002 hat Ramos bei seinem ersten WM-Spiel von Beginn an drei Tore erzielt. Klose hatte bei der WM 2002 beim 8:0 gegen Saudi-Arabien in der Gruppenphase dreifach getroffen und ist seit 2014 nicht nur Weltmeister, sondern mit 16 Treffern auch WM-Rekordtorschütze. Zurück zu Ramos: Dessen Teamkollege Bruno Fernandes sagte über dessen erste Partie von Beginn an: "Ich glaube, man kann kein besseres Startelf-Debüt bei einer WM geben." Das kann man so sagen: Es war der erste Dreierpack dieser Weltmeisterschaft und der erste in einer K.o.-Runde seit 32 Jahren.

Ein vielseitiger "Zauberer": Ramos wurde im Juni 2001 in Olhão im Süden Portugals geboren. Seine Laufbahn begann er beim SC Olhanense, über CB Loulé kam der damals 12-Jährige 2013 in die Jugend von Benfica Lissabon. Für die Adler spielt er immer noch - seit zwei Jahren in der Profimannschaft, für die er bisher 28 Tore in 80 Einsätzen schießen konnte. Sein Spitzname ist "O Feiticeiro", der Zauberer. Diesen hat er nicht unbedingt seinem Können am Ball zu verdanken, sondern besonders seiner Vielseitigkeit: der 1,85 Meter große Ramos wird zwar in erster Linie als klassischer Mittelstürmer eingesetzt, er kann aber auch als hängende Spitze sowie im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden. Qualitäten, die gerade während eines großen Turniers enorm wichtig sein können. Außerdem gilt er nicht nur als starker Abschlussspieler, sondern auch als extrem harter Arbeiter auf dem Platz, der auch unangenehmen Zweikämpfen nicht aus dem Weg geht.

Durchbruch dank Roger Schmidt: Erst in dieser Saison gelang Goncalo Ramos der endgültige Durchbruch - nicht zuletzt weil er mit dem Deutschen Roger Schmidt einen Trainer hat, der nach dem Verkauf von Starstürmer Darwin Nunez (zum FC Liverpool) konsequent auf den Youngster setzt: Von 13 möglichen Spielen in der portugiesischen Liga absolvierte Ramos für den noch ungeschlagenen Tabellenführer aus Lissabon elf, fehlte nur wegen einer Gelb-Rot-Sperre und einer Verletzung in zwei Partien. Ihm gelangen neun Tore und drei Vorlagen. Auch in der Champions League stand Ramos in jedem Spiel auf dem Platz. Seinen Marktwert konnte er laut transfermarkt.de binnen eines Jahres von acht auf 24 Millionen Euro steigern. Längst sollen die Topklubs Europas die Fühler nach Ramos ausgestreckt haben. Doch Vorsicht: Sein Vertrag bei Benfica läuft noch bis 2026.

Anzeige

Nationalelf-Debüt erst vor drei Wochen: Die Länderspielkarriere von Ramos begann erst vor drei Monaten. Da wurde der junge Angreifer von Nationaltrainer Fernando Santos erstmals berufen, nachdem Rafa Silva seine internationale Karriere beendet hatte. Auf sein Debüt musste der 21-Jährige dann noch weitere zwei Monate warten: Erst am 17. November, also vor weniger als drei Wochen, feierte er beim 4:0 gegen Nigeria sein Debüt, nachdem er den Sprung in den WM-Kader geschafft hatte. Nach seiner Einwechslung für Leipzigs André Silva in der 67. Minute traf er zum 3:0 und legte den letzten Treffer der Portugiesen auf. Es folgten zwei Kurzeinsätze in der Gruppenphase gegen Ghana (3:2) und Uruguay (2:0) - und schließlich der große Auftritt gegen die Schweizer, mit dem er selbst die große Legende "CR7" in den Schatten stellte. Ronaldo war es dann auch, der Ramos in der 73. Minute ersetzte. Als persönliche Niederlage oder gar Demütigung des Ex-Weltfußballers wollte der jüngere dies aber nicht verstanden wissen. "Er gehört zu uns", versicherte er nach dem Schlusspfiff.

Trotz drei Treffern weiter bescheiden - das sagt Ramos zu seinem Dreierpack: Ramos blieb nach seinen drei Toren bescheiden - und fokussiert auf das Duell mit Marokko am Samstag (16 Uhr). "Ich weiß nicht was ich sagen soll, das ist ein Traum, ein absoluter Traum, der in Erfüllung geht. Es ging unglaublich schnell, jetzt müssen wir an das nächste Spiel denken", erklärte er. Ob er dann in der Startelf steht? "Das entscheide nicht ich, das entscheiden andere", sagte er. Verbal kann er sich zurückhalten - schließlich ließ er gegen unterlegene Schweizer lieber Tore sprechen...

Anzeige: Erlebe den DFB-Pokal mit WOW und fiebere live mit!