30. September 2021 / 15:13 Uhr

WM-Kampf, McLaren-Stärke und Schumacher-Zukunft: Thesen zum Formel-1-Monat – mit Norbert Haug

WM-Kampf, McLaren-Stärke und Schumacher-Zukunft: Thesen zum Formel-1-Monat – mit Norbert Haug

Norbert Haug
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 SPORTBUZZER-Kolumnist Norbert Haug blickt unter anderem auf den Titelkampf, die Zukunft von Mick Schumacher und die Stärke von McLaren-Mercedes.
SPORTBUZZER-Kolumnist Norbert Haug blickt unter anderem auf den Titelkampf, die Zukunft von Mick Schumacher und die Stärke von McLaren-Mercedes. © IMAGO/Motorsport Images/Getty Images/James Gasperotti/ZUMA Wire/dpa/Montage
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Eine neue Ausgabe der SPORTBUZZER-Kolumne mit dem ehemaligen Mercedes-Sport­chef Norbert Haug, der bereits mit Lewis Hamilton und Michael Schumacher zusammen­arbeitete, als diese als Renn-Junioren von Mercedes gefördert wurden. Wir legen dem F1-Experten Thesen vor – und Haug gibt seine Einschätzungen dazu ab. Die Themen des Monats: das starke McLaren-Team und die Zukunft von Mick Schumacher.

Der WM-Titelkampf zwischen Lewis Hamilton und Max Verstappen spitzt sich weiter zu: Nach 15 von 22 geplanten Rennen 2021 führt der amtierende Weltmeister Hamilton (36) die WM-Wertung vor seinem 13 Jahre jüngeren Kontrahenten aus den Niederlanden mit gerade einmal zwei Punkten Vorsprung an. Verstappen macht gerade in dieser Saison einen deutlich reiferen Eindruck als je zuvor und scheint den nötigen Biss zu haben (wie auch der Crash der WM-Rivalen in Monza gezeigt hat), um Weltmeister zu werden.

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Der SPORTBUZZER, das Sport­portal des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), hat dem ehemaligen Mercedes-Motor­sport­chef Norbert Haug diese These vorgelegt – und noch vier weitere. So äußert sich der 68-Jährige, der die Karrieren der jeweils sieben­maligen (Rekord-)Welt­meister Lewis Hamilton und Michael Schumacher von Beginn an begleitet und mit beiden als Sport­chef erfolg­reich gearbeitet hat, auch über die Stärke des McLaren-Mercedes-Teams. Daniel Ricciardo fuhr in Italien den ersten McLaren-Sieg seit 2012 ein, sein Teamkollege Lando Norris – in Monza Zweiter – lag beim Sotschi-GP wenige Runden vor Schluss in Führung, ehe der einsetzende Regen und eine falsche Strategie den zweiten Sieg des Teams in Folge verhinderte. Haug analysiert zudem die Vertragsverlängerung von Mick Schumacher bei Haas und erklärt, warum er den Sohn von F1-Legende Michael Schumacher mehr Wettbewerbsfähigkeit wünscht.

These 1: Max Verstappen hat in diesem Jahr den nötigen Biss und die Reife, um Weltmeister zu werden.


Haug: "Vor allem hat Verstappen im Vergleich zu den Vorjahren das bessere Auto und ein Team hinter sich, das noch schlagkräftiger geworden ist. Sei es bei gewitzten Strategien, der gekonnten Reifennutzung oder bei in aller Regel extrem schnellen und perfekt umgesetzten Boxenstopps. Nur gesamthaft so perfekt aufgestellt kann es auch für den besten Fahrer etwas mit dem Titelgewinn werden."

These 2: Doppelsieg in Monza, Pole und Beinahe-Sieg in SotschI: McLaren ist das Team des Monats.

Haug: "McLaren Mercedes, um präzise zu sein. Die Antriebsquelle spielt, wie auch in den erfolgreichen Zeiten von Häkkinen und Coulthard, eine entscheidende Rolle. Es wird noch dauern, bis McLaren Mercedes regelmäßig um Siege wird fahren können, aber die Entwicklung des Teams in diesem Jahr sieht durchaus vielversprechend aus."

These 3: Der Karriere von Mick Schumacher tut ein weiteres Lehrjahr bei Haas gut.

Haug: "Ich hätte Mick einen Wechsel in Richtung bessere Wettbewerbsfähigkeit gewünscht – aber die Option gab es wohl nicht. Es bleibt zu hoffen, dass sein Team 2022 einen entschiedenen Schritt nach vorne macht, was seine Leistungsfähigkeit betrifft. Bei jedem Rennen bereits im Vorfeld zu wissen, dass man entweder Letzter oder Vorletzter werden kann, sollte der Rest des Feldes keine Ausfälle oder Fehler produzieren, wirkt auch auf den stärksten Fahrer nicht wie ein kraftspendender Turbolader."

These 4: Als ich Lewis Hamilton das erste Mal in einem F1-Auto fahren gesehen habe, wusste ich, dass der Junge eine große Karriere vor sich hat.

Haug: "Lewis war besonders ab Tag eins. Schon in der Formel Renault, in der Formel 3, der GP 2 und davor auch im Kart mit Teamkollege Nico Rosberg, als Mercedes beide bereits im Jahr 2000 förderte. Ihm 100 Formel-1-Siege zu prophezeien – wie er sie jetzt in Sotschi erreicht hat –, hätte kein Mensch gewagt, der ernst genommen werden will. Bei den 91 Siegen von Michael Schumacher endete der Vorstellungshorizont eines jeden Motorsportkenners auf der ganzen Welt."

These 5: Die kommenden GPs im Oktober in der Türkei (10. Oktober) und in den USA (24. Oktober) sind allesamt Mercedes-Strecken.

Haug: "Keineswegs. Aber Prognosen sind dazu da, umgeschmissen zu werden. Und das keineswegs nur bei Bundestagswahlen."