21. Dezember 2020 / 19:07 Uhr

WM in Kanada: Grizzlys-Duo über Dauer-Quarantäne und das Fahrrad im Einzelzimmer

WM in Kanada: Grizzlys-Duo über Dauer-Quarantäne und das Fahrrad im Einzelzimmer

Jürgen Braun
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
U20 eis
Sehnen sich nach frischer Luft und Eis, machen aber das Beste aus der Dauer-Quarantäne in Kanada: Die Grizzlys Jan Nijenhuis (l.) und Steven Raabe. © DEB/City-Press GmbH
Anzeige

Das Einzelzimmer - für zwei Wolfsburger Eishockey-Talente wird es langsam zur Einzelhaft bei der U20-Eishockey-WM in Kanada. Statt wie erhofft am 18. Dezember aufs Eis zu dürfen, sitzen Jan Nijenhuis, Steven Raabe und fast alle ihrer Teamkameraden immer noch in Quarantäne in ihrem Hotelzimmer. Vielleicht bis Heiligabend.

Anzeige

Langsam aber sicher fällt ihnen die Decke auf den Kopf, den deutschen U20-Eishockey-Nationalspielern - darunter Steven Raabe und Jan Nijenhuis von den Grizzlys Wolfsburg. Der Grund: Sie hocken seit dem 13. Dezember in ihren Einzelzimmern, die geplante Quarantäne wurde verlängert, nachdem es im deutschen Team acht positive Corona-Tests gegeben hatte. Eigentlich hätten die Spieler längst im Training in Edmonton sein sollen, nun dürfen sie wohl erst an Heiligabend erstmals auf das Eis. Um am 25. Dezember das erste Spiel zu bestreiten. Stürmer Nijenhuis sagt: "Quarantäne im Hotel ist furchtbar, 100 Mal schlimmer als daheim." Präventiv hatten das die Spieler vor der Abreise zum Lehrgang nach Füssen auch schon für einige Tage durchgezogen. Dennoch schlich sich das Virus offenbar ein.

Anzeige

Der Deutsche Eishockey-Bund gibt vor Ort aber Gas für seine gebeutelten Schützlinge. Nijenhuis berichtet: "Wir haben nach dem Frühstück regelmäßig ein Gespräch mit einem Sportpsychologen." Die jungen Sportler sollen nicht in ein mentales Loch fallen. Danach wartet ein erstes Workout, nach dem Mittagessen ist meist Zeit für Anrufe nach Hause, zudem hatten die Wolfsburger auch die Chance, den DEL-Auftakt ihres Teams zu verfolgen. Die Home-Calls werden weidlich genutzt. Raabe: "Ich telefoniere täglich mit meinen Eltern."

Es gibt eine zweite Trainingseinheit. Gearbeitet wird auf dem Zimmer mit Blackroll, Bändern, der eigenen Muskulatur - für Widerstand sorgt das eigene Körpergewicht. Am Abend folgt dann ein Team-Chat mit den Coaches. Einzelgespräche gibt es auch.

"Die Intensität ist schon sehr hoch", meint Angreifer Nijenhuis, schränkt aber auch ein: "Wie intensiv es wirklich ist, weiß man natürlich nicht. Man macht ja einfach sonst nicht viel im Zimmer." Er hat ein neues - was ihn freut, weil im alten Zimmer irgendeine Leitung undicht und der Fußboden nass war. Nur: Das neue Zimmer ist kleiner. Und um die Abwechslung zu erhöhen und den Trainings-Alltag aufzulockern, bekamen die Spieler noch Ergometer ins Zimmer. Die Eishockey-Welt ist dieser Tage also ziemlich klein für die U20 bei der Junioren-Weltmeisterschaft. Außer für die sechs Spieler, die schon eine Corona-Infektion vor der Anreise nach Kanada hatten und die schon trainieren dürfen. "Da ist man schon neidisch, wenn die erzählen", sagt Nijenhuis.

Diese Erzählungen, die Chats mit den Teamkollegen in den anderen Räumen sind eine Abwechslung, die intensiv gepflegt wird. An der Sehnsucht ändert das nichts. Die wurde auch noch durch das Spiel der Grizzlys gegen Krefeld befeuert, das die Wolfsburger in Kanada sehen konnten. Nijenhuis: "Das Eis fehlt einfach unglaublich."

Mehr zu den Grizzlys Wolfsburg

Wo sie sind - am Flughafen konnten sie es erahnen. "Edmonton, Eishockey-Stadt - man sieht überall Trikots, Schals - und jetzt kann ich aus meinem Zimmer draußen oft orangefarbene Mützen sehen." Mützen in den Farben der Edmonton Oilers, NHL-Team des Superstars Leon Draisaitl, Vorbild der meisten deutschen Nachwuchsspieler, der sich jüngst sogar in den Team-Chat einschaltete.

Die Intensität ist hoch, Raabe findet es gut, sagt: "Viele Meetings, viele Workouts, der Tag ist gut strukturiert, die Team-Führung macht echt viel. Trotzdem fällt einem natürlich langsam die Decke auf den Kopf." Auch sein größter Wunsch ist: "Ich will endlich die Eishalle sehen." Und: "Ich möchte gern mal wieder an die frische Luft."

Ein paar Tage werden sie sich noch gedulden müssen. Bis dahin stellen sie sich weiter ein, auf ihre Rollen, auf ihr Spiel, das sie am 25. Dezember um Mitternacht auf den 26.) gegen Finnland zeigen sollen. Doch Corona wird die Rollen mitdefinieren. Ob sie positiv oder negativ auf das Corona-Virus getestet wurden, dürfen Raabe und Nijenhuis nicht verraten. Der Spielbericht wird es zeigen, denn gegen Finnland werden die acht positiv getesteten Spieler noch nicht zum Einsatz kommen.