16. März 2021 / 18:46 Uhr

Jedes Jahr WM oder EM: Arsène Wenger tritt für Turnier-Revolution ein – Kalender vor Umbruch?

Jedes Jahr WM oder EM: Arsène Wenger tritt für Turnier-Revolution ein – Kalender vor Umbruch?

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Arsène Wenger will häufiger WM und EM austragen.
Arsène Wenger will häufiger WM und EM austragen. © Getty
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FIFA-Berater und Trainer-Legende Arsène Wenger hat konkrete Umstrukturierungen im weltweiten Fußball-Kalender ins Spiel gebracht, um den Sport besser für die Zukunft aufzustellen. Dabei geht es nicht nur um die Austragung von Welt- und Europameisterschaften, sondern auch um noch viel grundsätzlichere Aspekte.

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Trainer-Legende Arsène Wenger hat mit konkreten Vorschlägen zur Zukunft des Weltfußballs für Aufsehen gesorgt. Der langjährige Boss des FC Arsenal ist seit November 2019 Direktor für die Entwicklung des Fußballs beim Weltverband FIFA. Seine These: Die Zeit zwischen zwei Welt- oder auch Europameisterschaften ist mit vier Jahren einfach zu lang. Deshalb will er beide Turniere jeweils alle zwei Jahre ausrichten - und alle anderen Wettbewerbe im internationalen Länderspiel-Kalender abschaffen.

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Es ist nicht das erste Mal, dass der 71-Jährige sich etwa gegen den UEFA-Wettbewerb Nations League ausspricht und einen rascheren Turnier-Zyklus ins Spiel bringt. Diesmal wurde der Franzose allerdings in einem einstündigen Video-Interview mit beIN Sports konkreter als bisher. Es gelte, ausschließlich "bedeutsame Wettbewerbe" wie WM oder EM zu organisieren, sagte Wenger und umriss seine grundsätzliche Idee: "Kicke alle anderen parallelen Wettbewerbe aus dem Spiel. Die Menschen müssen verstehen, dass es um etwas geht und nur Spiele vor sich sehen, die eine Bedeutung haben."

"Deshalb sollten wir vielleicht die WM alle zwei Jahre organisieren"

Am aktuellen System mit Welt- und Europameisterschaften im Vierjahres-Rhythmus stört Wenger, dass es für Spieler nur selten zweite Chancen gibt. "Wenn man sich die Teams bei einer WM anschaut, ist das Durchschnittsalter meistens 27 oder 28", so Wenger. "Weil die Weltmeisterschaft alle vier Jahre ist, gibt es sehr wenige Chancen, es wieder zu gewinnen. Denn wenn sie zur nächsten WM zurück kommen, sind sie 32 oder 33. Deshalb sollten wir vielleicht die WM alle zwei Jahre organisieren. Und auch die EM alle zwei Jahre."



Es dürfte nicht der einzige radikale Umbruch im Weltfußball bleiben. Die FIFA plant eine grundlegende Überprüfung des internationalen Fußball-Kalenders noch in diesem Monat. "Ich glaube, dass wir den Kalender komplett reorganisieren müssen", so Wenger, der sich bei den Planungen auch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino abstimmt, als dessen enger Berater er gilt. "In der FIFA versuchen wir mit Infantino ein Meeting mit allen Interessengruppen zu machen, um das Kalenderjahr komplett neu zu organisieren", sagte Wenger. "Weil man für eine Zukunft planen muss, in der weniger gereist werden soll."

"Europa oder Rest der Welt": Wenger will "weltweiten Kalender harmonisieren"

Er profitiere dabei von seinen Erfahrungen als Trainer in Japan, wo er vor seiner langen Ära beim FC Arsenal (1996 bis 2018) tätig war. "Wir haben dort von März bis November gespielt und es war perfekt und man hatte nicht dieses "Er hat in der Saison 2018/19 den Titel gewonnen" - denn die Meisterschaft wurde in 2018 oder 2019 oder 2020 gewonnen." Er sei sich sicher "dass jemand nachgeben muss, um den weltweiten Kalender zu harmonisieren und das ist entweder Europa oder der Rest der Welt. Das würde Dinge erleichtern." Man dürfe darüber hinaus nicht vergessen, dass die aktuelle Sommerpause aus einer Zeit komme, "in der die Leute nicht professionell waren, es war vor über 100 Jahren."

Konkret spricht Wenger sich gleichzeitig auch für eine Reduzierung der Qualifikationsrunden für Großturniere aus - die der WM startet Ende März, für die deutsche Nationalmannschaft geht es gegen Island, Rumänien und Nordmazedonien. Der Franzose setzt sich für mehr Pausen für die Spieler ein. "Ich denke es ist wichtig, dass es eine vierwöchige Pause gibt", sagte Wenger mit Blick auf die "physischen Ressourcen, die Spieler heutzutage benötigen". Eine Lösung sei es, die Qualifikationsturniere "kompakter" zu gestalten, sagte Wenger. "Anstatt im Oktober, November, September, März oder Juni wegzugehen, könnten wir die Qualifikationsspiele alle in einem Monat oder in zwei Blöcken im Oktober und Februar austragen. Die Spieler könnten die Zeit dann zumindest zwischen März und Juni ihren Vereinen widmen."