03. Mai 2021 / 12:48 Uhr

WM-Gold in sibirischer Kälte: Leipziger Felix Straub erläuft mit Sprint-Staffel den Sieg

WM-Gold in sibirischer Kälte: Leipziger Felix Straub erläuft mit Sprint-Staffel den Sieg

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
Felix Straub gewinnt mit der deutschen 4x200-Sprintstaffel Gold bei der WM im polnischen Chorzów.
Felix Straub gewinnt mit der deutschen 4x200-Sprintstaffel Gold bei der WM im polnischen Chorzów. © imago images/Beautiful Sports
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Felix Straub vom SC DHfK nutzt im polnischen Chorzów die Gunst der Stunde und wird Weltmeister über 4x200 Meter. Die kurze Sprintstaffel schafft es derweil nicht ins Ziel.

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Chorzów/Leipzig. Sie wollten sich nichts wegholen, sondern etwas mitbringen aus der Kältekammer Polen – im Idealfall Edelmetall. Das ist den Leipziger Sprintern bei den World Relays hervorragend gelungen. Die zweite Finalnacht war nach Starkregen noch kälter als die erste – aber für Felix Straub bei sibirischen 3 Grad um so erfolgreicher. Der Leichtathlet vom SC DHfK freute sich am Sonntag bei seinem ersten Auftritt im Trikot der A-Nationalmannschaft über WM-Gold mit der 4x200-m-Staffel. Am Tag danach gab es eine Kampfansage des 23-Jährigen: „Das Erlebnis war super. Demnächst möchte ich auch im Einzel im DLV-Trikot starten.“

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Taube Arme und Beine

Das Quartett um Felix Straub lief gegen fünf Nationen auf Außenbahn sieben – mit Vor- und Nachteilen: „Der Kurvenradius war für uns ideal. Andererseits hatten wir keinerlei Orientierung. Ich jage gerne vor mir sprintende Konkurrenten und laufe zu ihnen auf. Das ging auf Bahn sieben natürlich nicht, zumal wir die komplette Strecke in unserer Bahn geblieben sind. Die Devise hieß Vollgas – erst in der letzten Kurve sahen wir unseren deutlichen Vorsprung.“ Fast zwei Sekunden betrug dieser auf die zweitplatzierten Kenianer, Bronze ging an Portugal. Trotz klirrender Kälte verpasste das DLV-Quartett den deutschen Rekord nur um eine Sekunde.

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Obwohl die Staffelwechsel nicht so rasant und riskant wie über 4x100 Meter verliefen, kamen nur vier der sechs Tems ins Ziel. Die Dänen legten einen Bauchklatscher hin und schieden aus, die Gastgeber wurden disqualifiziert. Die Vollgas-Taktik führte zwar dazu, dass nicht nur Straub nach 170 Metern bei der Kälte seine Arme und Beine kaum noch spürte. Aber irgendwie hielt er den Stab fest, gingen die letzten 30 Meter dann auch noch – plus Konzentration auf den Wechsel.

„Bei der Kälte kein Risiko eingehen“

Dass der aus dem fränkischen Ansbach stammende DHfK-Sprinter derzeit nicht zum Bundeskader gehört, hat nichts an seiner Motivation und seiner akribischen Saisonvorbereitung geändert. „Ich durfte zwar nicht mit ins DLV-Trainingslager in Gran Canaria. Aber stattdessen ging es über den Verein drei Wochen lang zu viert nach Teneriffa, wo wir auch sehr gut trainiert und uns selbst versorgt haben.“ Ein Trainer war zwar nicht dabei – aber via Video und Telefon war das Quartett mit den Trainern auf der Nachbarinsel verbunden.

Dort hatte sich das 4x100-m-Quartett vorbereitet, das in Chorzów das Olympiaticket sicherte. Der Angriff auf eine Medaille misslang im Finale. Die Trainer hatten Michael Pohl (Wetzlar) und Roy Schmidt im Vergleich zum Vorlauf eingewechselt. Doch der Stab kam nicht zu DHfK-Mann Schmidt und Vereinskollegen Marvin Schulte, weil bei Startläufer Pohl die Wade dicht machte. „Das ist schade, aber wir hatten uns ausgemacht, dass wir bei der Kälte kein Risiko eingehen.“